Fahrrad & Furious

„Death Pedal ist Fast & (sic) Furios auf zwei Rädern. Egal ob Fixed Gear, Singlespeed, Rennrad, Zeitfahrrad, Hollandrad, Liegerad… Death Pedal will Radliebhaber aller Art zusammenbringen. Nicht nur die besten Beine zählen. Der Sport steht im Vordergrund – und der Spaß und Austausch der Radler untereinander. Das Besondere: Was sonst nur für Profis und Bahnradfahrern vorbehalten ist, holt der Veranstalter auf die Straße.

So weit so charmant und barrierefrei. Doch Düsseldorf bleibt Düsseldorf, Show & Shine & Schmackes trifft Schlabberlook, Schneckentempo und Schwulitäten.

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Duel of the Fiets
Okay, ich sag´s direkt: Death Pedal hat mir vorher nichts gesagt. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) samt seiner Chapter sind mir ein Begriff, alle Arten von Fahrrädern, Falträdern, Pedelecs, ja sogar Critical Mass als gemäßigte Form zivilen und zweirädrigen Ungehorsams. Ich kenne tolle Radtouren im Bergischen Land, Google Maps bietet jetzt auch Fahrradnavigation. Und beim Triathlon sattle ich auch schon mal auf. Doch das Death Pedal? Nie gehört.

Mit meinem Alter und sportlicher Prägung ist das vermutlich weder Wunder noch Schande. Zumal sich der Begriff nicht mal eben googeln lässt. Wobei, jetzt ja schon, da die Düsseldorf Agentur active value den Underground zum Overground gemacht hat. Dem einen oder anderen sind die Jungs vielleicht schon vom Düsseldorfer Brückenlauf bekannt.

Angesichts von so viel persönlicher Unkenntnis und problematischer Quellverlinkung werfe ich der Einfachheit halber ein, dass nicht gleich jede Szene ans Licht gezerrt werden möchte oder muss.

Andererseits ist die Sache überhaupt nicht großartig verschwörungstheoretisch oder praktisch erklärungsbedürftig: Es geht wie eingangs gesagt um eine Serie von Radsprint-Rennen im direkten Duell. 1:1 Auf 400 Metern schnurgerader Strecke. Im Untergrund beispielsweise in einem langen Tunnel, bei Olypmpia auf der Rundbahn, an der Oberfläche vergangenen sonnigen Sonntag am Messeparkplatz in Düsseldorf.

Show and Shine
Offiziell geht es nie nur immer darum, wer das Beste in den Beinen hat. „Dabeisein ist alles“ und so. „Alle sind Sieger. Nur manche etwas eher“ und so. Eben der orthopädische Gedanke.

Bei großen Laufsportveranstaltungen trifft das zumindest zu Je mehr Menschen mitmachen, desto durchschnittlicher wird die Sache. Ehre den Ehrgeizigen, die es natürlich immer gibt. Doch beim Volkslauf fallen sie weniger auf, stehen meist ganz vorne am Start, sind als erste im Ziel, während die Genussläufer noch auf der Strecke so langsam den Sonnenuntergang genießen.

Die Wettkampfpremiere einer bislang eher im Szene-Schatten betriebenen Sportart, die lässig Gevatter Tod im Titel trägt, ist da schon ein anderes Kaliber. Als Gewinn ist außerdem eine Granate an Fahrrad von GIANT ausgelobt. Das lockt an. Klar wird das spätestens beim Eintreffen auf dem Veranstaltungsgelände. Das weitläufige Areal an den Parkplätzen der Düsseldorfer Messe bietet mit tollen Geraden und viel Auslauffläche optimale Renn- und Sonntagsausflugsbedingungen. Und eben Show & Shine, man zeigt, was man kann und hat.

Als unbedarfter Freizeitpedalero landet man somit recht abrupt angesichts der der aufgefahrenen Materialschlacht auf dem Boden der Tatsachen. Karbon und Fiberglas wohin der Lenker zeigt. Offensichtlich hat hier heute die Tour de France Halt gemacht. Die meisten Fahrer tragen nicht nur ein farbiges Trikot, sondern alle möglichen Farben farbiger Trikots der Tour multilayertechnisch on top. Also ein ganz schön bunter Haufen. Wie frisch vom Holi-Festival.

Zum Beispiel Christopher Kronenberg von BCP Bikes, wir kennen uns vom Firmenlauf, er fährt voran, wir laufen hinterher. Mit seiner ebenfalls anwesenden Mutter Conny bin ich schon kilometerlang zum Kennenlernen des Kurses durch die Innenstadt gelaufen. Und jetzt treffe ich zufällig beide heute hier. Was ein Wahnsinn. Vor allem sein Bike und seine Beine, seht selbst:

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Alles knallbunt und sonnig. Red Bull DJ-Truck mit moderater Laufstärke. GIANT mit umfassendem Infostand samt Fahrradmodellen quer durch die Bank, zum Informieren und Ausprobieren. Gastronomie mit ausgefallener Optik. Alles zusammen nicht 0185, sondern Lifestyle pur. Augen und Ohren bekamen somit vom Start weg was geboten – besonders lobenswert angesichts der kostenlosen Teilnahme für alle.

Mein Problem: Mir steckte noch der flotte 10er vom Vortag in Herdecke in den Beinen. Die Nacht drauf war kurz, die Augen klein. Auch das Fahrrad klein: Faltrad statt Rennmaschine. Auto in der Werkstatt, Mountainbike in der Wartung, Birdy und ich am Ende in Bus & Bahn: In der Stadt ist das Rad wirklich praktisch, auf der 400 Meter Sprintstrecke jedoch eher weniger, doch dazu gleich mehr. Ehrenrettungshalber möche ich betonen, dass der Veranstalter ausdrücklich alle Arten von Bikern eingeladen hat. Weil, darauf lege ich Wert, geht es ja offiziell gar nicht drum, wer das Beste in den Beinen hat. Hätte. Fahrradkette.

Schmackes und Schneckentempo
400 Meter Sprint, 200 Teilnehmer, 1:1. Wer jetzt als Liebhaber der Langstrecke frohlockt, am Ende des Tages 80 Kilometer auf dem Tacho zu haben, irrt. Ausgefahren wird die Sache a) im Qualifying und b) im Finale. In der Qualifizierungsphase starten alle 200 Fahrer, jeder gegen jeden. Lediglich die 16 schnellsten Teilnehmer kommen in´s Finale. Ohne Achtel, Viertel, Halb. Finale, k.o., finito.

Es gibt auch keine unterschiedlichen Alters- oder Wertungsklassen (das Dutzend anwesender Tretrollerfahrer einmal ausgenommen). Am Start war also meinem ebenfalls faltradfahrenden, coolen Gegner Toby und mir klar, dass wir die Sache heute nur unter uns ausmachen. So gesehen heute also ein guter, zweiter Platz.

Überhaupt, der Start: In langer Schlange haben wir hier die meiste Zeit verbracht. Das Pendant zur Startaufstellung beim Laufen. Ein Leckerbissen, weil Vorfreude immer schönste Freude ist. Analog zum Schuhezubinden konnte man so in Ruhe nochmal an diversen Scharnieren herumnesteln, und dem Smalltalk frönen. Mein Wingman etwa saß auf einer schnöden, reichlich billigen, gerade mal zweigängigen Schadtschlampe an Kalkhoff-Faltrad, fährt mit ihr jedoch täglich von Düsseldorf nach Hilden und zurück. Während er täglich bei seiner Tätigkeit auch noch steht, übe ich sie im sitzen aus. Liegerad wäre 2014 also vielleicht auch eine Option.

Das alles hätte ich ja noch verkraftet, wäre er nicht im Besitz bzw. Beschlag spezieller Klickpedalen und Fahrradschuhe gewesen. Ihr wisst schon, diese Dinger, die Pedale und Schuh zu einer Einheit verschmelzen, so dass man nicht nur tritt, sondern auch zieht. Quasi doppelte Leistung pro Bein, vermutlich vierfache Leistung insgesamt. Lächerlich dagegen der Vorteil durch die acht Gänge meiner Nexus Nabenschaltung, 7005 T6er Aluminiumrahmen, Schwalbe-Marathon-Bereifung, Alex Crostini-Felgen, 52fach-verzahnter 170mm Sunrace Tretkurbel, Shimano Alfine Kettenspanner und X-TAS-Y Lenker. Aufgefressen durch Sonntagsschläppchen.

Immerhin gab es ordentlich was zu Gucken. Zum Beispiel die Fahrer vor uns. Wer an der Reihe ist, wird von freundlichen Helfern am Start in der Balance gehalten. Die Rennleitung verständigt sich per Funk mit dem Ziel, wo auch der größte Teil des Publikum wartet. Unser Faltradduell wurde angesagt, nicht ohne den Wunsch nach einer Extraportion Stimmung. Sieger der Herzen.

Ich behaupte, Toby und ich haben alles auf der Viertelmeile gegeben. Wirklich alles. Tunnelblick, brennende Beine, Taub für jeden Jubel, Dragster on Drahtesel. Vom Start weg hat bei uns beiden die Technik mitgespielt, die Gänge geschmeidig, die Ketten ordentlich auf Zug. Wir warfen am Ende beide keinen Blick auf die LED-Messuhr im Ziel. Vielleicht waren wir zu fertig, vielleicht fügten wir uns einfach dem Unvermeidlichen. Angesichts der Zeitfahrmaschinenmanegerie um uns herum hat es für das Finale einfach nicht gereicht. Eine gefühlte Stunde auf der Strecke für mich, eine halbe Stunde bei Toby, nie und nimmer die nötigen 20, 30 Sekunden für´s Finale. Im Faltradduell jedenfalls Platz 1 und 2.

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Schlabberlook und Schwulitäten
Wie´s Gescherr, so der Herr. Optisch gleicht sich der Mensch im Material der Maschine an. Das sieht man gut an Christoph, aber auch an vielen anderen Teilnehmern. Kurzum, mit Schlabberhose und unspektakulärem Baumwollshirt war optisch kein Staat zu machen.

Im Gegenteil, plötzlich fühlte ich mich aufgrund der unaunffälligen Kleidung auffällig auffällig. Otto Normalo statt tighter Tour-de France Fashion oder urigem Underground in hippem Fixie-Look.  Mehr modischer Mut wäre im Vorfeld also gar nicht so falsch gewesen, ja selbst mit Triathlon-Suite plus geblümter Shorts wäre ich adäquater gekleidet gewesen. Das erinnert mich ein bisschen an meine ersten Runden auf dem Sportplatz, 2008, in schweren Turnschuhen von Caterpillar plus flauschiger Fleecehose. Es ging, doch heute geht es besser.

Um mir am Sonntag wenigstens ein bisschen Uniqueness zu bewahren, wollte ich wieder den Nerd raushängen lassen, und die Drohne starten. Doch Pustekuchen, der Messemarkplatz liegt in direkter Einflugschneise des Düsseldorfer Flughafens.

Es wäre vermutlich gegangen. Ein bisschen Guerilla, underground and fly around. Mein kleiner Freund wäre nicht wie hoch wie sonst geflogen, doch vielleicht hätte es schon für´s Radar gereicht. Mindestens für Fotos, die sich jedoch aus naheliegenden Gründen schlecht veröffentlichen ließen. Beim Aufstiegsverbot in der Nähe von Flughäfen hat man sich bestimmt etwas gedacht. Angesichts der eindrucksvoll im Tiefflug über uns hereinbrandender Flugzeuge erlahmte schließlich auch der letzte Gedanke an eine einmalige Ausnahme. So blieb aus Sicherheitsgründen, Respekt vor den Regeln und natürlich auch dem Veranstalter die Drohne diesmal am Boden.

The bottom line
Jetzt weiss ich Bescheid. Im nächsten Jahr entweder mit der Rennmaschine vor Ort, oder einer Gruppe genügend verkleideter Verrückter. Inklusive einer Decke, da das Areal ausreichend Fläche für ein gemütliches Sonntagspicknick bietet.

In jedem Fall sei die Veranstaltung jedem Sportinteressierten aus dem Umkreis empfohlen, falls der Tag nicht schon anderweitig verplant ist. Da der Veranstaltungsort von der Verkehrsanbindung her zentral liegt, und mit Stadt, Land, Fluss und Flughafen auch für längere Strecken ordentlich Abwechslung bietet, empfiehlt sich das Event für Sonntagsläufer, die gern auch nur als Zuschauer einen Zwischenstop einlegen.

In jedem Fall ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren von active value, die den Tag völlig kostenfrei für die Fahrer und Zuschauer anboten. Mit einer engagierten  Crew vor Ort, die sich aufmerksam und mit sichtbarer Freude um die vielen Kleinigkeiten gekümmert haben. Als Teilnehmer freute man sich außerdem über eine ordentliche Startertasche, inklusive zahlreicher Aufmerksamkeiten der Sponsoren GIANT und Red Bull. Danke.

Death Pedal Death Race Düsseldorf Messe3

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