Laufanalyse 2.0 mit runScribe

Der Hersteller spricht vom „wearable for the data-driven athlete“. Also das „Tragedingsbums für den daten-gesteuerten Sportler“.  Es geht um ein neues Gadget für eure sehr persönliche Laufanalyse, das sich ab Dezember diesen Jahres anschickt, international die Sportlerszene aufzumischen.

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(Foto: Sensor hinten am Fuß. Keine Sorge wegen des grünen Mobiles, das gehört nicht dazu und soll im Video nur die gesammelten metrischen Daten visualisieren)

Das Ziel
RunScribe soll euch eine 3D-Analyse der exakten physischen Abläufe eurer Läufe bieten. Ziel ist es, das Läufer smarter, länger und mit weniger Verletzungen laufen. Möglich macht das ein neuartiger Sensor, der einfach an den Schuh geclippt wird, und euch während des Laufs begleitet.

Er zeichnet eine große Menge Daten auf, die weit über das bisherige Angebot von Analysen hinausgehen. Beispielsweise Schrittlänge, Auftrittintensität (G), Bremskräfte, Pronationswinkel und -geschwindigkeit oder die Bodenkontaktzeit eurer Füße. Insgesamt 13 verschiedene Daten, die euch helfen, das Training zu prüfen und zu verbessern – und den perfekten Laufschuh für euch zu finden. Die Daten könnt ihr individuell auswerten und alternativ abgleichen mit den Daten aller anderen Nutzer weltweit, Stichwort Crowdsourcing. Weiter…

Die Macher
Ohne hippe Begriffe geht es in diesem Beitrag einfach nicht. Soll auch nicht, das Gadget ist schliessslich eine Entwicklung aus San Francisco. Gründer, des Ingenieurs Tim Clark und Biomechanikers John Litschert. Die zwei haben sich 1993 im olympischen Trainingszentrum in den USA kennengelernt, und damals ein Pedalanalysesystem inklusive 3D-Videotool entwickelt. Rund 20 Jahre später machen sie im Prinzip das gleiche, nur nicht mehr als großes und exklusives System für Olympioniken, sondern im Miniformat am Fuß von Freizeitsportlern. Das ist zumindest die offizielle Version, zugegeben nicht ganz unähnlich dem Schöpfungslegende rund um die GoPro Incorporated.

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(Foto: RunScribe am rechten Fuß)

Über Kickstarter
Beide bedienten sich bei der Finanzierung ihres Produktes des Crowdscourcings. Wir hatten den Begriff oben bereits schon einmal, da ging es um die Datenauswertung. Der eine oder andere kennt ihn vielleicht auch in Zusammenhang mit Kickstarter. Gemeint sind nicht diese manuellen Startrasten für Motorräder (vor der Erfindung elektrischer Anlasser), sondern die bekannteste Plattform im Internet zwecks Einsammeln privater Gelder für Produkte, die noch in der Planung und Entwicklung stecken. Und das geht so:

Stellt euch vor, ihr habt selbst eine erfolgversprechende, kommerziell verwertbare Idee – aber keine (oder nur anteilige) Finanziers. Ihr habt vielleicht bereits einen Prototypen, und könnt in einem kleinen Video euer Produkt vorstellen. Zur Fertigstellung der Entwicklung und Produktion einer ersten Charge bedarf es, sagen wir mal, 100.000 Euro. Jetzt veröffentlicht ihr eurer Projekt bei Kickstarter und legt diese Summe als Ziel fest. Wird es erreicht, könnt ihr es zur Marktreife bringen. Dabei definiert ihr noch gewisse Summen, mit denen sich User am Erreichen dieses Ziels beteiligen können. Beispielsweise können sie für 50 oder 100 Euro eine Basis- oder Premiumvariante eures zukünftigen Produktes vorbestellen. Oder euch mit 1 Euro einfach nur symbolisch unterstützen – oder euch für 1.000 Euro exklusiv treffen und einen tollen Tag verbringen (handsigniertes Produkt inklusive). Natürlich habt ihr nicht ewig Zeit, in 100 Tagen sollte das Geld zusammen sein. Ist alles definiert, startet das Projekt auf Kickstarter.

Der Statistik nach sind immerhin 41 % der gestarteten Projekte auf Kickstarte erfolgreich, das heisst, sie erreichen ihr finanzielles Unterstützungsziel (funding goal). Widerrum nur 2 % davon erzielen eine Unterstützungssumme von mehr als 100.000 Dollar. Es gibt mit Projekten wie Oculous Rift (VR-Brille) oder Star Citizen (Computerspiel) einzelne herausragende Projekte mit Millionensummen als Unterstützung (wobei Oculous widerrum unlängst von Facebook für mehrere Miliarden USD weggekauft wurde, was einzelne Unterstützer laut protestieren liess, immerhin hätten sie ja „investiert“. Haben sie aber natürlich nicht, zumindest nicht in der definitorischen oder kausalen Entsprechung, am Unternehmensgewinn beteiligt zu sein. Da der Gedanke natürlich trotzdem nachvollziehbar ist, soll es alternativ bereits solche Modelle im Web geben, doch da bin ich gerade nicht belesen genug, andererseits führte das hier zu weit weg vom Thema. Kickstarter ist ja schon spannend genug:

Chancen und Risiken bei Kickstarter
RunScribe ist eines der erfolgreicheren Projekte. Nur 52 Stunden nach Veröffentlichung haben sie ihr erstes finanzielles Ziel erreicht (50.000 USD), mittlerweile hat sich der Betrag mehr als vervierfacht. Die Idee, das Produkt und die Präsentation kommt weltweit gut an. Als Dankeschön bauen die Entwickler immer mehr Funktionen mit ein, teilweise gekoppelt an das Erreichen weiterer finanzieller Zwischenziele (stretch goals). Das ist sehr spannend, wenn man sich bereits für eine Unterstützung (bzw. den Kauf) entschieden hat, weil das Produkt damit – zumindest theoretisch – bei gleichem Preis immer besser wird. Denn wie gesagt, es muss weiterhin zu Ende entwickelt und produziert werden- und am Ende halten, was es verspricht.

Es gab bei Kickstarter bereits Projekte, bei denen das am Ende nicht der Fall war, zum Beispiel Pressy. Hier kam es nicht nur zu Verzögerungen, der Anbieter hatte auch damit zu kämpfen, dass durch die Präsentation im Vorfeld der Präsentation China die Idee frühzeitig aufgegriffen und (zu Dumpingpreisen) produziert hat. Grundsätzliche weitere Risiken bei Kickstarterprojekten sind Unwägbarkeiten mit Zuliefererbetrieben oder -teilen, der Lieferkette oder Zoll- bzw. Einfuhrbestimmungen in einzelne Länder. Der Start eines Projektes ist damit für den Anbieter nicht nur Chance, sondern auch Risiko.

Interessierten bietet die Plattform einen großen Fundus von Neuentwicklungen. Je nach Produkt hat man die Chance, von Beginn an mit dabei zu sein und es vielleicht als eine der ersten Kunden weltweit in den Händen zu halten (oder in diesem Fall: an der Hacke zu haben). Je nach Art der angebotenen finanziellen Engagements der Kunden („Backer“, die finanzielle Unterstützung wird folglich „backing“ genannt) sind außerdem eventuell sehr interessante Optionen ober- oder unterhalb eines einfachen Geld-gegen-Produkts möglich,zum Beispiel ein Treffen mit den Entwicklern. Hätte ich das Geld (und wäre ich schnell genug gewesen), wäre ich etwa gern mal mit Boris Blank (Yello) in Zürich um die Häuser gezogen. So nehme ich Vorlieb mit (s)einer signierten Electrified-Platte.


infografik runscribe onlineplattform beispiel running laufen run joggen jogging test preis kaufen blog(Fotos: So sagt´s scribeLabs)

Zurück zu RunScribe:
Mehr als 1.000 Backer haben das Produkt jetzt mit einer Fördersumme von mehr als 200.000 USD möglich gemacht. Aufgrund der international guten Aufnahme des Produkts auch in den Fachmagazinen, der Präsentation und ein wenig Schriftwechsel mit den Entwicklern bin ich guter Dinge, es im Dezember in den Händen zu halten.

So kann ich Daten über das Verhalten meiner Füße und den Einfluss der getragenen Schuhe, Terrainwechsel oder Müdigkeit aufzeichnen, auswerten und vergleichen. Nicht nur mit bereits aufgezeichneten Daten von mir selber, sondern sämtlichen anderen runScribe-Nutzern weltweit. Das ist einerseits interessant für Mittelwerte (wie die durchschnittliche Schrittlänge oder Auftrittskräfte beim Marathonlauf), andererseits auch auf Streckenebene (zum Beispiel im Vergleich bei Wettkämpfen, genügend Datenwerte = Läufer mit runScribe vorausgesetzt).

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Metrics Runstride runscribe Data Driven Athlete Auswertung Report Analysis Alf Marathon Dahl Blog Test Review Bericht Tests Preis Deutschland Germany Price


Runscribe Reviews Test Tests Testberichte Data Driven Analyse Auswertung Analysis Crowdsourcing Kickarter Bestellen Blog Fotos Photos Pictures Report Bericht Solingen Wuppertal Laufen Marathon(Foto: Datenanalyse)

Wäre ich ein Sprinter, interessierten mich mehr die Kontaktzeit und Beschleunigungswerte von Füßen und Beinen, um die Unterschiede der Kraftfreisetzung bei Distanzen von 200, 400 oder 800 Metern zu analysieren. Und wäre ich ein Hürdenläufer oder Zehnkämpfer, könne ich aus den kinematischen Daten meine Performance besonders bei den letzten beiden Schritten vor dem Absprung über eine Hürde optimieren. Die Fuß- und Beinarbeit ist schlieslich bei den meisten Sportarten eine wichtige Basis.


Science Raw Date runstride(Foto: Rohdatenansicht (Science-Version des runScribe)

Das Gerät beinhaltet einen Sensor für 9 Messwerte inklusive Mikroprozessor, Speicher (zur Pufferung der Daten), Batterie (CR2023 für einfachen Austausch und 30+ Stunden Ausdauer), RGB Status LED (mit individuell einstellbarem Farbton, hey), und Datenschnittstelle kabellos via Bluetooth (was übrigens eines der stretch goals war). Die Daten stehen auf der runScribe-eigenen Onlineplattform my.runscribe.com zur Verfügung, können jedoch auch in verschiedenen Datenformaten heruntergeladen werden (ANT, .FIT, Garmin Training Center XML (TGC) und .CSV). Das Gerät wiegt nur 15 Gramm und misst 35 x 25 x 7,5 Milimeter. Zur Befestigung am Schuh stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Clip-Befestigung oder (entfernbar) über adhäsives Silikon.

Ehrlich gesagt bin ich am liebsten ohne Technik unterwegs. Doch aufgrund seiner dezenten Befestigung an der Ferse wähne ich keine große Ablenkung durch das Gerät. Das Mehrgewicht ist auch bei kritischer Betrachtung durchaus verkraftbar. Und die gewonnen Daten erscheinen dermaßen interessant, dass ich mich auf die Läufe mit dem kleinen Wunderding sehr freue. Maybe another brick in the wall der „Quantify Yourself“ Fraktion auf der einen Seite – oder sinnvolle Trainingsunterstützung auch für Freizeitsportler andererseits? Wir finden es heraus.

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(Foto:RunScribe mit Befestigungsmöglichkeiten)


To be continued
Sobald das Gerät da ist, clippe ich es mir an die Füße und analysiere und update hier, was das Zeug hält und hergibt. Falls euch runScribe nun ebenfalls so sehr interessieren sollte, dass ihr ab Dezember direkt mit dabei sein möchtet: Rund 100 Exemplare sind ab noch verfügbar, bis der Anbieter seine Produktion für dieses Jahr zunächst abschliesst und keine weiteren Bestellungen bis zur Erstauslieferung mehr annimmt.

So sichert ihr euch nicht nur ein interessantes Gadget von Anfang an, sondern auch Zugang zu sämtlichen Daten über die die runScribe-eigene Onlineplattform. Als Dankeschön erhalten frühe Förderer in der Kickstart-Phase die Sache umsonst. Ende dieser Woche endet außerdem grundsätzlich die zurückliegende, mehrwöchige Kampagne bei Kickstart und ab diesem Zeitpunkt wird nur noch regulär produziert.

Also bei Interesse schnell noch backen 😉

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(Foto: Befestigungsbeispiel (Schuhe von Under Armor gehen wohl schnell aus dem Leim)

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(Foto: Data-driven Athlete. Das HUD gibt es aber (noch) nicht mit dabei)

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(Foto: Flottere Sohle dank runScribe)

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