Einladung in die Ausdauerschule

Letztens fragte ich einen Freund, ob er Lust auf ein paar Runden Wasserski am Langenfelder See hätte. „Sonntag? Ach schade. Da kann ich nicht. Meine Frau und ich müssen uns ein Haus anschauen„. Was hat er da gesagt? „Müssen„? Muss er wirklich?

Ja, er ist verheiratet. „Ja, ich will“ hat er in der Kirche gesagt. Von Müssen keine Rede. Nun, jetzt ist sie schwanger. Ja, da ist es vorausschauend, sich häuslich zu vergrößern. Schließlich kommt ein Kind. Doch sie müssten nicht. Sie wollen umziehen. Ja, es bietet sich an, die Besichtigung am Sonntag zu machen. Es ginge grundsätzlich auch montags oder freitags Nein, sie müssten nicht, sie wollen sich am Sonntag das Haus anschauen.

Warum sagen wir dann „müssen„?

Das sagen wir alle, dauernd, ständig. Tun so, als ob die Umstände uns zwingen würden. Ich muss noch einkaufen. Ich muss zur Arbeit. Ich muss morgen früh raus. Wir müssen mal wieder ins Tanzen oder ins Kino gehen.

Was muss, das muss?
Die wenigsten Sachen MÜSSEN wir in Wahrheit wirklich.

Ich muss essen, atmen und schlafen, sonst wird das auf Dauer nichts. Sonst muss die Segel streichen. Was muss, das muss, sagt man so, weniger Sinn als vielmehr an unseren Stimmbändern entlangstreichende und modulierte Luft.

Die allermeisten Sachen in unserem Alltag tun wir, weil wir uns dazu entschlossen haben. Die Konsequenzen unserer Entscheidungen erleben wir heute vielleicht als Zwang, als Druck, als Muss. Doch die ursprüngliche Entscheidung, die zu diesen Umständen führte, haben wir einstmals aus freien Stücken getroffen. Ohne Ausnahme.

Wir haben uns dazu entschlossen, weil es damals die zu diesem Zeitpunkt beste, attraktivste, günstigste Alternative war. Alle Entscheidungen, die uns heute schlecht oder unvorteilhaft vorkommen, waren zum Zeitpunkt der Entscheidung besser als ihre Alternativen. Hadern im Nachhinein lohnt sich nicht. Hätten wir es besser gewusst, hätten wir damals anders entschieden.

Wir entscheiden stets im Augenblick aufgrund unserer individuellen Kalkulation. Darin sind wir wahre Meister. Diese Egozentrik ist auch sinnvoll, denn bevor ich anderen helfe, muss ich zuerst mir selber helfen. So ähnlich wie im Flugzeug, wenn die Sauerstoffmaske aus dem Kabinendach purzelt. Bevor ich meinem Nachbarn rette, muss ich meine Maske aufsetzen.

Kausalität
Einerseits der See, die Freunde, der Wasserski und das kühle Bier. Auf der anderen Seite die Haussuche mit allem Pipapo. Eigentlich ganz einfach, sich da doch für den See zu entscheiden, oder? Doch unser Köpfchen kann nicht nur kalkulieren, sondern herrlich Komplexität reduzieren. Denn zum See gehören schließlich noch die Mücken, die Umzieherei, der Sonnenbrand, die feuchten Motorradklamotten und im Einzelfall vor Ort öde Gespräche. Auf der anderen Seite der Frieden mit der Frau, das Beste für das Kind und die Aussicht auf ein schönes Familienleben. Da wird nachkalkuliert und beschlossen: Lieber Haus statt See.

Unser Leben ist voll mit solchen Beispielen. Lieber an der Uni als in der Kneipe. Lieber die Familienkutsche als den Sportwagen. Lieber im Anzug als in Räuberzivil, auch wenn das besser aussähe. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Am Ende doch nur komplexitätsreduzierte Kalkulationen und deren spätere Kausalitäten.

Ein Geflecht zahlreicher Entscheidungen wird euch im Ergebnis gerade auf diese Website gebracht haben. Es lässt euch diesen Text lesen. Das ist eine schöne Sache, weil wohl gerade weder der See noch das Haus wichtiger sind.

Also nutzen wir den Moment nicht nur für dieses bisschen Prosa, sondern zwei konkrete Termine im November. Denn es ist ja so, da wiederhole ich mich jetzt, dass es eine freie Entscheidung wäre, wenn ihr mit dem Laufen vielleicht auch mal anfangen möchtet. Die positiven Effekte auf euer Leben sind wirklich toll und vielfältig, eine Aufzählung würde den Rahmen jetzt sprengen. Bestimmt habt ihr aber davon schon mal gelesen, ob nun hier oder anderswo.

Die sieben Atemzüge der Samurai
Jedenfalls seit ihr herzlich zu einem oder beiden dieser Termine eingeladen und KÖNNTET teilnehmen, persönlich vor Ort oder online. Es ist eure Entscheidung. Schmeißt euren persönlichen Kalkulator an und überlegt, ob das nicht was für euch wäre.

Aber überlegt nicht zu lange: Erstens mal sind die Plätze begrenzt. Und zweitens rieten ja schon die Samurai dazu, nie länger als sieben Atemzüge vor einer Entscheidung zu warten. Moment. Sieben Atemzüge? Verflucht knapp für so manche Entscheidung, oder?

Eigentlich nicht. Aus einem gewissen Blickwinkel gibt es ja nur leichte und schwere Entscheidungen. Zum Beispiel, wenn jemand käme und mir glaubhaft versichert: Ich weiß, was Dir fehlt, um den Marathon in 3 Stunden zu laufen. Würde ich ihm zuhören? Na klar, ganz leichte Entscheidung. Die Vorteile überwiegen in der Kalkulation die Nachteile haushoch. Check.

Jetzt eine schwere Entscheidung. Bei denen unser Kopf Karussell fährt und das Für und Wider bis zum Erbrechen abgewogen, besprochen und verschoben wird. Warum ist es schwer? Meistens wegen der Komplexität und der Vor- und Nachteile verschiedener Optionen, die im Ergebnis beisammen liegen. Während die Konsequenz der positiven Entscheidung klar positiv ist, wabern die Auswirkungen der schwierigen Variante im diffusen Nebel.

Zunehmend verzweifelt unternehmen wir so einiges, dass sich Klarheit einstellt. Doch das tut es manchmal trotz größer Anstrengungen nicht. Weil die Effekte der verschiedenen Entscheidungen so oder so vergleichbar gut oder schlecht wären. Schaut man also genau hin, sind beide Alternativen im Rennen ungefähr gleichauf. Das ist der Grund, weshalb eine Entscheidung oft schwierig ist.

Falls also die Liste der Pros und Contras für das Couchsurfen etwa gleich lang ist wie die Liste der Pros und Contras, um mit dem Sport anzufangen, dann ist es unter dem Strich egal, was man macht (zugegeben hinkt das Beispiel total, Laufsport Pros überwiegen IMMER). Es ist in dem Fall nur wichtig, eine Entscheidung zu treffen. Probleme lösen sich ja nun mal nicht nur durch Nachdenken. Also glaubt nicht an diese Magie, sondern macht es wie die Samurai.

Sprich wenn ihr mal schauen möchtet – und dann maximal 7 Atemzüge, bis ihr euch bis zu 10 kostenlose Tickets reserviert. Jeweils 30 Plätze sind pro Infoabend verfügbar:

Termine
Lauftraining für Einsteiger und Fortgeschrittene
,
mit der Ausdauerschule by bunert,
am Donnerstag, 06. November 2014, 18:30 – 20:00 Uhr,
in Wuppertal

Clever Essen steigert die Leistung,
mit Heike Stumpf, diplomierte Oecothrophologin,
am Montag, 17. November 2014, 18:30 – 20:00 Uhr,
in in Wuppertal.

Online wird der Abend übrigens jeweils per Google Hangout übertragen. Wenn ich es hinbekomme (und ich sollte es hinbekommen), stelle ich die Abende inklusive des Chats als Aufzeichnung anschließend online. Erfahrungsgemäß können die Hangouts aber nie das Live-Erlebnis ersetzen, also fühlt euch absolut offline eingeladen.

Auch an den See zum Wasserski.

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