Farbenfroher Fun beim Colour Run

Am Sonntag geht es im Kölner Rheinauhafen zu einem Lauf der besonderen Art. Die Premiere in München lockte bereits 8.000 Läuferinnen und Läufer zum Farbenlauf. In der Domstadt gab ich mit der Drohne und DSLR mein Bestes.

Natürlich nahm ich auch die Strecke unter die Füße, was der Sache echt einen ganz neuen Anstrich verpasste. Denn wenn man sich so umhört, könnte man meinen, dass es beim Farbenlauf (aka The Color Run™) eigentlich gar nicht wirklich bunt zugeht. Sondern eher monochrom, quasi nur Schwarz oder Weiß. So sehr gehen offensichtlich die Meinungen über Sinn und Unsinn des Tuns der  sportlichen-spaßigen Hohepriester des Holismus auseinander. Versteht deshalb die folgenden Zeilen gern als kleinen Polarisationsfilter. Für mehr Klarheit und gegen störende Glanzeffekte.

Alle Details im Bericht zu diesem bunten Mix aus Fun-Run, Splash-Party und Holi-Festival.

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Zur Ausgangssitation: Tausende Läufer, Tonnen von Farbe und jede Menge Fun. Die brillianten Bilder by Brillux sprechen selten so sehr für sich, genauso diese im Detail bemerkenswerte Fotostrecke der Runners World. Die Zutaten „Laufen“ und „Spaß“ braucht man ja nicht mehr großartig erklären, das mit dem Farben vielleicht schon eher.

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Hintergrund: Holi
Nicht gleich jedem ist diese ursprünglich aus Indien stammende, Jahrtausende alte Tradition bekannt. Dort ist „Holi“ (होली) ein Frühlingsfest der Farben. Gefeiert wird auf spiritueller Ebene der Triumph des Guten über das Böse, in der Natur der Sieg über den Winter, zwischen den Menschen die Freundschaft und Versöhnung. „Holismus“ steht in unserer Sprache auch für die Ganzheitslehre, im Englischen heißt Heiligkeit „Holiness“. So klein ist mal wieder unsere Welt.

Während des Holi-Festes sind die gesellschaftlichen Schranken aufgrund von Kaste, Alter oder Geschlecht aufgehoben. Die Menschen feiern ausgelassen, und bewerfen oder besprenkeln sich gegenseitig mit spezieller Puderfarbe, dem Gulal.

Die Erste Welt hat das natürlich irgendwann spitzgekriegt: Um uns herum gibt es einen Hang zum Holi. Allerdings nicht nur im Frühling und auch nicht als evangelische, katholische oder ökomenische Adaption. Sondern eher auf  ökonomische (Event), teils ökologische (Maispulver) Art und Weise.

Das Holi Festival of Colours war 2012 die erste kommerzielle Veranstaltung in Deutschland. Am 29. Juli starte die Serie von insgesamt 4 Veranstaltungen in Berlin, Dresden, Hannover und München. Im Ergebnis feierten 25.000 Menschen vor Ort plus 250.000 Fans bei Facebook im Kessel Buntes.

Und das war erst der Anfang, Partyserien wie Neonsplash versprechen so schöne Dinge wie „finest electronic music, breathtaking production design, exhilarating artistry & performance and NEON PAINT“. Das klingt durchaus nach einem gelungenen Abend und einer Alternative zur hiesigen Ü30-Party. Start ist heute in Köln, davor war München, am 25. August kommt Dortmund (Update folgt).

8.500 Color Runner finden sich am Vormittag in der Kölner Südstadt ein, der Startschuss fällt um 11:00 Uhr. Genug Zeit für ein paar Take Offs mit dem Colourcopter:
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(Reh)Bock als Gärtner
In Amerika ist das Marketing von Reebok, Tochtergesellschaft und Marke der in Deutschland ansässigen adidas AG, auf die Idee gekommen, Laufveranstaltungen mit holistischer Farbenfreude zu kombinieren. Das liegt nicht nur aufgrund des Trends sehr nahe, sondern weil Läufer Unterschiede aufgrund von Kaste, Alter und Geschlecht seit jeher ausklammern. Mal abgesehen von Altersklassenwertungen und den Women´s Run. Außerdem sind Läufer klamottentechnisch schnell ein ganz bunter Haufen. Fehlt also nur noch das Puder und die Party.

Reebok stellt Sportausrüstung her, und ist im Bereich Hockeyausrüstung Weltmarktführer. Der Name steht für die afrikanische Rehantilope (Ribbok / Rehbock). Große Erfolge mit Sportschuhen in den 80ern (Freestyle Laufschuhe, Pump), engagiert auf dem amerikanischen Markt im Bereich der NFL, NBA, MLB und im Tennissport.

Bemerkenswertist, dass sie in Deutschland mit dem „Women´s Run“ in Deutschland eine eigene Lauf-Serie und Marke etabliert haben. Diese durchaus monochromatischen Events gehen regelmäßig in Hamburg, Frankfurt, München und eben Köln auf die rose Reise.

Jetzt weiß ich zu Frauenläufen aus naheliegenden, natürlichen Gründen nichts berichten, Frau Schmitt schon eher. Aus dem, was ich so höre, antizipiere ich gewisse Schnittmengen zum The Color Run. Wobei es aufgrund der Kollision mit dem tradierten Run of Colors in Köln genauso gut Farbenlauf heißen könnte oder vielleicht sogar sollte. Persönlich bin ich da weder verwechslungsgefärdet noch habe ich ein Problem mit amerikanischen Begriffen (oder der Wortherkunft aus einer anderen Sprache).

Jetzt geht es beim Women´s Run ebenso wie dem Color Run eher um den Spaß als sportliche Höchstleistungen. Dieser Ansatz ist ausgesprochen einsteigerkompatibel. Anfänger werden motiviert, einfach mal einen Wettkampf auszuprobieren. Vielleicht in einer kleinen Gruppe, weil dass dann noch leichter fällt. Das ist sehr zu begrüßen, und heißt nicht, dass es für Einsteiger keine große Sache wäre. Meine Facebook-Timeline erzählt mir nämlich Dann und Wann Erfolgsstorys irgendwo zwischen Prinzessin Lillifee und Paula Radcliffe.

Schwarz und Weiss
Nach dem ersten Tweet unmittelbar nach dem Color Run habe ich interessanterweise so manche abschätzige Nachricht gelesen. Von Kindergeburtstag und Unsinn war da die Rede. Erwachsene Menschen, die sich mit Farbe bewerfen, was für ein Quatsch. Was soll das bitteschön? Das braucht keiner. Absolut überflüssig. Laufen nur so zum Spaß geht jeden Tag auch im Wald, der ist außerdem auch bunt. Und sauber.

Niemand bestreitet die Sache mit dem Wald. Das mit den Farben ist so ein Kultur-Ding, da  man unter Kultur im weitesten Sinne nun mal all das versteht, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt (im Volksmund häufig wertend verwechselt mit der Hochkultur). An gut gemachte Kindergeburtstage habe ich persönlich nur schöne Erinnerungen, außerdem hat sich die mitlaufenden (zahlreichen) Kinder beim ColorRun köstlich amüsiert. Bei diesem Mashup aus Sport und Spaß, Remix von Run und Fun.

Jetzt stellt sich auf der Metaebene natürlich die Frage, ob dieser Mix mehr ist als die Summe seiner Teile. Genaugenommen MÜSSEN für einen ordentlich langen Laufbericht die einzelnen Bestandteile genau unter die Lupe genommen werden. Selbst Minus und Minus gibt ja Plus, doch das Problem haben wir beim ColorRun nicht . Die Party ist nämlich so was von Plus, das muss man einfach multiplizieren und mit euch teilen. An der Stelle geht die Rechnung auf jeden Fall auf.

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Weiß ist heiß
Schönes Wetter ist natürlich immer eine Bank. Doch heute müssten es locker 200.000 Lux sein, da das Sonnenlicht tausendfach reflektiert wird durch den einheitlich weißen Look der Läuferinnen und Läufer und den ruhig dahingleitenden Rhein, an dessen Ufer heute der Lauf läuft und die Party steigt (btw, „Party steigt“ trifft es nur so ungefähr und ist ein Euphemismus, das klingt ja nach Mettigel und Bowle, aber ihr wisst, was ich meine). Saubere Sache. Noch.

Das Publikum ist tendenziell jünger als vielleicht beim 23. TUSEM Blumensaatlauf (ein Highlight in Essen, im November am Südufer des Baldeneysees). Zahlreiche fröhlich aufgedrehte Grüppchen kreuzen den Weg. Studenten, so macht es den Anschein. Allerdings nicht die der Kölner Sporthochschule (seit dem Treffen mit Brad nenn ich sie nur noch SpoHo, der Vollständigkeit hier ein letztes Mal die Langversion): Sie besprechen sich an der roten Ampel zu den kommenden Herausforderungen („ich bin noch nie eine so weite Strecke gelaufen, Alter“), zum Wetter („ist doch viel zu heiss“) und zum prognostizierten Ergebnis („ich sterb´ bestimmt“).

Besonders beliebt: sich gegenseitig fotografieren. Vor dem Rhein, vor dem Dom (weit weg, aber machbar), vor den anderen, mit den anderen, vor dem Brillux-Farbmal-Quader, an der Strecke, und mit den anderen an der Strecke vor dem Dom und dem Quader. Ich habe selten so viele Handys und Kompaktknipsen in einer so unwirtlichen Umgebung gesehen, und gleichzeitig so viele unterschiedliche Sprachen gehört (Ausnahme: Berlin-Marathon mit gefühlten 70% internatinoaler Teilnehmer, unvergessen der Lauf über zwei Kilometer inmitten der Mexikaner und Japaner).  Eine bunte Mischung. Apropos, so langsam geht es jetzt los mit den Colors, den heutigen Stars des Runs.

In jeder Starter-Tasche findet sich neben dem baumwollenen Starter-T-Shirt ein Stirnband (ebenfalls aus Baumwolle), die Starternummer (ohne jede Zeitmessung), Befestigungsnadeln und einiger Rabattgutscheine ein silberner Alu-Beutel mit farbigem Maispulver. Weitere Beutel sind entweder käuflich vor Ort zu kriegen, oder können am Reebok-Aktionsstand erspielt werden. Im Ziel (aber eben erst im Ziel) werden außerdem von der Bühne aus kiloweise Beutel in´s Publikum geworfen.

Das ausgesprochen feine Puder wird aus Maismehl gewonnen, und ist daher grundsätzlich sogar essbar. Probiert es im Zweifel einfach mal zu Hause und plündert die Mehl-Vorräte. Lukullisch macht beides nichts her, optisch schon eher. Analog zum Mehl lässt sich die Farbe später leicht wieder abklopfen. Trotz Perwoll habe ich die Sachen jedoch nicht wieder wirklich Weiss bekommen. Stattdessen erstrahlen Shorts und Shirt jetzt in dezentem Rosa. Eigentlich optimal, wäre ich eine Frau und plante ich die Teilnahme am Frauenlauf – geschickte Planung vom Veranstalter, Respekt! Im nächsten Waschgang werde ich es noch einmal mit einem halben Liter Dan Klorix probieren, mache mir und der Wäsche aber wenig Hoffnung.

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Die drei Türme
Quasi noch Perlweiß startet jedenfalls vor Ort die Party. Los geht´s schon bei der Aufstellung im schnurgeraden Startkanal, unmittelbar am Ufer des Rheinauhafens. Vor uns die Silhouetten der drei Kranhäuser. Sie sind jeweils rund 17 Stockwerke und 60 Meter hoch, bieten je Bauwerk um die 16.000 Quadratmeter Bürofläche bzw. Platz für (133) Luxusappartments.

Tatsächlich schauen vom nördlichsten der drei Türme ein paar Menschen vom Balkon aus auf uns herab. Sie winken sogar manchmal, und wirken so, als wären sie angesichts des bunten Treibens zu ihren Füßen positiv gestimmt. Wir winken der Upper Class zurück, schmeißen wartenderweise ein wenig mit Farbe, wippen im Takt der Tanzflurmusik, und schwitzen uns ansonsten die Seele aus dem Leib. Köln bereitet uns wahrlich einen warmen Empfang, die Stimmung ist aufgeheizt.

Glänzende Party, matter Lauf
Ich hatte das ja bereits angedeutet: Man sollte beim Color Run zwischen der Feier und dem Lauf unterscheiden. Insgesamt ist der Veranstaltung definitiv eine kreative Oberflächengestaltung zu bescheinigen. Während die Party seidenglänzend dasteht, ist der eigentlich Lauf doch eher abtönend.

Versteht mich nicht falsch (bzw. hier nochmals der deutliche Hinweis): Jedem Teilnehmer ist von vornherein vermutlich (bzw. hoffentlich) absolut klar, dass es sich beim Color Run eher um ein Holi-Festival mit vorgelagertem Fun-Run handelt. Es geht um den Spaß, um die Party, und ist in seinem sportlichen Anspruch barrierefrei wie nur was. Das schafft wirklich jeder. Man darf die Sache mit dem Laufen wirklich, wirklich nicht so ernst nehmen. Es gibt keine Starterlisten, keine Zeitnahme, keine Siegerurkunden, keine Medaillen. Ultimativer olympische Gedanke, dabei sein ist alles, inklusive aller Farben olympischer Ringe.

R/G/B
Auf dem gut 5 Kilometer langen Kurs durch den Hafen befinden sich 4 „Farbstationen“. Abschnitte von rund 25 Metern Länge, auf denen an beiden Seiten des Streckenrandes freundliche Helfer großzügig farbiges Pulver in die Läufermenge schütten. Erst Gelb, dann Grün, dann Blau, dann Rot. Dort kann man sich wirklich einen ganz neuen Anstrich geben. Dafür einfach möglichst am Rand laufen, Augenkontakt mit den Streckenposten aufnehmen, idealerweise Körperstellen als Zielgebiete markieren.

Der erfahrene Läufer verwechselt die Station instinktiv mit Verpflegungsstation, erwartet deshalb noch am ehesten kühles Nass. Doch Fehlanzeige, die Helfer verpulvern nur Puder, selbst Volltreffer mit Breitseiten von Farbe fühlen sich kühl, trocken und federleicht an. Gut, wer hier mit Sonnen- Ski- oder anderweitiger Schutzbrille vorgesorgt hat. Kurz durchgepustet, und weiter geht´s, Kurs auf die nächste Color.

Die Revoluzzer von Reebok favorisieren hier übrigens scheinbar gegenüber der klassischen Farblehre von Young und Helmholtz die Gegenfarbentheorie von Hering. Im Logo und auf dem Truck fahren sie jedenfalls wieder das klassische Programm mit Grundfarben Rot, Grün und Blau. Denke, diese Beobachtungen werde ich mit dem Pressesprecher spätestens in Dortmund noch mal thematisieren.

Back on track: Gefühlt viel zu früh ist das Ziel erreicht. Schmelztiegel, Hotspot, was soll ich nur schreiben? Die Stimmung kocht, die Bühne brennt, tausende feierwillige Läuferinnen und Läufer trotzen der Hitze. Die Beats gehen direkt in die Beine, Ausgelassenheit und Fröhlichkeit wohin man auch schaut. Alle paar Minuten gibt´s einen Countdown, und die Luft über den Köpfen der Finisher explodiert für einen kleinen Moment vor Farben, bevor der Wind sie verweht. Kompliment an den Veranstalter, einen so nahtlosen Übergang in eine After Run Party, noch dazu mit so viel Punch, sucht seinesgleichen, gefühlt irgendwo zwischen Deichkind-Konzert und Strandparty auf Ibiza.

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Girl´s day
Vor dem Fazit erwähne ich noch schnell und mal ganz konkret den „Brombeertag“ für 7.500 Frauen am Kölner Tanzbrunnen. Der Vollständigkeit halber, weil wieder Köln und wieder Farbe und bereits ein paar Mal erwähnt. Laut Presse stammt die Farbe nach dem dunklen Rosa der (sic) Woman´s Run Farbgebung. Doch das erklärt, finde ich, nur sehr bedingt das omnipräsente Rosa. Gleichberechtigung mal weggedacht fußt es noch am ehesten auf geschlechterspezifischen Stereotypen, wenn nicht noch feminineren Gründen. Falls ihr Lust habt: Köln ist leider schon komplett ausverkauft, Nachmeldungen vor Ort sind nicht mehr möglich. Zuschauen und Anfeuern geht natürlich immer, los geht´s um 15:00 Uhr (5 Kilometer), 17:30 Uhr (8 Kilometer) bzw. 20:00 Uhr (Abschlussparty). Vor Ort ist auch wieder die geschätzte Laufexpertin Ingalena Heuck.

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Fazit
The Color Run ist Party pur. Der Lauf selbst ist eher Beiwerk und eine Attraktion für Einsteiger, für alle Teilnehmer Mittel zum Zweck. Auf den publikumsfreundlichen 5 Kilometern lässt sich in beiden Fällen ordentlich Farbe bekennen. Das Finish ist spektakulär und bietet eine Riesenparty, die ihresgleichen sucht. Eitelkeit ist im Ziel fehl am Platz, zum bunten Paradiesvogellook kann man mit Stolz stehen. Schon deshalb, weil es wirklich allen Finishern mit Farbe im Gesicht und auf dem ganzen Körper geschrieben steht: The happiest 5k on the planet.

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