Extra: Sportmedizinische Untersuchung

Menschliches Leben war von Anfang an bis in unsere Zeit hinein in Bewegung. Angefangen von Jägern und Sammlern über Bauern, Handwerker und Bergleute bis hin zu den Industriearbeitern des 20. Jahrhunderts: Der Mensch ging, lief, kämpfte, ritt und ruderte. Und heute? Broterwerb im Büro ist Legion, bequeme Fortbewegung mit dem Auto oder ÖPNV allgegenwärtig.

Viel Sitzen bedeutet nicht nur einen deutlich verringerten Kalorienverbrauch, sondern auch lässt auch den Stütz- und Bewegungsapparat inklusive Muskulatur verkümmern. Das Überangebot extrem energiereicher Nahrung geben der Figur dann schnell den Rest.

Zum Glück gibt es dagegen ein Mittel. Check it out (was zeigt, wie schlecht Anglizismen manchmal funktionieren, weil diesmal der Check ja quasi IN ist):

Früher war alles besser
Gut, dass sich parallel zur sitzenden Arbeits- und Lebensweise der moderne Sport als Freizeitbewegung entwickelte. Was uns die Arbeit nicht mehr an körperlichem Einsatz abverlangt, bringen wir freiwillig auf Laufstrecken, Schwimmbädern, Fitnesscentern und Sporthallen. Nicht nur, weil es Spaß macht. Sondern Bewegung eine der wichtigsten Säulen für eine gesunder Lebensweise ist.

Dieser positive Effekt ist nach evidenzbasierten Kriterien gesichert für Herz-Kreislaufkrankheiten, einige Krebserkrankungen und Erkrankungen des Stoffwechsels, der Lunge, Knochen (Osteoporose) und Depressionen. Kosten-Nutzen-Analysen belegen, dass der Nutzen regelmäßiger körperlicher Aktivität deutlich größer ist als eine mögliche Gefährdung (siehe  NIH Konsensus 1996, Pollock 2000,NIH 2006, S. Blair, 2006 )

Wer jetzt trotzdem noch meint, Freude sei nur ein Mangel an Informationen: Gebt euch einen Ruck und probiert es einfach aus. Am schwersten ist nur der erste Schritt, und wer dabeibleibt, der belohnt sich selbst mit jeder Menge Spaß und Fitness.

Natürlich könnt ihr jetzt sofort die Schuhe schnüren, und einfach loslaufen. Schnellere Erfolge und mehr Spaß bringt aber meist die Verbindung aus Training in der Gruppe mit professioneller Anleitung. Zum Beispiel bei der Ausdauerschule bunert. Natürlich gibt es noch viel mehr Angebote und Sportarten am Markt, schaut euch einfach mal um.

Sport-Förderung der Krankenkassen
Im Bereich der Gesundheitsprävention bieten die gesetzlichen Krankenkassen eine Vielfalt an finanziell geförderten Bewegungsmaßnahmen. Neben Laufen zum Beispiel Nordic-Walking, Aquajogging, Rückgengymnastik oder Yoga. Übrigens ist meiner Erfahrung nach das Mitmachen überhaupt keine Frage des Alters. In den Gruppen mischen sich alle Altersgruppen, vom Schüler bis zum Pensionär. Davon profitieren alle, sportlich und menschlich.

Es ist kein Geheimnis, dass ich dieses Thema immer mal wieder gerne hier aufgreife. Ausschlaggebend sind auch die 500,00 Euro jährliche Förderung „meiner“ BERGISCHEN (100% Übernahme, maximal 2 Kurse á 250,00 Euro). Mit dem Wert belegen wir bundesweit den Spitzenplatz für Unterstützung dieser Art (und sind ganz nebenbei Testsieger im FOCUS Money 21/13 geworden). Tipp: Folgt uns gern auf Twitter (@bergische) für Updates aller Art.

Andere Kassen bieten immerhin einen Teil dessen, die TK etwa ebenfalls 2 Kurse, maximal 75 Euro (und dann auch nur 80 % der tatsächlichen Kosten), die BARMER GEK 150,00 Euro (allerdings nur im Rahmen eines „Gesundheitskontos“, aus dem auch noch andere Leistungen abgezogen werden). Und natürlich müssen solche erhaltenen Gelder nicht versteuert werden – also anders als die kleinen Prämien, die vereinzelt von Kassen öffentlichkeitswirksam gezahlt werden. Vergleich lohnt sich!

Zusätzlich haben wir in diesem Jahr den Flexibonus eingeführt. Quasi die Geld-zurück-Garantie für eine Reihe von sonst nur privat bezahlbarer Leistungen (wie professionelle Zahnreinigungen oder zusätzliche Screenings und 3D-Ultraschall für werdende Mütter). Übrigens sind das zahlreiche Extras, die eine Großkasse wie die BARMER mit in das Gesundheitskonto packt…

Bislang waren das allein beim Flexibonus 200,00 Euro pro Jahr und Person, ab 01.01.2014 erhöht sich diese Summe auf 300,00 Euro. Außerdem übernehmen wir jetzt auch eine sportmedizinische Untersuchung pro Jahr. Wohlgemerkt ist diese Untersuchung nicht automatisch Teil der „Prävention“ im Bereich der Gesundheitskurse, kommt als Extra bei den Krankenkassen tatsächlich extra. Alle Kassen übernehmen Gesundheitskurse (in unterschiedlicher Höhe, siehe oben), aber erst wenige Kassen die sportmedizinische Untersuchung.

Neu: Sportmedizinische Untersuchungen
Bei der Untersuchung wird euer Herz, Kreislauf, Atmung und Bewegungsapparat genau unter die Lupe genommen. Wo sinnvoll, umfasst das zusätzlich ein Belastungs-Elektrokardiogramm (EGK), eine Lungenfunktionsuntersuchung und eine Laktatbestimmung. Voraussetzung ist, dass die Untersuchung von einem in der EU zugelassenen Vertragsarzt vorgenommen wird, der die Zusatzbezeichnung „Sportmedizin“ führt.

Die sportmedizinische Untersuchung macht einerseits Sinn beim Einstieg oder Wiedereinstieg in den Sport. Eigentlich für den Anfang ein schlechtes Beispiel, verlangt aber so mancher Marathon für Teilnahme die Zusicherung (oder sogar Bescheinigung) eurer einwandfreien Gesundheit In jedem Fall kann es aber überhaupt nicht schaden, zu Beginn eine persönliche sportgesundheitliche Standortbestimmung zu machen.

Der Umfang der Untersuchung variiert stark nach Alter, persönlichem Bedarf und Gesundheitszustand des Patienten. Grundsätzlich besteht der Check aus drei Teilen: Anamnese (Vorerkrankungen und sportliche Ziele), körperliche Untersuchung und Beurteilung (Eignung und Ernährungsempfehlung). Selbstzweifel oder Selbstüberschätzung haben keine Chance 😉

…auch für Fortgeschrittene
Daneben bietet sich die Untersuchung gerade für fortgeschrittenere Sportler an. Zum Beispiel bei Sportkardiologen oder in sportmedizinischen Zentren, die apparativ internistisch gut drauf sind. Je nach Befund (nicht unbedingt zu wünschen) kommt Langzeit- oder Spätpotential-EGK, Echokardiographie, Angiographie, Linksschenkelblockbild oder Magnetresoonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Das ist natürlich noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, auf der auch Einschätzungen auf Basis eures Blut- und Urinbildes gehisst werden [jawohl, geHisst! ;-]

Wer sich mit der sportmedizinischen Theorie noch ein wenig näher beschäftigen möchte, dem empfehle ich diese Seite der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Bewegt euch!
Der Vollständigkeit halber und bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch ein bisschen Werbung für Bewegung im Alltag machen. Letztens saß ich beim Frühstück in der Ikea so, dass ich den Eingangsbereich mit Rolltreppe und „normaler“ Treppe beobachten konnte. Erstaunlicherweise nutzen gefühlt 9 von 10 hereinkommenden Kunden die Rolltreppe. Zuvor saßen sie vielleicht zu Hause beim Frühstück und anschließend im Auto. Zugegeben steht ihnen jetzt ein langer Marsch durch´s Möbeleinkaufshaus bevor, dafür schonen sie sich vielleicht. Die „normale“ Treppe wäre viel breiter. Und je nach Gangart wesentlich flotter.

Das gleiche Bild täglich im Büro: Unser Fahrstuhl istzwar hübsch, aber relativ klein, eng und langsam. Beliebt wie er ist, fährt er auf vier Etagen häufig auf und ab. Das bringt Wartezeiten mit sich, die die Geduld ordentlich auf die Probe stellen. Das Treppenhaus ist direkt um die Ecke, bietet teils phänomenale Ausblicke, bedingt keinerlei Wartezeit und ist ebenfalls wesentlich schneller selbst im wartezeitfreien Direktvergleich. Trotzdem nutzen mehr als 80 % der Kollegen nur den Aufzug. Sie verlieren Zeit, Nerven und Muskelmasse. Noch nicht mal nennenswert gequatscht wird. Soziogenität Fehlanzeige, dafür erinnere ich mich an so manches gute Treppengespräch.

Tipp: Amüsant fasst die Sache wieder Wunderläufer und Starautor Achim Achilles in seiner aktuellen, glücksphilosophischen Schrift zusammen (Tatsache, es ist nicht nur gesund und macht Spaß, sondern es macht auch noch glücklich, im Einzelfall sogar süchtig, wozu mir widerrum eine televisionäre Anfrage der Regenbogenpresse vorliegt, ich aber mangels Präzedenzfall keine Beispiele benennen und Kontakte vermitteln kann, ehrlich nicht, das sind doch alles glückliche Leute mit leistungsbereiten Körpern).

Zusammengefasst
Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass Spaß am Sport und Bewusstsein für Bewegung Hand in Hand gehen. Es ist ein angenehmer Nebeneffekt der vergangenen Jahre, den Körper sprichwörtlich wieder als Stütz- und Bewegungsapparat zu erleben. Like it´s meant to move. Der Effekt ist elementar, auch wenn das bisschen Bewegung wahrscheinlich nur ein Quantensprung im Vergleich zu früheren Jahrhunderten ist.

Persönlich bin ich privat Nutznießer der Förderung durch die Krankenkasse(n), beruflich ohnehin ja beteiligt. Es mir quasi eine Herzensangelegenheit. Apropos, jetzt ist in diesem Beitrag mal Schluß, Schuhe schnüren, schließlich startet am Sontag die Premiere des Hildener Herzlaufs.

Canoeing

(Visited 375 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.