Back to the Bugracer

Heute Nachmittag ging es auf eine mehrstündige Tour on- und offroad mit dem Bugracer, rund um das Veerse Meer in Zeeland…

An der Verleihstation am Havenweg 1 in Kortgene begrüßt mich Norman Veens herzlich. Er ist der Schlüssel zum PGO Bugracer 500i, einem heckgetriebenen 500 Kubik-OTV, off terrain vehicle. Wobei die Straßen, die keinen leichten sind, auch viel on-road führen, doch dazu gleich mehr.

Norman präsentiert den Verleih-Vertrag. Die Formalitäten weichen nicht wesentlich ab von der Miete eines Leihwagens. Wären da nicht die Sicherheitshinweise. Das laminierte Foto vom Bugracer kopfüber im Graben. Der Kartenausschnitt daneben, der anschaulich die 90° Kurve-zeigt, daneben die Zahl 45 km/h. Mein Gefühl sagt mir, dass sie für mehr als nur die Hälfte des Radius stehen muss. Vermutlich für eine Art Risiko. Das Kurvendurchfahrgeschwindigkeitsrisiko und den Fliehkraftkoeffizienten.

Ich kann mit der Vorstellung und Vorgabe leben, nicht mit angezogener Handbremse durch die Kurven zu sliden. Ebenso akzeptabel sind die Tempolimits von 80 km/h (on-road), 50 km/h (auf Schotter) und 30 km/h (off-road). Auch hatte ich nicht vor, im Kies enge Kurven im Kreis zu zirkeln. Schon gar nicht bei einer Selbstbeteiligung von rund 1.000 Euro im Unfallfall. Es soll nur ein bisschen an die frische Luft gehen. Erfreulicherweise geht das mit unserem Fahrzeug auch alleine, hinter dem Steuer ist man also wirklich sein eigener Herr. Einzig ein Navigationsgerät ist mit an Bord, was gleichzeitig aber auch (fast) alle Fragen zur Route mit Bravour beantwortet…

Kurze Einweisung zum Beschleunigen und Bremsen (ohne Kupplung, analog einer Automatik) und Schalten (Rückwärtsgang für alle Fälle, Vorwärtsgang bleibt in der „schnellen“ Einstellung idealerweise jederzeit in der gleichen Position, Schalten wird also wirklich nur beim Rückwärtsfahren nötig). Angeschmiegt im Sportschalensitz angeschallt, und los geht´s.

Fremdvehikeltypisch geht´s die ersten paar hundert Meter noch sehr verhalten zur Sache. Der offene Zweizylinder im Heck macht ordentlich Krach, wo habe ich nur meine Oropax gelassen? Das Fahrgefühl ist ziemlich genau in der Mitte zwischen Quad und (Bro)Kart. Herrlich, auch wenn angesichts des Höllenlärms hinter mir das schlechte Gewissen bei der Passage von Fahrradfahrern oder Pferden immer ein bisschen mitfährt. Ich kompensiere es durch angepasste, langsame Fahrweise und freundlichen Blickkontakt mit den anderen Feriengästen oder Einwohnern.

Norman hat am Vortag daran erinnert, warme Kleidung zu wählen. Der Fahrtwind in dem zu jeder Seite offenen Gefährt, nur begrenzt durch den Überrollbügel und Plastikdach, reisst einem jegliche Wärme aus dem Gesicht, von den Händen und aus dem Körper. Es sei denn, man trägt Schal, Kapuzenjacke und Handschuhe. Nichtbrillenträger bekommen zusätzlich eine spacige MI:4-inspirierte, klare Plastikbrille, mit der sich wahlweise auch am Burj Khalifa  klettern ließe. In jedem Fall ist eine Bebrillung sinnvoll, da es offroad sprizig zur Sache geht.

Das Garmin Zumo Outdoor Navi weist den Weg. Die Tour kennt markante Wegpunkte, die auf dem gut lesbaren Displays mit einer kleinen Flagge gekennzeichnet sind. Gleichermaßen kennt es unsere Geschwindigkeit und vermutete Ankunftszeit. Zum Glück bin ich ja ein bisschen mit den Tücken der Technik vertraut, und kann mir deshalb nur zu gut denken, dass es auch die Geschwindigkeit und exakten Wegverlauf SPEICHERT.Norman also bestens bei Rückkehr kontrollieren kann, ob sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten wurde. Und das Gebot zum Kreisfahrverbot. Was er auch wirklich tut…

Brav folgte ich also der Route. Maximale Aufmerksamkeit ist nötig, maximale Frischluftzufur aber gleichzeitig garantiert. Ungewohnte Sitzposition, Lautstärke, taktile Reize am Körper (Luft) und Hintern wie Rücken (Vibration), Orientierung über das Navi und diverse Foto- und Film-Zwischenstops. WENN Man schon mal auf einem matschigen Feldweg mit so einem Teil unterwegs UND Kameras dabei hat UND die Bodenfreiheit ausreicht, um über die Kamera(s) drüberzufahren, MUSS man das einfach versuchen. Oder die GoPro mit ein paar Steinchen und Blättern am Wegesrand stabilsieren, und genau mitten durch die Pfütze davor fahren. Stoppen, Abschnellen, Zurücklaufen, Einsammeln.

Woran ich nicht gedacht habe: Die Tour ist ungefähr auf zwei Stunden ausgerichtet. Reine Fahrzeit, ohne Brot-, Foto- oder Filmzeit. Während ich also den Roadmovie drehte, tickte unerbittlich die Uhr. Die Divergenz zwischen realer Uhrzeit, Positon und geschätzter Rückkehrzeit war irgendwann so unübersehbar verschoben, dass ich – natürlich – erstmal an der eingespeicherten Route zweifelte. War Norman vielleicht die Tage in einer nördlicheren Region Hollands unterwegs, auf Besorgungstour in Amsterdam? Eine Route ohne Rückkehr? Mein Herz wurde mir trotz aller Freude bang, ich war gerade mal in Kamperland, meiner alten und ersten Zeeland-Liebe. Crosste einmal quer über den Parkplatz, erspäte Roha-Sports aus der Ferne, folgte dem Navi weiter gen Norden. Dabei müsste es jetzt Süden sein, die Sonne stand schon tief, es blieb nur noch eine halbe Stunde bis zur vereinbarten Rückgabe, gefühlt war ich bereits eineinhalb Stunden in die andere Richtung unterwegs.

Zu allem Überfluss dann noch eine Baustelle mitten auf einem Deich. Road closed. Erwähnte ich, dass das Navi durch die fix eingestellte Route keine automatische Ausweichberechnung liefert, weicht man von der eingestellten Tour ab? Leider ließen sich die Bauarbeiter zu keiner spontanten Ausnahmegenehmigung zur Durchfahrt erweichen, wohl aber das Navi überreden, den Zoomlevel der Route zu verkleinern. Frei nach Schnauze, Pi mal Daumen und immer der Nase nach ging es dann doch schnell wieder back on track.

Trotz Sonne und herbstlich-lauen 15° wurde es am Ende TATSÄCHLICH kalt. Fahrspaß ohne Ende, gerade die gut ausgewählten Streckenabschnitte offroad sind Garantien dafür. Wassergefüllte Schlaglöcher en masse, die für den Fahrer immer eine Gradwanderung sind: Laut Norman wurden sie auf den Strecken nicht extra angelegt (ebensowenig die Strecken selbst). Sie stellen also für Mensch und Material durchaus eine potentielle Gefahr dar. Oder die Brieftasche, Stichwort Selbstbeteiligung. Andererseits spritzt es so schön, wenn man durch sie durchfährt. Spätestens hier weiß man auch, wofür man Brille trägt, und nach der Tour am besten erstmal ein Bad einplant…

Mit zu den schönsten Urlaubserinnerungen dürfte der kleine Tankstop an der Texaco-Tankstelle in Kortgene sein. Bilder, die in Erinnerung bleiben: Erstens ist die Tankstelle URIG. Kein hell beleuchteter, fussballfeldgroßer Tempel wie so oft. Stattdessen schmiegt sie sich unauffällig in die klassische Kulisse kleiner holländischer Städtchen in die Straßenzeile. Nur kurz nach rechts gelenkt, geschlenkt, gestoppt. Tankdeckel gesucht, aufgefummelt, und mit gerade mal drei Litern wieder vollgetankt. Soso, doch 10 Liter auf 100 Kilometer braucht der Buggy also. Mein Motorrad ist genügsamer, käme aber mit den Schlaglöchern schlechter klar. Und ich trüge einen Helm. Im Fun-Duell siegt der Bugracer damit deutlich, zumal er einen Beifahrer erlaubt. Täte das Motorrad zwar auch, doch der „Komfort“ (Schmutz, Wasser, Wind, Vibration) auf dem Rücksitz ist doch ein anderer als im Schalensitz neben dem Fahrer. Also, die Tanke. Erstens urig, zweitens zog das Gefährt direkt die Blicke der fahrradfahrenden Dorfjugend auf sich. Diese Szenerei lag irgendwo zwischen klassischem Roadmovie mit Tankstop auf der Route 66 und Back to the Future. Der Bugracer hatte in dem Moment total Ähnlichkeit mit einem DeLorean. Einem sehr schmutzigen DeLorean.

Wenig später endete die Tour rund 30 Minuten später als ursprünglich geplant. Norman verzeihte es mit einem gütigen Lächeln, doch nicht, ohne dass Navi routiniert an den PC zu stöpseln, und uns die Route nochmal zu zeigen. Wohlgemerkt unsere tatsächlich gefahrene Route, inklusive aller Wendemanöver, Stops und abschnittsbezogener (V)maxe.

Gut, hier die Regeln wirklich respektiert zu haben. So sind wir zwar nicht direkt Zurück in die Zukunft gefahren, aber wissen zukünftig, was wir UNBEDINGT machen, wenn es zurück nach Zeeland geht: Ein Trip mit dem Bugracer. Fahrspaß garantiert, den es so wirklich nicht an jeder Ecke gibt!

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