Abenteuer vor der Haustüre

Das Grün der Bäume versteckt ihn so gut, dass er leicht übersehen wird: Der Waldkletterpark in Velbert-Langenberg. Das Areal rund um den Bismarckturm ist dabei das beste Beispiel, dass das Abenteuer vor der Haustür wartet.

Das Naturerlebnis beginnt schon auf der Fahrt zum Park: Die Straße windet sich wie ein kleiner Alpenpass um die Flanken der Höhenzüge von Velbert-Langenberg, wo die nördliche Grenze des Bergischen Landes das Ruhrgebiet küsst. Auf dem Gipfel führen nur die Funktürme noch höher hinaus, während die Schilder am kostenfreien Parkplatz in den Wald weisen.

Fast wie in den Alpen: Anfahrt zum Waldkletterpark

Sonnig führt der Weg leicht bergab auf den Bismarckturm zu, einem stolzen Bauwerk aus massiven Ziegeln, erbaut Anfang des vergangen Jahrtausends. Beinahe zierlich wirken dagegen die Stühle des Cafés zu dessen Fuße, in dem sich Kletterer und Spieler des angrenzenden Minigolfplatzes erfrischen. Seit dieser Saison kommt vom Betreiber des Parks alles aus einer Hand. Das „Baumhaus“ läuft im gastronomischen Testbetrieb, um die kulinarischen Wünsche der Kunden besser kennenzulernen. Im kommenden Jahr ist dann ein Neubau geplant.

Direkt gegenüber des Klettercafés schmiegt sich die Hütte des Waldkletterparks an die Flanke des Turms. Hier treffe ich zum ersten Mal das Team des Parks. Ganz modern habe ich vorab einen Termin über das Internet reserviert. So weiß ich (und das Team), dass wir in 20 Minuten als kleine Gruppe mit der Sicherheitseinweisung starten können. Und es bleibt noch Zeit, um die Ausrüstung zu prüfen: Handschuhe habe ich dabei, könnte sie aber auch mieten. Alles andere, was ich zum sicheren Klettern brauche, ist im Preis mit drin. Helm, Seile, Haken und Klettergurt. Eine Ausrüstung wie für den Klettersteig. Als Anfänger gefühlt wie für eine Himalaya-Expedition.

Bismarckturm mit Klettercafé (Neubau kommt 2018)

Aus- und Überblick vom Bismarckturm


Sicherheit nach DIN 15567

Zusammen geht es mit Nils Labude vom Team des Parks wenige Meter weiter auf die große Wiese. Launige 10 Minuten reichen, und die Ausrüstung sitzt: Wenn man weiß, wie man in den Klettergurt schlüpfen muss, ist es ganz einfach. Der Sicherungskarabiner wird locker über die linke Schulter geschwungen, die zusätzliche Rolle zum Einklinken in die Stahlseile magnetisch an der Hüfte befestigt. Noch. Optisch und in seiner Funktion erinnert er wenig später an den Antriebssatz einer Schwebebahn. Nur bewegt durch die Schwerkraft, nicht mit Strom.

Ich glaub, ich stehe im Wald: Einweisung auf dem Test-Parcour

Das Abenteuerherz bewegt auch die schwiere Zahl der Elemente des Parks: Immerhin 100 an der Zahl, integriert in 9 Parcours in bis zu 14 Metern Höhe. 8 Seilbahnen mit bis zu 150 Metern Länge warten auf uns. Daneben Höhepunkte wie der Sprung aus 7 Metern Höhe auf ein 10 Meter entferntes Netz, eine gelbe Banane – oder gleich die (zubuchbare) Todesschleuder, einem Sprung aus 14 Metern Höhe ins Nichts.

Angesichts dieser Eckdaten ist klar: Das mit der Sicherheit ist nicht nur Theorie oder Show. Stattdessen wird aus gutem Grund einer der höchsten Sicherheitsstandards aller Waldkletterparks in Deutschland geboten. Zum Beispiel durch ein neuartiges Sicherungssystem, dass ein Entkoppeln während des Kletterns quasi unmöglich macht. Oder der Erfüllung der Euronorm für Seilgärten, DIN EN 15567, und den ausgebildeten Kletterexperten und Sportwissenschaftlern vor Ort. Der Besuch des Parks ist damit laut Anbieter nicht riskanter als eine Fahrradtour – sicher aber weit aufregender.

Ganz unaufgeregt und ausgesprochen freundlich bringt uns Nils eingegurtet nach der Theorie auch noch die Praxis näher. Rasch wird die Gruppe locker, und man sieht nur noch strahlende Gesichter nach den ersten Erfolgserlebnissen auf dem kleinen Test-Parcour.

Im Notfall hilft die Thrillerpfeife

Jetzt kann es losgehen: Auf eigene Faust orientieren wir uns auf dem 6 Hektar großen Gelände in Richtung des ersten Einstiegs. Bei der Einweisung lief es noch wenige Zentimeter über dem Boden, eingeklinkt in Sicherungsseile. Jetzt müssen wir je nach Strecke unterschiedlich hohe Strickleitern erklimmen, um in die Welt der Wipfel zu wechseln.

Viel zu entdecken: Willkommen in der waldige Welt der Wipfel

Die Parcours sind in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt. Es ist eine gute Idee, als Einsteiger auf einer einfachen Strecke zu starten. Schließlich geht die Benutzung des Sicherungssystems erst nach ein paar Minuten in Fleisch und Blut über. Und selbst ein einfacher Parcour bietet für den Anfang genügend Thrill und Herausforderungen, zum Beispiel mit einem Sprung an der Tarzan-Liane in das gefühlt 15 Meter entfernte Netz. Gar nicht so einfach, von dort aus wieder auf die nächste Baum-Plattform zu gelangen, weil der Instinkt (sich festzuhalten) diametral den Anforderungen dieser Stelle (den Sicherungen vertrauen, und sich auf die Nachführung des Seiles konzentrieren) gegenübersteht.

Wer als Anfänger hier ein wenig Mühe haben sollte, kann jedoch auf die Experten des Parks hoffen. Sie sind im Notfall zur Stelle, und können dafür einfach mit der Notfall-Trillerpfeife gerufen werden (hier wohl eher eine Thrillerpfeife). Bei meinen Besuchen habe ich jedoch noch kein einziges Mal das Pfeifen im Walde gehört, was einerseits für die gute Einführung und Usability der Kurse spricht. Andererseits sind sie ohnehin präsent im Gelände und zur Not zur Stelle. Tipps und gute Ratschläge sind an gut besuchten Sommertagen nie weit weg, weil schließlich hinter einem die nächsten Kletterer aufschließen.

Wie die Spinne im Netz

Die Lösung eines Problems auf der Strecke ist somit im Interesse aller Teilnehmer, weil sich so der Stau auflöst. Und falls es doch mal länger dauert, lernt man nette Leute kennen (Kletterparkbesucher und -betreiber sind neben der Laufszene die nettesten Menschen der Welt). An Schlüsselstellen kann man alternativ zum Ausblickgenießen oder Quatschen allerdings auch eine alternative Route wählen. Dafür sollte man spätestens hier sein Equipment gut beherrschen, da die eigene Sicherung in zwei Zügen im dreidimensionalen Raum durch die vierseitigen stählernen „Kreuzungen“ des festinstallierten Seilsystems manövriert werden muss. Weiß man, wie´s geht, ist es ganz einfach. Wenn nicht, können Beziehungen daran zerbrechen. Was hier hingegen immer hält, ist der Stahl, das Seil, das Sicherheitskonzept.

Sinne auf Anschlag

Spätestens nach dem ersten Kurs ist der Einstieg geschafft, und ich stehe vor Begeisterung in Brand (zugegeben, eigentlich keine gute Formulierung für den Wald, aber schon Ernst Ferstl wusste: „Wer das Feuer der Begeisterung in entfachen will, muss selbst vor Überzeugung brennen.“). Und ja, spätestens hier bin ich überzeugt: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein. Könnte man so auf ein kitschiges Wandtattoo schreiben, oder halt mit etwas mehr Schöpfungshöhe hier im Blog.

Über diesen Ort, wo uns die Plattformen um die massiven Stämme Halt und Ausblick bieten, und die luftigen Strecken dazwischen zum körperlich angenehm sportlichen Drahtseilakt werden. Dort, wo das Herz vor Aufregung schneller schlägt, die Augen sich weiten, und uns die Dimensionen des Raumes durch das Blätterdach im neuen Licht erscheinen. Beruhigt durch die Stille inmitten dieses grünen, braunen, blauen Meers der Natur, berauscht durch die Lebendigkeit, vergessen in der Zeit, konzentriert immer nur auf den Augenblick. Im Wald, den wir so noch nie gesehen, gespürt und genossen haben: Mit den Sinnen auf Anschlag, dem Adrenalin sei Dank.

Abenteuerlicher Kletterpark braucht abenteuerliche Bilder

Stundenlange pure Freude mitten in der Natur (offiziell ist nach 4 Stunden Schluss, praktisch schaut hier aber niemand auf die Uhr) – das muss man wirklich und einfach und echt selbst erlebt haben. In diesem Sinne kann dieser Beitrag nur ein Teaser sein. Ein sinnlich gesehen untauglicher Versuch, euch das Erlebnis rüberzubringen. Weil ihr hier halt nur eure Augen braucht, im Waldkletterpark aber euern ganzer Körper und alle Sinne. Die Eindrücke gehen im Vergleich dabei weit über das Laufen hinaus. Nur ein Triathlon mit seinen unterschiedlichen Disziplinen und Sinneseindrücken kommt sensorisch an das Naturerlebnis „Klettern“ heran. Insofern ist der Park ein Must-Have für sportlich aufgeschlossene Naturliebhaber, und eine gute Alternative zu einem Umzug in die Alpen.

Man braucht kein Hochleistungssportler sein, um mitzumachen: Das Angebot des Parks richtet sich an Kinder (ab 4 Jahren auf einem speziellen Kinderparcour, ab 9 Jahren auf dem Adventure-Parcour), Erwachsene und Senioren mit gesunder, altersgerechter Physis. Ausbebildeter Kletterer oder Sportler muss man nicht sein. Spaß, Spannung und eine leichte sportliche Betätigung an der frischen Luft stehen im Mittelpunkt.

Menschen, die Höhenangst haben, können perfekt ihre eigenen Grenzen erkunden und überwinden. Die Strecken lassen sich frei wählen, und so der Anspruch und das Zutrauen in die Sicherheit und eigenen Fähigkeiten langsam steigern. Am Ende hat das schon vielen Menschen das Erfolgserlebnis geschenkt, die Angst überwunden zu haben.

Mein Freund der Baum

Das Hüsler-Skala „D“

Glücklicherweise habe ich mit der Höhe kein Problem, und vertraue voll auf Technik. Sie relativiert sich schließlich, weil es spätestens ab einer gewissen Distanz keine Rolle mehr spielt, wie tief man fällt. Zugegeben, das ist jetzt kein Argument, was ängstliche Menschen überzeugt. Für mich persönlich funktioniert es aber ganz gut.

Mit einer Ausnahme: Der Kletterparcour mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad, „xtreme“. Freigegeben ab 12 Jahren bzw. 160 Zentimetern Körpergröße, muss man für den Einstieg 14 Meter über eine Strickleiter und Kletterei direkt am Baum überwinden. Am Ende stößt man von unten an die erste Plattform des Steigs, die außerdem recht ausladend ist. Es kostet Überwindung, diesen Überhang zu erklimmen – denn unter mir liegt eine ungewöhnlich große Distanz zum Boden. In so Situationen ist man im Alltagsleben einfach zu selten. Also erstmal durchschnaufen, und die richtige Technik überlegen (bzw. EINE Technik, vermutlich geht es nämlich eleganter, als sich in die unteren Stützbalken zu krallen, und das linke Bein mit Schwung auf die Plattform zu hieven, um dann den Rest nachzuziehen).

The only way is up: Parcours „xtreme“

Beim Klettern, Bouldern und Bergsteigen gibt es Skalen aus Zahlen und Buchstaben, die die Schwierigkeit einer Route beschreiben. Für Freizeitkletterparks (und übrigens auch Klettersteige) gibt es das nicht. Also muss ich schätzen: Der „xtreme“ Parcour ist größtenteils schwierig, anstrengend und kräfteraubend. Check. Das Gelände ist senkrecht und häufig ausgesetzt. Check. Die Begehung kann nicht mehr ohne Sicherungsseile passieren. Check. Genügend Kraft in Armen und Beinen wird vorausgesetzt, selbst erfahrene Kletterer sind im Seilschaftsverbund anzutreffen, für Anfänger und Kinder nicht geeignet. Check. Folglich wäre das ein „D“ für „sehr schwierig“ in der (für Klettersteige inoffiziellen) „Hüsler-Skala“.

Die Hängeleiter (oben) wird zur Hangelleiter…

Mulmig, dass ist das richtige Wort für das Gefühl beim Einstieg. Fokussiert, wenn man auf seinen Körper horcht, ihn als Werkzeug einsetzt und am Ende obsiegt. Großartig, wenn man oben steht, weiterkommt, zurückblickt. Und kräftezehrend, wenn man final alle Hindernisse des Parcours bewältigt hat. Wohlgemerkt, WENN. Weil es ein kleines Hintertürchen gibt: In manchen Abschnitten kann man sich auch einfach ins Seil fallen lassen, und zur nächsten Plattform rüberziehen. Dieses Wissen kann tröstlich und nützlich sein (zum Beispiel, um die Thrillerpfeife im Notfallbeutel zu lassen, oder falls der Nachwuchs ruft, er wolle jetzt endlich zum versprochenen Kuchen ins Klettercafé).

Kuchen!

Aprops Kuchen: Hab ich probiert. Hat super geschmeckt. Und mich dabei noch ein bisschen mit Geschäftsführer Dany Fenzl unterhalten. Dany ist ein sympathischer, wacher und völlig unprätentiöser Typ. Unter seiner Mütze quillt sein brauner Lockenkopf hervor, und spontan verorte ich ihn eher biwakierend am K2 als in Velbert-Langenberg. Bestimmt kommt er doch irgendwo aus den Alpen, schon alleine wegen des Namens. Fenzl, Petzl, das hängt doch zusammen? Dany lacht und winkt ab: Das würde sich für einen Beitrag bestimmt gut machen, nur kommt er eigentlich aus der Frankfurter Ecke, und fährt in seiner Freizeit gern Kayak. Naturbursche, also doch, ich hab´s gewusst.

Netter Naturbursche und Geschäftsführer des Waldkletterparks: Dany Fenzl

Wir sprechen in den Sonnenuntergang hinein über die großzügige Anlage: Das Gelände ist genau wie der (besteigbare) Bismarckturm und die Räumlichkeiten der Gaststätte vom Velberter Verschönerungsverein (VVV) gepachtet. Mittlerweile gehört auch der Minigolf zur Freizeitmacher GmbH, die offizieller Betreiber des Waldkletterparks sind. Neben Velbert-Langenberg gibt es noch zwei weitere Standorte in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Leiwen an der Mosel. Das Café hier in Velbert ist momentan im Probebetrieb, um die Nachfrage zu testen: Was wünschen sich die Kunden auf dem Teller? Kommt beispielsweise eine köstliche Quiche Lorraine vielleicht noch besser an als Pommes und Currywurst? Für 2018 liegen die Pläne des Neubaus des kompletten Klettercafés schon in der Schublade, zusammen werfen wir einen Blick darauf. Selbst die Gestaltung der Routen und Elemente im Park richtet sich nach dem Feedback der kletternden Kundschaft: Härtere, höhere, längere und lustigere Hindernisse gibt es, wenn nur oft genug der Wunsch geäußert wird.

Am Ende machen wir noch ein Foto, und ich merke: Dany ist routiniert. Pro7 war schon da, Sat1, und der WDR sowieso (dessen riesige Satellitenschüssel für den Upstream nur wenige hundert Meter entfernt zu Füßen der Langenberger Sendemasten thront). Der Mann hat Erfahrung im Umgang mit Multiplikatoren, hat gute Kontakte und im Team die richtigen Leute. Sie verstehen hier nicht halt nicht nur was vom Klettern, der Gastronomie und aktiven Freizeitgestaltung. Es liegt nicht am Thema „Waldkletterpark“, dass mich das überrascht. Sondern schlicht an dem hohen Niveau irgendwie in Allem. Der Kohärenz.

Der Park ist der Star, und das ist kein Zufall. Dany hingegen mag es gar nicht mal so sehr, abends in der Kneipe in Velbert erkannt zu werden, obwohl er aufgrund der Arbeit aus Essen nach Velbert gezogen ist. Das kann ich gut verstehen, schließlich bräuchte es eigentlich nur noch ein Zelt und etwas Verpflegung für die Grillwiese, und man bräuchte von diesem Berg gar nicht mehr runter.

Doch auch ohne Dauerbiwak wird ein Besuch im Waldkletterpark Velbert-Langenberg schnell zum Abenteuer, direkt vor eurer Haustüre. Absolut empfehlenswert!

I´ll be back, definitiv

P. S.: No Freedom, no Fly

Ja, das waldige Gelände mit Rundumblick ins Bergische Land und Ruhrgebiet ist ein äußerst reizvolles Motiv für Luftbilder mittels Drohne. Aber: Da sind Sender. Theoretisch solle nichts passieren, weil Radio auf UKW und Mittelwelle (letzteres wurde in Langenberg schon vor einer Weile abgeschaltet) sowie GSM und UMTS frequenztechnisch der Drohne mit 2,4 bzw. 5,89 GHz nicht in die Quere kommen. LTE allerdings wird auch im Bereich von 2 GHz und 2,6 GHz genutzt, daneben gibt es digitale Bündelfunksysteme für die professionelle Nutzung (zum Beispspiel für die Polizei).

Dem Mobilfunk kann man man im Luftraum eigentlich nirgends entkommen, dessen Sendeleistung und vor allem die (kompass-kompromittierenden) elektromagnetischen Felder in unmittelbarer Nähe der Masten ist jedoch ein m. E. nach unkalkulierbares Risiko für den Einsatz von Multicoptern, zumindest mit einer Abschirmung wie im semiprofessionellen Bereich üblich. Deshalb habe ich heute leider kein (Luft)Bild für euch, aber das hier:

Abenteuerkletterpark Now meets Klettercafé del Mar

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