Bericht zum Düsseldorf Marathon 2012

Zum 10. Jubiläum lockte der Düsseldorfer Metro Marathon in diesem Jahr 14.000 Teilnehmer, davon 4.000 auf der Langdistanz über 42,195 Kilometer. Entweder als Staffel aus vier Läuferinnen und Läufer. Oder als Single über die gesamte Distanz. Lest den ganzen Laufbericht…


Mit Blick auf den Strongmanrun am 05. Mai habe ich mit einem Marathon im April gehadert. Ursprünglich hatte ich mir Hamburg vorgenommen (Freistart möglich), dann aber wieder verworfen. Bonn am 22. April wäre eine Option gewesen, fiel jedoch wegen eines Infekts aus. So blieb ich ohne Anmeldung, nicht aber ohne Wehmut.

Spontane Anmeldung
Als mir dann Marc im Büro vor wenigen Tagen mit leuchtenden Augen von seinem Start in Düsseldorf vergnügt erzählte, war klar: Es wäre ja wirklich eine total doofe Idee, da zu starten, und nur eine Woche bis zum StrongmanRun für die Regeneration zu haben. Also völlig klarer Fall, darauf zu verzichten. Ist doch logisch. In der Mittagspause checkte ich natürlich trotzdem sofort das Angebot frei gewordener Startplätze, um bei Benedikt fündig zu werden.

Benedikt studiert in Düsseldorf, und hat sich kurzfristig einen Infekt eingefangen. Nicht schlimm, doch ein Bekannter von ihm ist genau daran verstorben: Herzmuskelentzündung, Myokarditis. So plötzlich mit diesem Thema konfrontiert, das Läufer häufig gern verdrängen, bin ich kurz irritiert. Und Benedikt hat meinen Respekt, weil er das Richtige tut. Leichten Herzens verweist er auf Duisburg, wo er in drei Wochen seine Marathonpremiere feiern möchte, Zielzeit vier Stunden. Wir treffen uns auf der Marathon Expo in den Düsseldorfer Rheinterassen. Köln und Berlin konnten hier mit atmosphärischeren und großzügigeren Locations aufwarten, trotzdem ist es eine schöne Stimmung, an diesem sonnigen und mit 28° sehr warmen Samstag. Kleine Kirmes um die Ecke, und noch ein Spaziergang 10 Kilometer entlang des Rathausufers und mit kleinem Kerl auf den Schultern und durch die Altstadt – am Ende schmerzen die Beine, schon fast Tradition am Tag vor dem Marathon.

Also eine sehr kurzfristige Entscheidung, wie ihr lest. Zwei Gründe: Erstens habe ich einfach Lust darauf gehabt. Körperlich fühle ich mich nach Sylt, nach Venlo, nach wie vor sehr gut und leistungsfähig (der Infekt letztes Wochenende war nasty, Dienstag war fast alles wieder weg).  Kleiner Realitätscheck, ob das nicht nur Einbildung ist. Zweitens liegt Düsseldorf direkt vor der Haustüre. Mein Herz wurde beim Gedanken schwer, nicht dabei zu sein. Und es lässt den forthcoming StrongmanRun zu einer besonderen Herausforderung werden, eine Woche nach dem Marathon. Im Haben steht, dass ich für den Marathon nicht trainiert habe. Gar nicht.

Die erste Hälfte: (zu) schnell
Race Day: Am Medienhafen geparkt, und einige Kilometer am Rhein entlang zum Start gegangen. Aufstellung im Startblock, entspannte Atmosphäre, kaum Gedränge. Die 4.000 Marathonis glaube ich nicht ganz, vermutlich läuft der überwiegende Teil Staffel, um 09:30 Uhr starten sie rund eine halbe Stunde nach uns Einzelläufern. Und trotz Platz im hinteren Drittel überquere ich bereits nach 50 Sekunden die Startlinie.

Zugegeben, es war vielleicht ein Fehler, sich direkt ab Kilometer 2 den treibenden, elektronischen Dubstep von Excision & Skism zu geben. Als Zielzeit und Pace habe ich mir 05:50 Minuten pro Kilometer ausgerechnet. Sprich viel entspannter als 05:05 in Venlo, schließlich ging es ja auch diesmal über die doppelte Distanz. Idealerweise wollte ich ein bisschen schneller laufen, um einen kleinen Puffer für die zweite Hälfte herauszuarbeiten. Je nachdem, wie ich mich fühle.

Gute Bedingungen, 16° und bedeckter Himmel. Allerdings zunehmend wärmer und schwüler. Schöne Strecke mit breiten Wegen und tollen Ausblicken auf das Rheinufer, entlang der Messe und zurück entlang am Rheinpark. Über die Kaistraße und Oberkasseler Brücke 3 Kilometer westlich durch Oberkassel, zurück unter der Theodor-Heuss-Brücke und im Bogen wieder auf die rechte Rheinseite via Oberkasseler Brücke, nach Osten Richtung Pempelfort.

21 Kilometer sind geschafft, ich treffe Nina und Matthias, , die wieselflink Einzelläuferin Steffi auf der Strecke begleiten, aber parallel am Streckenrand supporten. Irgendwie sind sie überall, am Start, beim Bergfest, im Ziel. Wir finden uns immer wieder, wunderbar!

Ich bin irritiert beim Blick auf die offizielle Uhr am Halbmarathonpunkt: Rund 01:48, ungefähr meine Zeit aus Venlo. Klasse, aber eigentlich viel zu schnell. Runkeeper sagte mir die letzten Kilometer eine Pace von 05:05 durch, so dass es mich eigentlich nicht hätte überraschen dürfen. Vielleicht, weil es sich so anders anfühlte. Energie war noch da, anders als in Venlo. Dachte ich zumindest.

Die zweite Hälfte: Der Mann mit dem Hammer
Ab Kilometer 25 dann schon der Mann mit dem Hammer, völliger Leistungseinbruch und erste Gehpausen. Keine Kohlenhydrate mehr, trotz reichlich Verpflegungsstationen, Wasser, Iso, Gels, Bananen. Mitten in Derendorf, nah am Zoo. Der  Gedanken beim Gehen ans Aufgeben. Das hat doch mit Laufsport nichts mehr zu tun, ist auch nicht schön für die Zuschauer. Das soll jetzt noch 15 Kilometer so gehen?

Ich mache mir klar, dass ich maximal weit weg vom Auto bin. Die Innenstadt ist gesperrt, der ÖPNV fährt nicht. Also wäre quasi die ganze Strecke eh zu Fuss zurückzulegen. Neben solch pragmatischen Überlegungen triebe mich auch die Schmach des Aufgebens um. Der Spagat zwischen Willen, Können und Gesundheit. Quitter kenne ich schon genug in meinem Leben. Im Sport mag es im Einzelfall gesundheitlich indiziert sein, meist ist die Zeit hinterher härter als die letzten, sausen gelassenden Kilometer auf der Strecke. Jeder Marathoni tritt zum Beißen an. Und da ging heute auch noch was. Also einfach mal wieder mit langsamem Laufen probieren. Und trabe wieder los.

Diese Gedanken und dieser Zustand ist Marathonläufern nicht fremd. Es dauert eine Weile, bis der Körper die Energieversorgung auf überwiegende Fettverbrennung umschaltet. Bei mir hat es einige Kilometer gedauert, womit es diesmal zum Geduldsspiel wurde. So eine tolle erste Hälfte, und dann das! Die 04:00-Pacemaker, erkennbar an den weissen Luftballons, habe ich lange hinter mir gelassen, aber auch lange schon vergessen.

Ab Kilometer 32 lief es wieder runder. Noch 10 Kilometer, das schafft man jetzt auch noch! Außerdem wird die Strecke wieder prominenter, über Graf-Adolf-Straße, Berliner Allee und Herzogstraße geht´s in den Medienhafen und auf die letzten Kilometer über die Königsallee. Am Streckenrand plötzlich Stephan und Barbara, Freunde aus unserem Lauftreff und den Laufkursen der letzten Jahre. Genau wie Peter und Angela stehen sie plötzlich bei Kilometer 38 da, Stephan rennt ein paar Meter mit, wir reichen uns die Hände, und er fragt, ob alles ok ist. Ja, jetzt ganz gewiss. Was für eine Freude! Und Antrieb für den Abschnitt bis zur Königsallee.

Der letzte Abschnitt: Die Jungs mit den Luftballons
Völlig unverhofft überholen mich dort die 04:00-Stunden Pacemaker auf den ersten Metern der Prachtmeile, die von der Graf-Adolf-Straße aus im gesamten U gelaufen wird. Entgeistert realisiere ich, dass trotz der vielen Gehpausen eine Zeit von vier Stunden noch möglich sein könnte. Wenn ich nur mit ihnen Schritt halte. Was gar nicht so leicht fällt. Zu Beginn wäre es gefühlt ein eher gemächliches Tempo gewesen. Jetzt, mit Seitenstechen seit einigen Kilometern, fühlt es sich eher nach der Literaturverfilmung von Stephen Kings „Todesmarsch“ an.

Ich halte einen Kilometer gut mit, muss mich dann aber zurückfallen lassen. Ein Pacemaker klopft mir motivierend auf den Rücken. Es reicht nur noch für weitere hundert Meter Mithalten. Kilometer 41.

Der Zielkanal ist außerordentlich lang. Am Apollo-Theater geht es auf über die Rheinwerfs auf die Joseph-Beuys-Ufer-Alle. Ihr wisst schon, der Bereich zwischen Rheinkniebrücke und Oberkasseler Brücke. 400 Meter erst bergab und dann geradeaus, schnurgerade aufs Ziel. Ich gebe alles, laufe nicht mehr, sondern renne. Sehe die Uhr im Ziel, die 04:00 und ein paar Sekunden zählt. Sehe wieder Nina und Matthias, die mich am Streckenrand anfeuern. Nochmal ein zusätzliches Briket Kraft für die letzten 100 Meter. Geschafft!

Ziel und Fazit
9 Sekunden fehlen netto auf eine Zeit unter 4 Stunden, magische Grenze vieler Freizeitläufer. Was mich alles andere als grämt, im Gegenteil. Eine Verbesserung um 37 Minuten zur bisherigen Bestzeit aus Berlin, ganz ohne Training. Was wird da mit einer gezielten Vorbereitung möglich sein?

Im Zielbereich alles wunderbar. Die Sonne kommt heraus, die Medaille schlägt gegen die Brust, und mit Blick auf eine effektive Regeneration dehe ich sehr bewusst, gönne mir eine Massage und die leckere Zielverpflegung.

Persönlich ein sehr erfolgreicher Marathon direkt vor der Haustüre. Die Stimmung in Köln und Berlin übertrifft Düsseldorf allerding deutlich, glücklicherweise kommen sich die Veranstaltungen terminlich kaum ins Gehege. Augenfällig war lt. Presse und Foren diesmal die geringe Zuschauerbeteiligung an der Strecke. Gefühlt auch gar kein Vergleich mit den anderen Städten oder einem Stimmungswunder wie Venlo. Trotzdem mit Rhein, Brücken, Medienhafen, Königsallee und jeder Menge Düsseldorfer Schick einer DER Marathons in Deutschland. Dem Orga-Team des rhein-marathon düsseldorf e.V. dafür Respekt und Dank.

Im Verlauf der nächsten Woche folgen Eindrücke und Bericht zum Brooks-Equipment: Infinity Singlet (ja genau, farblich aus der neuen Serie) samt Brooks Ghost4 am Fuß.

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