Run Happy am Ring: StrongmanRun 2015

Elysium in der Eifel: Am Nürburgring zusammen mit dem Run Happy Team ganz vorn am Start. Hinter uns: 13.500 andere Läufer. Vor uns: Das größte Hindernisrennen der Welt.

„Mensch, das sieht ja aus wie Tomorrowland!“

so meine Bekannte, als sie die ersten Bilder sah. Es weckte bei ihr Erinnerungen an ein elektronisches Musikfestival in Belgien, das passenderweise in der Belgischen Stadt Boom seit gut 10 Jahren statttfindet. So wie der Burning Man. Nur halt StrongMan.

Und irgendwie ist es ja auch was mit Man und Musik. „Run am Ring“ statt „Rock am Ring“: Der größte und schmutzigste Hindernislauf der Welt, mittlerweile  Zentrum einer ganzen europäischen Serie von Veranstaltungen beispielsweise in den Niederlanden, Luxemburg, Belgien, Italien oder Frankreich. Ein sportliches Festival in der Eifel, das auf dem Kontinent seinesgleichen sucht.  Der StrongmanRun in Deutschland ist das Herz der Serie, der größte seiner Art, über rund 24 Kilometer, mit mittlerweile 13.500 Anmeldungen und einem Motivkomplex irgendwo zwischen athletischer Ekstase und positivem Eskapismus.

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Ich bin der Laufserie treu seit Jahren. Crossläufe sind mittlerweile eine eigene Kategorie von Veranstaltungen. So wie es bunte Firmenläufe  gibt, Winterlaufserien, knallharte 10 Kilometer oder kleine wie große Marathonläufe. Je härter und spektakulärer, desto besser. Meist dreckig (Ausnahmen wie der etwas zu glatte Urbanathlon bestätigen wie Regel) und meist mit einem kooperativ-kompetitiven Gedanken. Manche Hindernisse erfordern nicht nur Kraft, Mut, Überwindung und Energie, sondern auch Hilfe. Der StrongmanRun ist keine Veranstaltung, die nur als Team bewältigt werden kann, eine helfende Hand wird an so  mancher Stelle aber gern gegeben und genommen.

„Überhaupt ist der Lauf geprägt vom Teamgeist, denn zusammen lässt es sich einfach leichter leiden.“

Bei der Beschreibung des Erlebnisses habe ich früher immer mal wieder auf die Mischung aus einem Halbmarathon und Junggesellenabschied verwiesen. Wegen der ungefähren körperlichen Beanspruchung in Verbindung mit der Ausgelassenheit, der Kreativität und dem Spaßfaktor. Das wird der Sache aber nicht mehr gerecht. Weil es sie zu sehr reduziert, denn der Lauf ist das, was man daraus macht. Und auch wenn ich für mich persönlich in den vergangenen Jahren eine Menge daraus gemacht habe, gegeben habe, daraus gezogen habe: Dieses Jahr übertraf alles bisher Dagewesene um ein Vielfaches.

Es fing ganz harmlos an. Die Kollegen von Brooks trommelten die Mannschaft zusammen, ähnlich wie im vergangenen Jahr beim CityRun in Münster. Nur dieses Mal ein bisschen größer, mit Anreise bereits am Freitag, Hotel direkt am Ring, einem entspannten Samstagvormittag, gemeinsamen Start von ganz vorne und fotografischer Begleitung durch ein eigenes Profi-Team. Ganz schön whow, die Zusage zu solch einer Einladung war natürlich reine Formsache.

Freitag

Normalerweise komme ich erst am Tag der Veranstaltung an. Ausnahme war Berlin, weil eine Nacht auf der Autobahn mit anschließendem Marathon morgens wenig verlockend schien. Umso entspannter konnte ich damals den regelrecht meditativen Morgen, Dawn of the Dauerlauf, angehen. Sonnige Stunden, die nachhaltig in Erinnerung blieben. So auch dieses Jahr am Nürburgring.

Zum Beispiel wegen der völligen Absenz von Stress. Wobei, am Freitag stresste der Job im Büro noch ganz ordentlich. Ich liebe meine Arbeit, doch mit tausend Dingen um die Ohren und mit Anzug und Krawatte am Körper erschien mir die Vorstellung, in wenigen Stunden im sportlichen Dress und mit 13.480 Verfolgern im Rücken durch die grün-braune Hölle in der Eifel zu laufen, klettern, kriechen und schwimmen doch irgendwie weit weg.

Immerhin habe ich am Vorabend alles Nötige in´s Auto gepackt: Laufschuhe, Ersatzlaufschuhe, Shirt, Alternativshirt, Hose, Kamera 1, (neue) Kamera 2, Akkupacks, Netzteile, Kopfhörer, Drohne, Laptop, Handy und Notizblock. Das klingt nicht nur nach Stress. Es rüstet einen für alle medialen Fälle, und wenn man auf seinem Zimmer mal Langeweile haben sollte, ist definitiv was zum spielen da. Oder arbeiten. Oder eben beides gemeinsam, so wie das idealerweise ist.

Zum Glück gab es natürlich nicht mal eine Minute Langeweile. Noch im Anzug setzte ich mich am Freitagmittag also in den Alfa Richtung Ahaus. Köln, Bonn, Hohe Acht. Trotz mäßigem Stau Ankunft pünktlich um 15:15 Uhr am Hotel, das Lindner direkt am Nürburgring. Der erfrischend freundliche Empfang und das tolle Zimmer und Ambiente war ein willkommener Kontrast zu den zurückliegenden internationalen gastgewerbetechnischen Erfahrungen. Gehobener deutscher Standard, wirklich klasse.

Als ich meine kleine Suite betrat, gab es diesen Schneewittchen-Moment:

„Wer hat mein Zimmerchen betreten? Wer hat diese Sachen auf mein Bettchen gelegt?“

Ich gucke genau wie die sieben Zwerge, die von der Arbeit in ihr Häuschen heim kommen. Und genauso andächtig wie die Zwerge auf die schlafende Königstochter schauten, musterte ich die wunderschönen Gaben, die da auf dem Laken lagen: Die Ausrüstung für das Run Happy Team von Brooks, das als kleiner Willkommensgruß schon mal zur Schlafstätte vorausgeeilt ist. Wie im Märchen, nur dass ich schnell ein Foto mache, und es mit einem Dankeschön an Brooksrunning_De twittere. Davon konnten Zwerge nur träumen.

Als nächstes befragte ich meinen Spiegel. Nach dem Check-In stand am Nachmittag eine exklusive Streckenbesichtigung auf dem Programm, zusammen mit dem Getting Tough Team vom Brooks (die späteren Sieger, ganz nebenbei). Im Businessdress bleiben? Schon mal Laufsachen anziehen? Ich entschied mich für eine Kombination, vermied es jedoch durch einen geschickten modischen Schachzug, wie Cherno Jobatey auszusehen. Also das Shirt über Hemd und Krawatte, Jacket blieb weg, bipolarer Look untenrum: halb Lloyds, halb Brooks. Meine heutige Herkunft direkt aus dem Büro nicht zu verleugnen, das half. Und unterstrich den Minister in mir.

So aufgehübscht ging es in die Lobby des Hotels. Lockeres Briefing für die ganze Meute lauter netter Leute. Nach großem Hallo und Handshakes lautete heute der Plan: Kleine Begehung des noch menschenleeren Rings, dann Käffchen und Kuchen, Austausch und Präsi zur Marke, am Brooks-Stand die Startnummern holen, Abendessen und Pre-Run-Party. Ein guter Plan, der zudem perfekt funktionierte.

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Endlich normale Leute!

Beim Abendessen komme ich mit Kai Pohlkamp ins Gespräch. Gemeinsam mit seiner bezaubernden Assistentin begleitet er uns heute und morgen. Und „Begleitung“, das bedeutet, dass die beiden später tatsächlich knietief im Schaum und Dreck stehen werden, während sie uns beim Lauf mit den Kameras auflauern. Bestimmt kein Dreh wie jeder andere, der damit auch besondere Anforderungen an die Wetterfestigkeit des Materials stellt. Am Tisch drehen sich unsere Gespräch schnell um Technik. Vollformat, Slow Motion, Schnitt. Selbst die athletische Läuferin gegenüber erwähnt die Liebe zu ihrer Xbox. Endlich normale Leute!

Kurz vor Mitternacht geht es zusammen mit ein paar Bloggerkollegen und –innen noch auf ein Hefeweizen in die Lindner Lounge. In luxuriösen Ledersesseln lümmelnd, tauschen wir uns  aus. Sportlich, beruflich, kreativ und familiär – die Gespräche inspirieren, Zeit spielt nur noch bedingt eine Rolle und auch wenn Laufen ein echter Individualsport ist, waren auch diese Stunden das beste Beispiel dafür, wie sozial und verbindend unser Hobby ist.

Mit Blick auf die Uhr und körperlichen Herausforderungen des nächsten Tages beschließen wir den Abend nicht allzu spät / früh. Während die anderen ins Hotel zurückkehren, nutze ich die Nacht noch für einen kleinen Photowalk mit der (neuen) Kamera 2, einer Sony Alpha 7. Natürlich habe ich sie in erster Linie gekauft, da sie vom Namen her perfekt zum Auto (Alfa Romeo) und Vornamen (Alf) passt. Also.

In zweiter Linie fotografiere ich ganz gerne. Zuletzt war ich mit einer Nikon D5000 unterwegs, zuerst 1993 mit der bahnbrechenden Apple Quicktake 100. Zugegeben, ich bin kein Kind der analogen Fotografie. Dafür digital ziemlich von Anfang an, mit Zwischenstationen bei Sony (unvergessen: Die Mavica mit Diskettenlaufwerk 1997), Konica Minolta (die A200 im Jahr 2004, noch bevor die Kamerasparte von Sony übernommen wurde), Canon (Rebel) und eben Nikon. Was man mittlerweile halt so hat als halbwegs bezahlbare Spiegelreflex.

Doch auf den letzten Reisen habe ich der Kamera ihr Alter angemerkt. Ihr bildverarbeitender Chip ist relativ klein, sie selbst hingegen relativ groß, und die Bilder wurden häufig nur mit größerem Aufwand wie gewünscht. Sprich viel Ausschuss, ab der Dämmerung besser nur mit Stativ, im Gesamtergebnis meist Nachbearbeitung nötig. Am Ende des Tages schon okay, nur geht es technisch mittlerweile deutlich besser. Was diesmal meinen Blick nicht nur in Richtung neuerer Nikon-Modelle ähnlicher Klasse und Bauart (5300, 5500)  lenkte, sondern auch Richtung Vollformat. Um euch an dieser Stelle nicht mit technischen Details zu langeweilen: Jetzt ist sie also da. Demnächst stelle ich euch die Sony Alpha 7 noch in einem eigenen Beitrag vor. Sie hat´s verdient. Haltet euch bisweilen an die Bilder – alle frei aus der Hand, ohne Stativ und nur mit kleiner Nachbearbeitung.

Kommen wir lieber zu einer anderen Sache, die uns alle betrifft: Schlaf.

(Gute) Nacht

Eigentlich keine große Sache vor so nem Lauf: Ausrüstung +++ CHECK +++ Schlummertrunk +++ CHECK +++ Bettchen +++ CHECK. Over and out? Nicht heute Nacht: Ich weiß nicht, wie es euch bei sowas geht. Mich peitschten die vielen Eindrücke von Tag und Abend auf, die neuen netten Leute und die Vorfreude auf den nächsten Tag. Und es war auch keine gute Idee, sich nachts um halb zwei auch noch mal mit Kopfhörern und Musik vermeintlich müde zu liegestützen. Das klappt zu Hause, aber anschließend nicht in der vor lauter steifer Frische knisternden Bettwäsche vom Lindern. Außerdem musste ich mir unbedacht schon beim Abendessen unser „First Fity“ Bändchen überstreifen, was mich jetzt taktil am rechten Handgelenk dauernd an die morgige Pole Position erinnerte. Kurz gesagt: Ich konnte nicht schlafen. Höchstens ein bisschen. 4 Stunden und nur bis viertel nach sechs. Das ist doch mal eine Kampfansage des eigenen Körpers, dem Dopamin sei Dank.

Samstag

Nach einem tollen Frühstück ging es am Vormittag erneut zum Photo Walk Teil 2 über den Nürburgring. Der Himmel bedeckt, kurz vor Niesel und mit starkem Wind. Nicht unbedingt geeignet für die Drohne, außerdem sind schon Helikopter in der Luft, die den Ring immer wieder in niedriger Höhe überfliegen. Aus dem vergangenen Jahr habe ich gute Luftbilder bei klarem Himmel (Beispiele anbei, sie sind mittels neuer Software außerdem optimiert, also ein bisschen so wie die alten StarWars-Teile durch CGI aufgepimpt wurden, ungefähr zumindest), also bleibt der Copterkoffer diesmal zu, und ich habe mehr Zeit, entspannt über das mittlerweile vertraute Gelände zu streifen:

Das wuselige Treiben dank der mittlerweile zahlreich eintreffenden Teilnehmer und Zuschauer stand im signifikanten Gegensatz zum gestern noch geruhsamen Tag. Übrigens führte die frühe Ankunft in Verbindung mit dem ausführlichen „Framing“ der Location zu einem gewissen, naja, Heimatgefühl. Irgendwie war das diesmal, wie soll ich sagen, unser Ring. Und die anderen, seien wir ehrlich, nur die Gäste. Spaß beiseite, der Kontrast durch die laute, bunte und fröhliche Menschenmenge wunderte mich nur insofern, die Gelegenheit zu einem so entspannten Ankommen am Vortag nicht schon in den Vorjahren genutzt zu haben. So bleibt Gelegenheit, am Samstag rein die Stimmung zu genießen.

Hilfreich ist hier auch ein Parkplatz direkt unterm Startplatz (eventuell wäre das eine Slogan- Alternative nach dem Verlust von Rock am Ring, Stichwort

„Start am Park.“

Sollte das jemals auch nur ein Hintertupfinger Wald- und Wiesenlauf textlich für sich reklamieren, lege ich Wert darauf, ab sofort alle Rechte daran zu besitzen)…

Normalerweise parkt man als Teilnehmer auf den ausgewiesenen Parkplätzen unter freien Himmel um den Ring herum. Je später man kommt, desto weiter weg. Bei ganz wenig Zeit und etwas Pech gibt´s zur Strafe nur noch den letzten Winkel auf dem aufgeweichten Campingplatz bei Nieselregen (ich weiß, wovon ich schreibe). Doch diesmal nicht. Diesmal lagen nur 10 Meter und eine Treppe zwischen meinem Alfa und dem Herzen des StrongmanRun. Um das auszukosten, bin ich extra oft zum Auto gegangen.

Etwa, um mir in letzter Minute auf vielfachen Wunsch doch wieder Bürohemd und Krawatte über dem Unterhemd anzutun. Widerrum alles unter der Oberschicht aus orangenem Brooks Team-Shirt, immerhin mit causal aufgekrempelten Ärmeln.  Zwiebelprinzip. Schließlich ist der coole Foto- und Videograf diesmal dabei. Und drei Shirts übereinander, so dachte ich, trägt obenrum ein bisschen mehr auf. Denkste. Es macht untenrum eher breit. Bin ich mir nach eingehender Analyse der Bewegtbilder jedenfalls sicher. Andererseits liegt es vielleicht einfach am Breitbildformat der Videos. Ich weiß es doch auch nicht. Nur, dass ein einziges Hemd oder Shirt vollkommen ausreicht, wenn überhaupt. Die Sachen saugen sich nämlich auch voll. Klarer Fall, Kampfansage der Kleidung.

Um 11 Uhr treffen wir uns alle am Brooks Stand. Fotos, Interviews und die letzten 2 Stunden bis zum Start genießen. Es ist der perfekte Moment in einer Reihe von vielen bislang perfekten Momenten, ohne zu wissen, wie perfekt es noch werden wird. Emotionen wie Freude, Glück oder auch Trauer sollen vom Menschen ja angeblich nur bis zu einer gewissen Intensität wahrgenommen werden können, über die hinaus keine Steigerung möglich ist. Daran mache ich Zweifel geltend. Es geht mehr, als man denkt. Sportlich und emotional.

Eifel. Ekstase. Eylsium.

Zugegeben, es war einfach überwältigend. Mit unseren „Fist Fity“ Bändern am Arm durften wir kurz vor dem Start in den extra abgesperrten Bereich unmittelbar an der Startlinie. Der Startkanal der Rennstrecke war soweit das Auge reicht voll mit Menschen, die teilweise seit Stunden geduldig und immer enger beieinander stehend und feiernd auf den Start warteten. Und als ob das noch nicht reichte an Masse, waren die Besuchertribünen schwarz vor Zuschauern.

Eine Kulisse wie beim Wuppertal-Vohwinkler Trödelmarkt mit Blick von oben aus der Schwebebahn, nur noch viel, viel voller. Auf historischem Grund und Boden einer Formel1-Rennstecke, heute beseelt von tausenden tapferen Läuferinnen und Läufern. Angepeitscht durch ohrenbetäubende Rockmusik aus haushohen Boxen, zu deren Füße wir einziehen die Gladiatoren in die Arena. Mal kurz umgedreht für ein Foto:

Startfeld Strongmanrun hinter uns

Der Anblick, der Moment macht fassungslos. Es ist das absolute Maximum, was ich an audiovisueller Rezeption an einer Startlinie jemals genießen durfte. Die kostbarste Dreiviertelstunde seit Jahrzehnten. Ein synaptischer Overkill, der körperlich ausagiert wird. Zu allem Überfluss haben wir in dem Bereich nämlich auch noch richtig viel PLATZ. Wir tanzen Pogo, steigen auf die Seitenbegrenzung aus Beton, tanzen mit der Menge und starten LaOla-Wellen, die sich hunderte Meter weit ins Starterfeld fortsetzen. Eine absolut unfassbare Intensität. Überall Fotografen und Filmteams, immer auf der Suche nach dem besten Shot. Unsere Köpfe wandern in den Nacken, der Blick in den aufklarenden Himmel gerichtet. Die Feuerstöße des Startbogens wärmen unsere Gesichter. Der überlaute Bass von Beasty Boys und Papa Roach lassen unsere Körper beben und die Nebelstöße am Start machen die Szenerie noch surrealer. Diese Eindrücke werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen und ich bin mehr als dankbar dafür.

Wenige Minuten vor dem Start formiert sich auch das First-Fitfy Feld, was gefühlt dann doch vielleicht 100 oder 200 Läufer sind. Uns erreicht noch die Info, beim Start möglichst auf der rechten Seite zu laufen, weil sich dort (unter anderem) unser hauseigene Fotograf positioniert hat. In der allerersten Reihe stehen die Vorjahressieger und diesjährigen Titelfavoriten vom Getting Tough Team.

Noch wenige Sekunden bis zum Start.  Der künstliche Nebel erschwert die Sicht und zaubert einen eigentümlichen Geschmack auf die Zunge. Die Fotografen behindert es offensichtlich nicht, sie wirken fast noch frenetisierter als wir. Das Adrenalin in der Luft lässt sich beinahe greifen. Die Pyrotechnik zündet, der Countdown läuft, der Startschuss fällt. Alle Blicke und Beine sind geradeaus gerichtet, sofort nach dem Start verbreitert sich der Weg auf die volle Ausdehnung der Rennstrecke, laut schallen die Explosionen des Tag-Feuerwerks über und unmittelbar darauf hinter uns, während die Musik leiser und unser Atem lauter wird.

Rythm is a Runner

Den Rhythmus bestimmen jetzt nur noch unsere Beine, unser Herz, unser Atem. Der Preis für einen möglichst stolperfreien (!) und blitzschnellen Start ganz weit vorne ist ein hoher Puls. Der ist genauso einkalkuliert wie die Tatsache, nach einigen hundert Metern etwas Tempo rauszunehmen, zumindest wenn man kein Elite-Läufer ist. Persönlich fiel mir das relativ leicht, da ich auch Anfang Mai leider noch sehr große Probleme mit der Atmung hatte. Ein besonders schweres allergisches Asthma in diesem Jahr, doch laut Frau Dottore stünde ich ohne Sport ganz anders da. Vermutlich wären dann auch keine 02:48 Stunden als Nettozeit drin, persönliche Bestzeit auf 24 hindernisdurchsetzten Kilometern.

Der Start aus der Pole Position hat gerade zu Anfang den Vorteil, an keinem Hindernis warten zu müssen, weil sich ein Rückstau bildet. Das war in den vergangenen Jahren vereinzelt ein Problem, hat sich aber 2015 vollends in Luft aufgelöst. Was wohl nicht nur an der Startpositon lag. Auch in der zweiten Runde (tatsächlich darf man beim StrongmanRun jedes Hindernis 2x genießen) kam es diesmal zu keinem Zwangsstopp. Bei einem Rekordteilnehmerfeld will das was heißen.

Ehrlich gesagt habe ich nur eine kleine Idee, woran das lag. Aus den vergangenen Jahren habe ich einen guten Eindruck von den Hindernissen, ihrer Zahl, ihrer Art. Angefangen von einfachen Barrikaden aus Heuballen, die man mit einem Sprung oder einer Körperrolle einfach überwindet (die mit schwindender Kraft aber immer fieser werden). Über Felder aus zähem Schlamm, die man auf allen Vieren überwindet, während man vom Boden aufgefressen wird. Oder das berüchtigte Becken mit eiskaltem Wasser, das man über eine gefühlte Länge von 100 Metern diesmal tatsächlich nur schwimmend durchqueren konnte. Eine saubere Sache sind auch die riesigen schwarzbeplankten Wasserrutschen. Macht da nur besser sitzend den Abschwung, statt springend den Abflug (ich hatte nicht mit der Härte der darunterliegenden Bretter gerechnet, dementsprechend den unteren Rücken lädiert, aber was macht man nicht alles, wenn die Fotografen unten warten). Neu und fast schon entspannend in diesem Jahr die Tunnelröhre Marke Spumaparty im Tomorrowland sowie die obligatorischen Publikumslieblinge „Autoreifenwüste“ und „12 Volt Wald“.

Die Hindernisse sind jetzt so angelegt, dass das Feld möglichst homogen auseinandergezogen wird. Die Teilnehmer werden dabei so gut es geht gleichmäßig auf die Gesamtstrecke verteilt. Erreicht wird das mit veränderten Abständen und durchaus verstärkter Härte der Hindernisse. Weniger jeweils durch die körperliche Leistungsspitze als die Länge und Dauer. Beispielsweise gab es vor einigen Jahren noch mehrere Reihen an einem Abschnitt, an dem man sich rein mit den Armen über einen „Abgrund“ hangeln musste. Da die Läufer darin eher wenig geübt waren, dauerte es entsprechend (auch, weil jeder Teilnehmer, der mittendrin runterfiel, zwar nicht starb, aber zur Strafe neu beginnen musste. Hätten sie tot im Abgrund gelegen, wäre es wieder egal gewesen). Stattdessen gab es diesmal längere Hindernisse, die langsam, aber kontinuierlich vom Feld bewältigt werden konnten.

Das klappte also ganz wunderbar, nur blieb so weniger (besser: keine) Gelegenheit für Stehpausen. Gehpausen gab es nur am Hang (meistens) oder Berg (alle). Atmungsbedingt fürchtete ich in der ersten Hälfte von Runde ein noch das Schlimmste, aber zum Glück klarte wie gesagt nicht nur der Himmel, sondern auch meine Bronchen auf. Ungetrübt hingegen vom Start bis zum Ziel die Stimmung, die bei den Läufern hier traditionell von Spaß, Biss und Teamwork geprägt ist.

(Fast) am Ziel

Überhaupt, das Ziel. Das letzte Hindernis 200 Meter davor besteht nochmals aus terrassenförmigen Pyramide, deren einzelne Etagen nur über eine Balustrade aus  aneinandergereihten Reifen erklommen werden konnten. Das klingt kompliziert, ist so einfach wie kräftezehrend, insbesondere für die Beine. Und zum allerersten Mal in meiner Läuferlaufbahn wollten meine Beine mir den Dienst versagen. So wie bei den durchaus nennenswerten Menge an Ausfällen entlang der Strecke (das Wetter war mit Sonne und freundlichen 17 Grad durchaus wenig Anlass zum Krampf, anders als die Hindernisse).

Ich weiß nicht, ob es richtig war, zur Motivation meiner Oberschenkelmuskulatur zu fluchen und ein paar Mal beherzt mit der Faust draufzuschlagen, aber es hat funktioniert. Die Beine haben gehalten. Letzter Sprint ins Ziel, immer Lächeln und beim Piep sofort Tempo rausnehmen, schließlich können die Mädels, die gratulieren und so nett die Medaille umhängen, nichts dafür (Notiz: Medaillienmädchen sollten im Ziel weiter hinten stehen, so dass man human auslaufen und –schnaufen kann. Wenn nicht möglich, dann beim Rennen mehr Gas geben, und nur noch auf Reserve ins Ziel kommen).

Im Ziel. Der perfekte Moment. Wieder Papa Roach, wieder Beasty Boys, nur denke ich diesmal einfach gar nichts mehr, sondern bin einfach. Voller athletische Ekstase, positivem Eskapismus, zufrieden, erschöpft, lebendig, glücklich. Philipp von Brooks und Kai, unser Fotograf, wartet im Ziel. Gratuliert und fängt O-Töne ein. Ich bin geflasht vom Lauf und will alle nur umarmen, woraufhin Kai hinter der Kamera ein wenig zurückgeweicht. Obwohl ich gar nicht so dreckig bin wie in den Vorjahren (dafür deutlich feuchter), kann ich ihn nur zu gut verstehen. Beiße noch kurz in die Medaille. Schnitt.

Es gäbe noch so viel mehr zu sagen, zu zeigen und zu beschrieben. Den StrongmanRun muss man erlebt haben. Auch jedem „seriösen“ Langstreckenläufer kann ich ihn angesichts von durchaus vorhandenem Polarisationspotential nur wärmstens empfehlen, weil er wirklich eine crossfitte Herausforderung ist. So hart, wie ihr ihn selbst wollt. Wer topfit auf der Suche nach der ultimativen Herausforderung ist: bitteschön, einfach weit vorne ins Feld stellen (120-180 Minuten vor dem Start da sein sollte ausreichen für einen Platz im vordersten Viertel) und Gas geben. Körperlich wird weit mehr abverlangt als auf möglichst ebener Strecke gleichmäßig geradeaus zu laufen. Gemein ist beidem die Ausdauer als nötige Grundlage. Dazu addiert sich Kraftausdauer, Überwindung, Spaß und eine Kulisse von Weltrang.

Ausblick und Dank

Falls das für euch gut klingt: Mit dem „Ferropolis“, dem brandneuen StrongmanRun in der Stadt aus Eisen, gibt es bei Nacht und mit Feuerwerk eine Premiere im Herbst. Und mit Wacken eine Alternative, die wirklich „heavy“ wird. Am Ende steht man da wie ein Kind, das ins Einmachglas gegriffen hat, mit rot verschmiertem Mund, für kurze Zeit bedürfnislos und pappsatt. Und mit Erinnerungen für die Ewigkeit.

Mein Dank gilt dem Team von Brooks Deutschland aus Münster, allen voran Phillip und Christian. Daneben allen Läuferinnen und Läufern des Teams Run Happy. Ihr habt den StrongmanRun 2015 zu einem absoluten Highlight für mich gemacht. Was für ein überwältigender Auftakt!

Dankeschön auch an Dich als Leser. Dass Du bis hierher durchgehalten hast. So viel Durchhaltevermögen muss belohnt werden. Daher lade ich Dich herzlich zur Run Happy Tour ein. Lass Dich doch auch mal überwältigen, wie wär´s?

Run Happy!

P. S. Das Hemd habe ich glatt wieder sauber bekommen. Hätte ich nicht gedacht, weil die weisse Unterwäsche (immerhin eine Sloggi) vier Jahre dafür gebraucht hat. Mittlerweile bin ich einfach viel hemmungsloser bei der Chemie geworden (Dan Klorix, aber danach mehrmals gut waschen, sonst, naja, ihr wisst schon) geworden. Dafür ist die Krawatte hin.

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