Jubeläum in the air tonight

Es gibt ja bekanntlich Tage wie diese. Zunächst sah es aber überhaupt nicht danach aus. Überhaupt, es sah seit einer Weile nicht danach aus. So Phasen gibt es. Kühlschrank leer, Karre kaputt, Asthmaspray alle. Und dann noch Meine Soldaten hören statt Auf und Davon. Rückwärtsgerichtet, und das hat man dann davon: Schlechte Laune.

Nur gut, dass ich mich dem 25. Solinger Klingenlauf versprochen habe. So ein Lauf in der Heimat, vor der Haustüre, hat immer etwas für sich. Keine Ausreden, kurze Anreise, bekannte Gesichter, Schwänzen fiele auf, und als Sahnehäubchen eine Startzeit, die dem Feiertag mehr als gerecht wird: 17:00 Uhr. Da startet man anderswo zum Nachtlauf. Zum Glück noch Licht genug für Luftbilder dank der Drohne. Und einem championsleageverdächtigen Fan-Block.

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Die Kleinen machen den Klingenlauf groß
Geschuldet ist die Papi-kompatible Zeit des Hauptlaufes den vorangehenden Staffelläufen der hiesigen Schulen. Die Rekordbeteiligung von weit mehr als 1.200 Starterinnen und Startern rekrutiert sich traditionell aus den Grund- und weiterführenden Schulen Solingens. Dergestalt via Lehranstalt eliminieren sich jedwede Nachwuchssorgen: Teilnehmerstärkste Altersklasse ist die M8, alleine sie mit 100 Läufern und Läuferchen.

Die kleinen Flitzer haben sichtlich Spaß dabei, sich beim Lauf auf dem Gelände des Südparks den Staffelstab zu reichen. Wohl auch, weil der Kurs so familienkompatibel und zuschauerfreundlich ist: Statt Wendepunkt Marke „auf und davon“ werden sämtliche Wettbewerbe auf einem Rundkurs gelaufen. Glücklicherweise nicht monton wie auf dem Sportplatz, sondern eher wie auf einer Carrera Bahn. Mit dezenten Auf und Abs, jeder Menge Kurven und Geraden und sogar verschiedenen Untergründen. Nicht umsonst hat wohl der motorisierte Nachwuchs den Südpark für so manche Motorsportaktivität für sich entdeckt. Übrigens auch Nachtschwärmer.

Kurz nach dem Start geht es linke Hand eine leichte Steigung hinauf. Wenige Höhenmeter, die in der ersten von insgesamt 10 je 1 Kilometer langen Runden nicht ins gravitotionale Gewicht fällt. Über die Gegengerade schenken wir die Höhenmeter dann wieder her, um in der Schikane zwischen den Südparkbauten entlang des deutschlandweit einzigartigen Museum Plagiarius in den eigentlichen Park zu kreuzen. Weitere langere Gerade, die unseren Rückweg Richtung Ziel entlang der Ateliers der Künstlerkolonie vorbereitet.

Buch Exodus im Gelben Block
Als die Gerade geschafft war, und der Kurs gen Cafe Stückgut ging, kam die Gelbe Wand in meinen Blick. BHC-erpropte Fans rund um meine liebe Kollegin Petra König. Heute Fanclub der Klingenwetzer, unschwer anhand des Namens als Solinger Laufgemeinschaft identifizierbar.

Jetzt bin ich zwar ein Bergischer Jong, aber nicht Mitglied dieser Truppe. Auch trug ich kein gelb-schwarzes Outfit, obgleich der BVB vor den Bayern eigentlich meine Sympathie hat. Um es kurz zu machen: Ungeachtet dessen gab es trotzdem das volle Programm. Mit Fug und Recht war es deshalb nicht nur ein Jubiläum, sondern regelrechtes Jubeläum,

Das Stimmungsnest, ach was, der Fan-Block war mit allerlei jubelkompatiblen und krachmachenden Zeugs ausgestattet. 10 Runden bedeutet 9 mal Vorbeilaufen, und aufgrund ihrer Position und meiner Einflugschneise (die geodatentechnisch exakt identisch mit der der Klingenwetzer war) glühte der Jubel schon 50 Meter vorher vor.

Ihr kennt das: Beim Marathon warten Family & Friends tapfer stundenlang bei Kilometer X bzw. XX (bei Ultras ggf. bei XXX). Falls ÜBERHAUPT jemand wartet. Dann bleibt nur noch das verzweifelte Hoffen darauf, jemand euren Namen ruft, der auf der Startnummer aufgedruckt ist. Heute hätte man mich dann höchstens „Intersport“ rufen können. Ein ungewöhnlicher Name, an den ich mich erst gewöhnen müsste. Natürlich würde er klasse passen, auch wegen des vielen Internets und so, aber man will ja auch nicht heißen wie jeder. Heute hießen sie alle Intersport. Intersport Borgmann. Eben eine große Läuferfamilie.

Zum Glück gab es also den Fan-Block.  Sie machen es wie Moses, kannten meinen Namen, und haben mir Gnade geschenkt (Buch Exodus, Ex 33,12 ): Ob La Ola, Sprechgesänge oder Choreos: Das war allererste Liga, cheering Championsleague.

Jubeln für Einsteiger
Natürlich muss man mit so viel Aufmerksamkeit auch erstmal klarkommen. Sprichwörtlich führte kein Weg dran vorbei, und wer so viel geschenkt bekommt, möche zwangsläufig auch geben, Stichwort Reziprozität. Plötzlich stellt man fest, dass man als Läufer zwar viele Jahre und ohne Ende an Ausdauer, Laufstil und Ernährung feilt. Aber nie das Jubeln auf der Strecke oder gar Varianten von galanten Zieleinläufen geübt hat.

Auf den Knien hinrutschen, und das Laufshirt übers Gesicht ziehen? Ich scheue eine Disqualifikation. Salto in der Luft? Wunschdenken. Ihnen zurufen: „Diesen Sieg schenke ich euch“? Geht im Jubel unter. Wenigstens vorher noch Zwischengas geben, ein paar andere Läufer überholen, in der Fan-Kurve nicht an Tempo verlieren, und Flugküsse werfen. Oder im Draufzulauf die La Ola mit vorgestreckten Armen andeuten und mit aufbauen, Zündung am Rendezvouspunkt.

Es kostet ein bisschen Kraft. Und natürlich sollte man immer Lächeln, auch wenn´s schwerfällt. Doch es schenkt einem weit mehr als ein bisschen Extraschub. Mindestens Erinnerungen für´s Leben. Mag sein, dass man sich daran gewöhnt. Gewöhnen könnte ich mich jedenfalls daran. In den letzten vier Jahren habe ich schon viel tolle Stimmung entlang von Strecken erlebt. Das übertraf heute aber alles. Petra, Königs, Klingenwetzer, danke dafür!

Voll flach und ohne Gummi
Der sportliche Teil ist schnell erzählt: Runde um Runde nähert man sich dem Ziel. Zählen fällt schwer. Wobei, genaugenommen ist das Zählen nicht das Problem. Sondern das Imkopfbehalten der aktuellen Rundenzahl. Jetzt bin ich nicht gänzlich unbeleckt, was Rundenläufe angeht. Beispielsweise läuft man in der, durch die und um die Westfalenhalle herum beim grandiosen Indoortrail entweder eine, vier oder acht Runden (oder alle zusammen). Wohlwissend um die präfontaler-Cortex-bedingter Teilzeitdemez der Läufer teilen sie Gummibänder aus, die man rundenweise abwirft. Kein Gummi = letzte Runde. Ob von dem Verfahren sprachlich „Gummi geben“ herrührt, weiß ich  nicht. Heute gab´s jedenfalls keine Gummis.

Abweichend zum Indoortrail ist die Strecke in Solingen schön schnell, flach und frei. Sieht man von der eingangs angedeuteten Kopfsteinpflasterpassage kurz vor dem Ziel mal ab, die diesmal meinen Beinen herzlich unwillkommen war. Ohne irgendwas zu beschönigen, liegt in der Natur der Sache eines Rundkurses (insbesondere angesichts einer höheren Zahl gelaufener Runden) dass man von Top-Läufern überrundet wird. Im schlechtesten Falle sogar mehrmals. Das ist eben so. Die normative Kraft des Faktischen. Sollte man unbedingt auf der Suche nach etwas Gutem in diesem (imaginär) Schlechten sein, dann liegt es darin, von Top-Läuferin überrundet zu werden. Ganz genau. So kann man aus nächster Nähe ihren Laufstil und Style studieren (nur kurz, dafür mehrmals). Oder kriegt was Schönes zugerufen, zum Beispiel zu einem Blog, den man betreibt. Okay, das passiert eher selten, aber heute hat es mich überrascht und gefreut. Schöne Grüße an den LTV Lüttringhausen!

In the air tonight
Was wäre ein Bericht ohne Bilder? Dazu solltet ihr wissen, dass ich in der Regel alleine unterwegs bin. Laufen und Bilder sind also so eine Sache. Meist eine stressige Sache. Mindestens ist es unmöglich, gleichzeitig zu Laufen und zu Fotografieren, oder, um das neueste Gadget mal beim Namen zu nennen, die Kameradrohne zu steuern. Wobei, nein, eigentlich ging das, beim StrongmanRun wurde ich das ja konkret gefragt bzw. drauf hingewiesen. Mit einem Peilsender und optionalen Empfänger könnte mich das Flugerät durchaus in einer definierten Höhe vom Boden verfolgen, und (automatisiert) Bilder machen. Doch mit knapp 10 Minuten pro Akkuladung ist die Drohne bezogen auf ihr Durchhaltevermögen ungefähr auf Bambinilaufniveau. Technisch muss sich also noch einiges tun, bis ich etwas entstresst bin.

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Also, die Drohne. Ich kann mir vorstellen, dass das den einen oder anderen Leser vermutlich brennend interessiert. Vielleicht gibt es dazu demnächst mal ein Feature, bisweilen berichte ich euch von meinen Erfahrungen bei Events. Auf der grünen Wiese fliegen ist eine Sache, mit Publikum eine andere. Und vorweg: Safety first, selbstverständlich. Daher fällt auch so manche Bild- oder Filmidee flach, noch bevor vielleicht das Bild- und Filmvehikel flachfällt, etwa Tiefllug im Zielkanal. Lieber aus sicherer Höhe und Entfernung. Also die Drohne.

Ich selbst stehe meist in Sichtweite des Schauplatzes. Idealerweise auf der grünen Wiese gegenüber des publikumstechnischen Hot-Spots. Das ist eine sichere Entfernung im Sinne eines Startplatzes, nicht aber des Publikums itself. Schnell habe ich Gesellschaft. Und weil heut so viel Nachwuchs vor Ort ist, habe ich wirklich sehr schnell und sehr viel Gesellschaft.

Der Einfachheit halber die häufigsten Kinderfragen samt Antworten. Vorweg sei gesagt, dass schönerweise die meisten Menschen aufgeschlossen und neugierig sind, in der Regel aber nur Kinder sofort neben mir stehen, und konkrete Fragen stellen. Erwachsene fragen in rund der Hälfte aller Fälle, meist ergibt sich daraus ein nettes Gespräch (und ganz viele weitere Fragen und Antworten). Bei den Kindern ist das nicht immer so, obgleich völlig okay. Schließlich ist der erste Wissensdurst schnell gelöscht, und Vorrang hat visuell immer die Drohne in der Luft. Ich sehe sie also nicht an, hoffentlich sehen sie mir das nach. Jetzt also die Top 5:

Q: Kann das fliegen?
A: Ja, und da ist sogar eine Kamera dran! Die kann Filme machen oder Fotografieren, ich hab sie jetzt erstmal im Fotomodus, alle 2 Sekunden automatisch.

Q: Was kostet das?
A: In dieser Konfiguration rund 1.000 Euro (das bleibt meist ganz ohne Kommentierung seitens der Kinder, vermutlich trifft es die Vorstellung von „zu teuer“)

Q: Was arbeitest Du?
A: Ganz normal im Büro, das ist nur ein Hobby (die Berufsfrage scheint sehr wichtig zu sein, kommt immer wieder, optional auch mit einem antizipierten „Pilot?“ oder „Computerprogrammierer“?)

Q: Wie hoch fliegt das?
A: 300 bis 500 Meter, mit Range-Extender auch 2 oder 3 Kilometer. Dann braucht man aber ein FPV-System, also dass man sieht, was die Drohne sieht, weil man sie selbst nicht mehr sieht. Und einen stärken Sender und Empfänger, so mit 5,8 Ghz (optional schieben die Kinder nach, weil vielleicht „Höhe“ etwas abstrakt ist: Und wie weit fliegt das? Die Antwort ist identisch, der Funke ist es nämlich egal, ob sie 300 Meter hoch oder weit funkt,  Bäumen und Häusern und Inteferenzen und Abstrahlwinkel mal ausgeklammert)

Q: Kannst Du auch landen?
A: Ja, ich muss sogar. Werdet ihr gleich sehen, wartet mal (hier setze ich zur Landung an, und zeige ihnen anschließend die Rotorblätter, um zu beweisen, dass Landungen auch mal danebengehen)

Recht herzlich bedanken möchte ich mich bei dem unbekannten Herrn, der mir heute die Firma Resulf empfahl. Seiner Schilderung nach können sie Akkus instandsetzen. Zum Bruchteil de Neupreises erhielte man ca. 80 % der alten Kapazität zurück. Bei dreistelligen Kosten und begrenzter Lebensdaher für Akkus im Quadro-, Hexa- und Octopcopterbereich  scheint mir das eine abzuprüfende Alternative, sollte mal Ersatz nötig sein.

Zum Abschluß
Der perfekte Abschluss waren einige eingefangene Eindrücke des Jedermannlaufes über 5 Kilometer. Erstaunlicherweise startet diese Distanz nach dem 10 Kilometer Hauptlauf, gar um 18:00 Uhr. Das Feld ist bei beiden Läufen relativ klein, weit mehr als 1.200 Läufer verteilen sich auf die Schul- und Staffelläufe. Der Klingenlauf hätte es mehr als verdient, dass es hier am Abend rappelvoll wird. Die Location im Südpark ist perfekt, viel Wiese und Gastronomie. Nächste Gelegenheit: Der Miss-Zöpfchen-Lauf am am 01. September, inklusive Firmenlauf.

Einen herzlichen Gruß von dieser Stelle auch noch an Oliver Witzke, heute helfender Supporter. Deinem Wupperberge-Marathon am 29. September wünsche ich das Allerbeste. Das mit Laufen und Luftbildern parallel kriegen wir schon irgendwie hin.

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