Brooks: Beinkleid für die Winterzeit

Heute hole ich zur Feier erster Schneeflocken das Lange, Schwarze aus dem Schrank, Brooks par excellence: Review der Brooks Equilibrium Running Tights for men and women.
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Ok, ganz ehrlich: Ich hätte das nicht tun sollen. Fremde Testberichte lesen. Doch man interessiert sich ja dafür, was die brothers (and sisters) in law so treiben und schreiben. Selbst flottestes Querlesen verhinderte nicht die Erkenntnis in Form puren Fakten-Destillats: Super Hose, maßgeblich bestimmt durch angenehmen und passgenauen Sitz. Warm und behaglich, weil minimal dicker als andere Hosen. Komfortabel bis (beinahe) in die Fussspitzen, da kommod langer Beinabschluss. Ein tolles Stück Stoff, Polyester, Spandex.

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, doch wo bliebe da die Schöpfungshöhe dieses Beitrags? Seht ihr. Daher habe ich mal kiloweise Laufhosen rausgeholt, egal ob kurz oder lang. Wurde kurzfristig zum Messie, legte sie alle auf die Goldwaage.

Wie jeder Läufer weiss, bedeutet jedes Extrakilo auf den Hüften laut Expertenfaustformel rund 2 Minuten Extrazeit auf der Marathondistanz (innerhalb eines gesundheitlich vertretbaren Korridors). Die Masse muss ja irgendwie bewegt werden.

Runtergerechnet pro Gramm bedeutet das 0,12 Sekunden oder 12/100tel Bestzeitverbesserung, wenn man nicht nur am Essen, sondern Material spart (Sicherheitshinweise). Jetzt ist Laufsport nicht die Formel 1, doch schon 50 Gramm weniger brächten circa 6 Sekunden. Spätestens wenn eure nächste Nettozeit beim Lauf auf xx,05 endet, werdet ihr euch daran erinnern 😉

Gleichwohl muss niemand befürchten, mit sittsamer Bekleidung die rote Laterne ins Ziel zu tragen. Lange Sachen sind auch sicher nicht der Grund dafür, weshalb ihr eure Bestzeiten vorzugsweise im Frühling oder Herbst lauft. Viel eher spielt hier die Thermik und Tagesform eine Rolle. Kälte und Hitze belasten den Körper, so dass entsprechend weniger Kapazitäten im Herz-Kreislaufsystem zur Leistungserbringung bereitstehen.

Grau ist alle Theorie, Schwarz und schwer der Berg von Shorts und Tights neben mir. Die Gewichte im Überblick, sortiert nach Einsatzzweck, gerankt nach Gramm:

Lange Hosen
1. Asics: 179 g (Tight)
2. New Balance: 196 g (Tight)
3. Brooks: 260 g (Lauffunktionshose)
3. Tchibo: 260g (Lauffunktionshose)

Die Tights sind zwar bedeutend leichter, bieten jedoch keine Taschen oder Reissverschlüsse am Beinende. Aufgrund des dünnen Materials geeignet für die Übergangszeit, für Hartgesottene auch ganzjährig.

Kurze Hosen
1. Kalenjii: 99 g (Short)
2. new balance: 120 g (Short)
3. Brooks Equilibrium: 122g (Short)
4. Asics: 132 g (Tight)
5. (no name): 140 g (Short)
6. Nike: 160 g

In der Klasse der kurzen Hosen ist das noch mögliche Einsparpotential an Gewicht naturgemäß kleiner. So hält sich die Gewichtsverteilung im Messfeld ziemlich die Waage.

Triathlon
1. 2xu: 170 g (Suit)

Genausowenig Vergleichsmöglichkeiten wie Neoprenanzüge im Schrank – dafür liebe ich meine 2xu Suit heiss und innig. Wahnsinnig praktisch, sich trotz Schwimmen, Radfahren und Laufen nicht umziehen zu müssen. Dummerweise sehr speziell und eigentlich nur für den Triathlon geeignet, alles andere würde zu viele Fragen bei Mitläufern aufwerfen. Dafür hält die Suit vermutlich ewig, weil sie nur wenige Male pro Jahr zum Einsatz kommt.

MTB
1. Jeantex: 165 g (Tight mit Polsterung)

Irgendwann dieses Frühjahr hatte ich schmerzende Sitzknochen satt, und mir den Luxus eines sportlichen MTB-Tights mit leichter Polsterung an den sensiblen Stellen zugelegt. Eine Wohltat! Kommt leider auch nur sehr selten zum Einsatz, da ich Radfahren auch gern mit Laufen verbinde. Und da stören die Polster. Irgendwie.

Fazit
Der Gewichtsvergleich ist ja ganz nett, macht aber praktisch nur für die Inventur im Sportklamottenschrank Sinn. Keine Überraschung, dass eine rund doppelt so lange Laufhose gut doppelt so viel wiegt wie ihr kurzes Pendant als Tight oder Short. Bestzeitjagten im Winter sind ohnehin relativ aussichtslos, da macht auch der rechnerische Verlust einiger Sekunden auf 42,195 Kilometer keinen nennenswerten Unterschied mehr.

Bleibt Form und Funktion: Da ist die lange Brooks Equilibrium Laufhose überragend. Frösteln Fehlanzeige: Die paar Gramm mehr tun Hose und Halter spürbar gut. In meinem bisherigen Liebling von Asics muss man je nach Witterung (Minusgrade) schon sehr schnell rennen, um die Beine warm zu halten. Mit der Brooks werde ich die Sache sicher etwas schonender und sicherer angehen lassen können.

Besonders gut gefällt mir die Länge der Beine. Der Hose. Die eigenen fallen leider eher kurz aus, daher gibt´s selten Probleme mit Hochwasser an den Beinen. Es erinnert bei jedem Umziehen daran, mit welchem Anbieter man es hier zu tun hat: Brooks sind Laufenthusiasten, die Sportswear von Läufern für Läufer machen. Und das merkt man in solchen „Details“ total. Von einem Vorteil profitiere ich aber doch: Die Reissverschlüsse an den Unterschenkeln sind so lang, dass man problemlos die Hose auch nach (oder vor) den Schuhen an- oder ausziehen kann. Es liegt bei Tights in der Natur der Sache, dass sie, nun, tight sind. Je tighter, desto weniger beschuhter Fuss passt durch. Reissverschlüsse wissen auf solche Probleme zuverlässig seit 1851 eine Antwort. Doch nicht jeder Anbieter treibt den Aufwand, die klemmprinzipbasierten Verschlussmittel einzubauen. Oder ausreichend lang. Brooks hat auch hier mitgedacht und mitgemacht.

Last but not least: Die Zeichnung der Oberfläche und Reflektorelemente schmeichelt dem Auge. Keine schwarze Einöde, sondern (sehr) dunkles Grau. Bogenförmig verlaufende Nähte und Mesh-Einsätze an den Oberschenkeln, die einen technoiden Look versprühen.

Atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend und mit einem Sitz wie eine zweite Haut: Technische Merkmale, wie sie sich jeder Läufer wünscht. Außerdem bietet die Equilibrium ein reissverschlussgesichertes Schlüsselfach hinten, und ein kleinen Einschub innen. Persönlich fädel ich meinen Haustürschlüssel allerdings schon ganz automatisch eher in die Schnürsenkel ein, als sie in die Hinter(n)tasche reinzufummeln. Trägt außerdem nicht auf. Offenen Innentaschen misstraue ich vermutlich zu Unrecht.

Oder wie Goethe schon wusste: Der Mensch sieht nur, was er weiss. In diesem Fall aber mit Beweis, Brooks bietet das beste Beinkleid für die Winterzeit.

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