Prävention: Krankenkassen zahlen Laufkurse

Laufen macht sich in vielerlei Hinsicht bezahlt. Läufers Lohn besteht häufig aus Glück, Gesundheit und Geselligkeit. Wiederentdeckte Bewegung an der frischen Luft macht gerade in einer zunehmend bewegungsarmen Gesellschaft nachhaltig zufrieden. Gut für Körper, Geist und Seele. Gründe genug, um als gesetzlich Krankenversicherter von der Förderung durch die Krankenkassen zu profitieren.

Der Preis dafür besteht aus zunächst auss Freizeit und Training. Mal mehr, mal weniger – je nachdem, was man investieren möchte (und kann). Außerdem fallen gewisse Kosten für Laufbekleidung, Schuhe, Pulsmesser oder Apps an – wobei Laufen unter dem Strich ein günstiger Sport bleibt. Selbst mit professioneller Anleitung – ob nun zum Einstieg oder fortgeschrittenen Training. Zum Beispiel per Gesundheitskurs in der Gruppe.

Krankenkassen fördern Gesundheitskurse
Einsteiger (oder je nach Kurssegment auch  Aussteiger) profitieren bereits seit Jahren von Gesundheitsförderung durch die Krankenkassen. Gefördert wird die Prävention – also Gesundheitsvorsorge –  in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung und Suchtmittelprävention. Häufig bekannte Angebote sind hier Lauf- oder Nordic-Walking-Kurse, Ernährungsberatungen, autogenes Training oder Nichtraucherkurse. Ein Blick auf die Websites, in die Magazine oder auf die Aushänge von Sportvereinen, auf Infos in Schwimmbädern, Anzeigen in Tageszeitungen oder spezielle Gesundheitskursdatenbanken (easy!) lohnt sich.

Ziel der Prävention ist es, die Menschen anzuleiten und zu befähigen, selbständig nach Abschluss des Kurses die gelernten Inhalte dauerhaft und eigenständig umzusetzen. Gleichzeitig kommt bei den Angeboten natürlich der Spaß nicht zu kurz. Nicht ohne Grund heißt die „Kur“ heutzutage meist „Gesundheitsreise mit Wellness-Charakter“ – die Angebote sind mit dem gesellschaftlichen Anspruch an eine knapper werdende Freizeit (und verschärften Wettbewerb am Markt) mitgewachsen. Prävention soll außerdem zu einer Art gesundheitlichen Chancengleichheit führen, unabhängig vom Bildungsgrad, Einkommenssituation oder sozialer Teilhabe. Außerdem muss man die Menschen manchmal schlciht und einfach motivieren, ihres eigenes Glückes und Gesundheits Schmied zu sein.

Voraussetzungen (nicht nur) für Laufkurse
Wer sportlich einsteigen möchte, wird also von seiner Krankenkasse unterstützt. Und zwar nicht nur mit Tipps und Beratung, sondern konkreter Kostenübernahme. Allerdings gibt es das eine oder andere zu berücksichtigen, da widerum die Erstattungshöhen der Kassenvariieren, andererseits der Gesetzgeber die Regeln für Primärprävention im besagten Leitfaden vor einiger Zeit enger gefasst hat (und hierauf erstaunlicherweise längst nicht alle Kursanbieter eingestellt sind).

Alle Krankenkassen haben identische gesetzlichen Grundlagen zu beachten. Zusammengefasst sind sie im Sozialgesetzbuch (§ 20 SGB V) und insbesondere dem Leitfaden für Prävention des GKV-Spitzenverbandes (in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Krankenkassen auf Bundesebene). Ob ein Kurs danach erstattungsfähig ist, wird meist vom Kursanbieter direkt angegeben – im Zweifelsfall einfach danach erkundigen.

Hintergrund der (zunehmend enger gefassten, aber weiterhin handhabbaren) Vorgaben durch den Gesetzgeber ist, dass die Angebote rasant beliebter werden. Mit Blick auf Kosten und Qualität gelten spätestens seit Frühjahr 2011 neue Regeln auf dem Markt. Konnten im Jahr 2009 noch insgesamt zwei Millionen solcher Kurse durch die Krankenkassen bezahlt werden, waren es 2010 nur noch 350.000 Stück. Wohlgemerkt gehen diese Einschränkungen nicht von der Kasse im Einzelfall aus, sondern vom GKV-System samt seiner Verbände. Da ist viel Politik im Spiel, und gerade kleine, regionale, solide wirtschaftende Krankenkassen mit Hang zur großzügigen Kostenerstattung werden durch die einschränkende Neuregelungen benachteiligt…

Einstiegs- und Aufbaukurse
Versicherte können aktuell pro Jahr maximal zwei gleichartige Kurse besuchen, zum Beispiel einen Einsteiger- und einen Aufbaukurs. Im Jahr darauf müssen es andere Kurse sein. Kontinuierliches Training oder etwa eine Mitgliedschaft im Sportverein oder einer Yoga-Schule dürfen die Krankenkassen ohnehin nicht finanzieren. Lediglich die Kosten einzelner Kurse mit jeweils (maximal) 12 Terminen je (maximal) 90 Minuten. Förderungsfähig sind Kurse aus folgenden Bereichen:

  • Bewegung: Beispielsweise Herz-Kreislauf-Training, Nordic Walking oder Muskelaufbau, etwa in Rückenkursen. Fast ¾ aller bezuschussten Kurse sind Bewegungskurse
  • Stressmanagement: Dazu gehören auch Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Tai Chi oder Qi Gong
  • Ernährung: In diesen Kursen werden die Versicherten fachlich beraten und bei der Umstellung ihrer Ernährung (und Bewegungsverhaltens) mit praktischen Tipps und Übungen unterstützt. Gerade Übergewicht soll so reduziert oder vermieden werden (und Übergewicht ist natürlich nicht Voraussetzung für die Inanspruchnahme, genauso wie Sportlichkeit bei Bewegungskursen)
  • Suchtvorbeugung: Zumeist Nichtraucherkurse.

Voraussetzung der Kostenübernahme ist, dass der jeweilige Kurs zertifiziert ist nach § 20 SGB V. Das gilt insbesondere auch bei der Unterscheidung zwischen Einstiegs- und Aufbaukursen. Versäumt das der Kursanbieter, besteht für den Versicherten das Risko, die Kosten selbst tragen zu müssen. Leider ist dieses entscheidende „Detail“ (bzw. die Inhalte des Leitfadens) noch lange nicht bei allen Kursanbietern angekommen, obgleich sie selbst mit am besten um die Voraussetzungen wissen müssten. Die Förderung durch die Kassen ist für die Kursteilnehmer schließlich ein maßgeblicher Faktor, sich für eine Kursteilnahme zu entscheiden. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

  • Kurs ist gemäß § 20 SGB V anerkannt (zertifiziert)
  • Pro Jahr maximal 2 Kurse förderungsfähig
  • Im Folgejahr nur noch (zertifizierter) Aufbaukurs förderungsfähig
  • Was bekomme ich von meiner Krankenkasse?

Vergleichen lohnt sich
Prüft und vergleicht, bis zu welcher Höhe eure Krankenkasse die Kosten für zertifizierte Gesundheitskurse nach § 20 SGB V übernimmt. Die Höhe variiert von Kasse zu Kasse, häufig anzutreffen ist der (relativ geringe) Wert von (maximal) 160,00 Euro pro Jahr, insgesamt für bis zu zwei Kurse. Ein Spitzenwert dürfte im Vergleich der Betrag der BERGISCHEN von 500,00 Euro jährlich sein. Aktuell haben wir es damit auch wieder in die Auszeichnungen von FOCUS MONEY geschafft, Top-Kasse für Sportler, Testsieger für Familien und aktiven Älteren (Details hier).

Förderung von Firmen, Schulen und Kindergärten
Nach dem Wunsch des Gesetzgebers sollen die Krankenkassen bei der Gesundheitsförderung verstärkt „institutionell“ investieren, also beispielsweise in Angebote für Betriebe und Firmen oder Gesundheitsprogrammen in Schulen und Kindergärten („Setting“-Ansatz). So soll der Präventionscharakter gestärkt werden, und die Förderung näher an den Bedarf durch unmittelbare gesundheitliche Risiken heranrücken. Außerdem möchte man Menschen erreichen, die die Kursangebote bisher nicht nutzen. Die gesamte Gesundheitsförderung, ob mit Kursen am „freien Markt“ oder im Betrieb, spielt sich trotz allem in einem recht bescheidenen Rahmen ab: Die Kassen sollen nach den Wünschen des Gesetzgebers umgerechnet nicht mehr als rund drei Euro pro Versicherten im Jahr ausgeben. Nicht dreißig, nicht dreihundert – drei. Das überrascht, hat aber auch mit der niedrigen Quote der Inanspruchnahme zutun, gemessen an der Gesamtzahl der Versicherten.

Vorsorge besser (aber nicht unbedingt billiger) als heilen
Gerade einmal 300 Millionen Euro werden so jährlich durch die Krankenkassen für Prävention ausgegeben. Bei 300 Milliarden Euro jährlicher Gesamtausgabe für Gesundheit. 1/10tel Prozent. Aber wenn Vorsorge doch so viel besser ist als heilen, weshalb ist der Wert dann so niedrig? Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem, ob man Medizinökonomen, Sachverständigenrat der Bundesregierung, Verbraucherrechtler oder Volkswirtschaftler fragt. Die einen sehen in Prävention ein milliardenschweres Einsparpotential. Die anderen sind sich angesichts der lebensverlängernden Effekte je nach Zeitraum und Rechnung nicht so sicher. Eins erreichen Präventionsangebote in jedem Fall: Die Lebensqualität zu verbessern, Laufen ist das beste Beispiel.

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