Marathon Maximum in Berlin: Teil 2

Heute im Programm: Drachenberg, Radarstation und natürlich der Laufbericht vom Marathon. Darum drehte sich an diesem spätsommerlichen Wochenende im September schließlich alles. Sozusagen aim of the game, womit wir schon passenderweise mitten im amerikanischen Sektor wären. Das Präludium zum Marathon bot mit Messe, Frühstückslauf und Olympiastadion (siehe Teil 1) scheinbar noch nicht genug Vorprogramm. Am Samstag schlossen sich spektakuläre Ausblick an, am Sonntag setzten sich mehr als 40.000 Läufer über 42,195 Kilometer in Bewegung.


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Der Drachenberg

Berlin ist nicht nur Bundeshauptstadt, sondern mit rund 900 Quadratkilometern Fläche auch die größte Stadt Deutschlands. Rund 3,5 Millionen Einwohner verteilen sich flach auf dieser Fläche, die nur 34 bis 115 Meter über NN liegt. Das Naherholungsgebiet Grunewald bietet dabei mit Drachen- und Teufelsberg die höchsten Erhebungen Berlins – inklusive spektakulärem Ausblick auf die Skyline Berlins.

Direkt nach dem Frühstückslauf und der Vesper vor dem Olympiastadion stand mir der Sinn nach noch mehr Natur pur. Dank CityMaps2Go waren die nahegelegenen Berge schnell als Ziel ausgemacht und zügig gefunden, rasch erklommen und ausgiebig genossen:
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Die beiden Berge sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus Trümmerschutt entstanden. Anders als beim Teufelsberg (-> Radarstation) sind die Hänge des Berges im oberen Bereich kahl. Der Gipfel besteht aus einem ausgedehnten Plateau, beides begünstigt die ausgezeichnete Rundumsicht. All das ist das Ergebnis meiner späteren Recherche – der kleine Ausflug an sich war eher ungeplant, das Ergebnis um so spektakulärer und ergreifender. Richtiger Ort, richtiger Zeitpunkt: Stahlblauer Himmel und Fernsicht bis zum Gehtnichtmehr, morgen der Marathon – Läuferherz, was willst Du mehr?

Vielleicht ein weniger schlechtes Gewissen angesichts der mittlerweile spürbaren Beine: Die Kilometer durch Berlin fordern am Vortag des Marathons  spürbar ihren Preis. Außerdem ging es mir weiterhin gesundheitlich nicht gut. Ich ignorierte den Zustand, und rechnete die Ursache der Aufregung und starken Sonneneinstrahlung zu.
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Die Radarstation

In meinem Rücken lachte mich der Teufelsberg an: Bewachsen und noch ein wenig höher als der Drachenberg. Oben drauf: Eine Radarstation der US-Streitkräfte. Ihr wisst schon, mit diesen typischen, runden weissen Kugeln auf den Türmen. Der alte Horchposten hat lange ausgedient, und ist jetzt eine Ruine. Der Nachmittag war noch jung, der Weg nicht weit, die Landschaft malerisch und die Gelegenheit einmalig. Also hoch, auch wenn es sich aufgrund dreifacher (!) Umzäunung des unteren Teils längentechnisch beim Hinweg zog.

Recht verwegen ging es dann am „Haupteingang“ durch ein Loch im Zaun auf das Gelände, was atmosphärisch irgendwo zwischen Prypjat, Fukushima und botanischem Garten angesiedelt war. Überall verfallene und zerstörte Gebäude, die Wände mit teils aufwändiger Graffiti verziert, mittendrin Menschen, die sich im Unrat umsahen. Offensichtlich auch in den hoch aufragenden Türmen der Radarstation.

Die Exploration des Geländes war ein Erlebnis für sich. Die Besucher waren alle recht jung und manierlich im Umgang, trotz der einen oder anderen berlintypisch geschwungenen Bierflasche. Die Stimmung war durch den Platz und seine Erkundung spannungsgeladen, die Ruhe und Vorsicht der Gäste dabei beinahe andächtig.

Vorsichtig machte ich mich ins Innere der Anlage auf. In völliger Dunkelheit sah ich zwei Taschenlampen vor mir, und zog mich zunächst wieder nach draußen zurück. Das ging jetzt doch etwas zu weit, ein Unfall unmittelbar vor dem Marathon muss wirklich nicht sein. Doch die Neugier siegte: Ich hatte zwar keine Taschenlampe dabei, doch meine DLSR. Focussierte man in das Dunkle hinein, leuchtete dabei jeweils kurz ein Orientierungslicht an der Kamera auf. Genug Licht, um sicher das Innere zu erkunden. Außerdem wirkte diese Vorgehensweise besonders verwegen.

Mein Weg führte mich irgendwann tatsächlich in das Treppenhaus der Türme, dessen Hauptanlage insgesamt drei kreisrunde Ebenen aufwies. Der Aufstieg war spannend, der Ausblick absolut überwältigend. Dutzende Höhenmeter waren jetzt nochmal gegenüber dem Teufelsberg gewonnen, dessen Plateau gut sichtbar unter und vor uns lag. Die Ebenen der Türme boten die Möglichkeit zum 360° umfassenden Ausblick in luftiger Höhe, Olympiastadion inklusive.

Während auf den beiden unteren Ebenen noch wenigstens ein Drahtseil als Abgrenzung zum Abgrund am rund 4 Meter radial entfernten Stamm des Turmes bot, kannte die oberste „Aussichtsplatform“ auch eine solche Absicherung nicht mehr. Schlagartig übermannte mich Höhenangst. Mit Puddingbeinen blieb ich weitestgehend am Rumpf des Turms, unfähig, Schritte Richtung Rand zu tun. Eine intensive Erfahrung, wenn der Körper plötzlich entgegen des Willens das Kommando übernimmt, und den Dienst quittiert.

Ein junges Pärchen war zeitgleich mit mir auf der obersten Ebene, vertieft ins Fotografieren. Wenig später drehte ich mich um, da saß der Junge mit dem Rücken unmittelbar am Rand sitzen, an eine der der vertikalen Verbindungsstreben zum Dach des Turms gelehnt, mit dem Rücken somit direkt am Abgrund, lediglich gehalten durch die Strebe. Das Mädchen fotografierte, der Junge schob sich langsam wieder Richtung Innenrand, sichtlich erleichtert. „Scheiße, ist das hoch“ stieß er aus, und mir stockte der Atem. Respekt.

Mittlerweile war es 16:00 Uhr, und ich überlegte, den Sonnenuntergang an diesem einmaligen Ort mitzunehmen. Die Sonne hatte am Ende in einem optimalen Winkel zur Skyline gestanden. Das hätte jedoch noch einige Stunden Aufenthalt bedeutet. Ich zog es angesichts des Marathons am Folgetag schweren Herzens vor, zugunsten der Erholung und angesichts der kurzen Nacht vorzeitig zurück ins Hotel aufzubrechen. Der Rückfahrt dorthin müsste ich fairerweise einen eigenen Abschnitt widmen, da es ein Erlebnis für sich ist, vom Navi mitten durch eine Berliner Innenstadt geleitet zu werden, die aufgrund des samstägigen Skate-Marathons gesperrt ist. In der Abendsonne am Gendarmenmarkt zu stehen, und die Inliner vor der Motorhaube entlangsausen zu sehen. Die tief stehende Sonne, das Verkehrschaos, die Welt aus Wolkenkratzern und Prachtbauten, überall fröhliche Skater – das war ungeplant klasse. Sicher gibt es Schöneres, als sich mit dem Auto im Stau plötzlich vor dem Brandenburger Tor wiederzufinden, durchs Diplomatenviertel zu rollen, aber verbunden mit dieser besonderen Stimmung und der Vorfreude auf den Folgetag war das ein schöner Abschluss.

Kurz noch etwas Verpflegung bei der Bäckerei meines Vertrauens organisert, „Dahlback“. Und im Anflug von Panik, die Sicherheitsnadeln für die Starternummer nicht gesehen zu haben, überflüssigerweise im OBI Sicherheitsnadeln gekauft. Angesichts meines sportlichen Outfits (mittlerweile wieder mit Jeans und Jäckchen überdeckt, aber noch immer erkennbar an den Laufschuhen) vom Fachberater gefragt: „Morgen für den Marathon?“. Als ich seine Vermutung bestätigte, geriet er fast aus dem Häuschen, wünschste viel Glück und wusste sogar die Zeit, die es zu schlagen galt (2:03). Respekt. Wie, wo was weiss OBI.
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Der Marathon

Ich muss ein bisschen schneller machen. Das gilt für den Marathon genau wie diesen Beitrag, schließlich soll beides ja auch mal fertig werden. Vorab: Ich bin kein schneller Marathonläufer. Überhaupt auch kein schneller oder besonders guter Läufer oder Sportler. Immerhin laufe ich, trete an, komme ins Ziel, verbessere mich. Doch ich bin weit weg von Werten, die in Sportlerkreisen irgendwelche Beachtung fänden. Auf wesentlich kürzerer Diestanz schaffe ich es gerade einmal ins Leistungslevel der „lokalen Klasse“ (Leistungsrechner). Das wird sich am Ende, in der Zielzeit, wiederspiegeln – dito bei der Startfeldaufstelung.

Ergo stand ich nämlich relativ weit hinten, und das war auch völlig okay. Morgens gegen 06:00 Uhr aufgestanden, den Morgen und das Frühstück genossen. Ausreichend Zeit, um um 08:00 Uhr an der Potsdamer Straße – rund 1 Kilometer entfernt – zu parken. Nur rund neun Grad kühl, weswegen selbst zusätzliches Hemd und Plastikleibchen nicht genügend wärmten, und außerhalb der aufgehenden Sonne Frösteln und Gänsehaut angesagt war.

Sternmarschgleich zog es die Massen durch den Tierpark auf die Straße des 17. Juni,  der mindestens auf der Hälfte der Strecke bis zum Brandenburger Tor (Ziel!) hinter uns mit Läufern gefüllt war. Über 40.000 Läufer im Startfeld, gigantisch. Die Siegessäule aka Goldelse verlor sich fast im Dunst vor mir, unter stahlblauem Himmel.

Wohin man auch sah, überall rote adidas-Plastikwarmhalteleibchen, mit meinem grünen Runners Point Modell verlor ich mich fast ein wenig darin, fühlte mich wie ein Außenseiter. Erstaunlicherweise wechselte ich dann irgendwann auch tatsächlich, zog aufgrund der Kühle noch ein rotes drüber. Langsames Warmlaufen, Stimmung und Musik genießen, Dehnen. Schön diesmal, mehr als genug Zeit zu haben, noch rund 45 Minuten bis zum Start. Der Medical Director des 38. BMW-Marathons macht eine Ansage an die Massen. Man solle jetzt abbrechen, hätte man Symptome eines grippalen Infektes. Alle beschließen, keine Symptome zu haben.

Um 08:30 Uhr Beginn des Massen-Warm-Up. Stehe direkt an einer der Bühnen, auf denen die äußert sportlichen und nett anzusehenden Vortänzer/-innen agieren. Das Vorturnen zündet aber nicht so sehr, wie vielleicht gedacht. Läufer wärmen sich nicht mit Zumba auf. Außerdem brauchen die vorgemachten Übungen viel Platz, was in der Enge des Felds kaum machbar ist. Viele genießen deshalb einfach die Show und wippen mit.

Die letzten (vielen) Minuten vor dem Start sind einfach wunderbar. Countdowns (Biker, Elite und erstes Breitensportlerfeld), tolle Musik (Kill Bill Theme, Vangelis Chariots of Fire, Fluch der Karibik Theme und insbesondere die erste Minute von The Alan Parsons Project, Sirius/Eye in the sky). Gänsehautfeeling (und demnächst wiederzuhören bei unserem Firmenlauf). Aufsteigende Luftballons, klatschende Massen. Sehr bewegende Momente, die Welt besteht nur noch aus Rot (Leibchen), Grün (Bäume) und Blau (Himmel). RGB statt KGB. Emotion pur, an etwaiges Denken kann ich mich indes nicht mehr erinnern. In so einem Moment überlegt man einfach nichts mehr. Keine Strategien, kein Hadern, kein Zaudern, nur Fühlen und Vorfreude, dass es endlich soweit ist. Das monatelange Training, für diesen einen perfekten Moment. Dankbarkeit, hier sein zu dürfen. Stolz. Leichtigkeit. Befreiung. Das langsame Vorgehen zum Start, das Lostraben, das Überlaufen der ersten Zeitmessmatte – der Start in einem so grossen „Freizeitläuferfeld“ ist herrlich unaufregend, fast fliessend flüssig. Plötzlich ist man unterwegs, am Straßenrand jubeln insgesamt über eine Million Berliner zu.

Die Siegessäule ist nach einigen hundert Metern erreicht und umrundet, auf beiden Seiten branden die Läufermassen entlang, wie Wasser an einem Leuchtturm. Sportliche Elementarteilchen. Kopfhörer nutze ich nicht, die ersten Kilometer möchte ich einfach die Stimmung genießen, später kann ich sie noch immer reinfriemeln. Ich werde sie die ganze Strecke über nicht nutzen, was ich gegenwärtig noch nicht weiß.

Die Strecke führt über den Ernst-Reuter-Platz und Moabit ins Regierungsviertel, am Reichstag und den Büros der Bundestagsabgeordneten vorbei. Angela Merkel ist Schirmherrin des Laufs, und soll vom Hörensagen auch aus dem Büro zuschauen, wenigstens einen Blick auf das Spitzenfeld mit Mackau, Gebrselassie, Kiplagat und Radcliffe geworfen haben. Die ersten fünf Kilometer sind geschafft, der Körper warm, die Bauten und Strecke gigantisch.

Der Weg führt Richtung Osten, nach Berlin-Mitte, hinter dem Alexanderplatz und Fernsehturm auf schier endlose Alleen: Karl-Marx, Lichtenberger Straße, Heinrich-Heine-Straße und Kottbusser Damm: In Neukölln befindet man sich bereits bei Kilometer 17. Bis Kilometer 10 hadere ich etwas mit meinem Gesundheitszustand, was sich mit dieser Marke recht schlagartig ändert. Adrenalin und Cortisol tun ihren Dienst, scheinbar bleibe ich stabil, nur meine Beine fühlen sich bereits auf den ersten Kilometern so an, als habe ich von gestern noch einen Halbmarathon in den Beinen. Schlecht, sehr schlecht, aber jetzt nun mal nicht mehr zu ändern. Ich werde sehen, wo das noch hinführt.

In Neukölln knickt die Route ab nach Westen, passiert Kreuzberg und Schöneberg, in dem die Halbmarathonmarke erreicht ist. Idealerweise läuft man beide Hälften des Marathons ungefähr gleich schnell. Ein typischer Anfängerfehler ist es, die erste Hälfte zu schnell anzugehen – jede gewonnene Minute verliert man durch den Leistungseinbruch in Teil zwei fünffach. Deshalb ist ein langsameres, dafür aber kontinuierliches Tempo empfehlenswert. Mit einer Zeit von etwas über zwei Stunden war ich für meine Verhältnisse an diesem Punkt schon zu schnell. Fühlte mich fit und zog Kraft auch aus dem Wissen, im Training schon die 30 Kilometer ohne Gehpausen geschafft zu haben. Und verglich das Gefühl auch mit dem Köln-Marathon, wo mein Einbruch bei relativ identischen Wetterverhältnissen schon kurz nach der Halbmarathonmarke losging, sprichwörtlich.

In Berlin trugen mich die Beine gut und kontinuierlich bis Kilometer 27, bevor sich vereinzelt Gehpausen einschlichen. Erwische mich bei den Gedanken, meinen Körper nicht zerstören zu wollen. Sorge mich angesichts der zunehmenden Zahl krampfender Läufer am Wegesrand. Die Muskeln in den Beinen schmerzen, meine innere Stimme souffliert mir, mich zu schonen, bevor ich urplötzlich vielleicht Krämpfe bekomme. Unsere Gedanken sind Verräter. In Steglitz war es nicht mehr weit Richtung „Wilder Eber“. Der Platz galt als Hochburg der Stimmung, aber auch Heimat des Manns mit dem Hammer. Ich spekulierte mittlerweile auf jeden Getränke- und Erfrischungsstand, beide wechselten sich alle 2,5 Kilometer ab. Glückerweise passierte man kurz nach km28 auch einer großzügigen Powerade-Station, die einem Füllhorn gleich Gels verteilte. Die maltrodextrine Orgie führte zu einem extrem klebrigen Untergrund, statt Trinkbechern pflasternten ausgelutschte Gelbeutel den Boden. Die Schuhe lösten sich nur mit Mühe und sehr geräuschvoll vom Untergrund, die Sache war trotzdem und deshalb recht amüsant. Ob die Straßenreinigung darüber auch Lachen kann, ist nicht überliefert.

Ich wusste, noch 12 Kilometer und rund 500 Kilometer Rückfahrt am gleichen Tag vor mir zu haben. Die Stimmung an der Strecke war durchweg phantastisch. Große Gruppen der obligatorischen Sambatrommler, doch auch Swing- und Jazz-Bands sorgen auf der gesamten Streckenlänge für Abwechslung. Teilweise vernimmt man sie hunderte Meter vorher, was ungemein motiviertend ist, weil sich dadurch immer wieder kleine „Zwischenziele“ bieten. Der Marathon ist zum Genusslauf geworden, die Zeit war mir angesichts der Gesundheit ohnehin egal, Hauptsache heil ankommen. Aufgrund der Zwischenzeiten war ich zudem sicher, mich gegenüber meiner Premiere in Köln deutlich zu verbessern – also alles gut.

Mit Kilometer 34 biegt man auf den schier endlosen Kurfürstendamm ein. „Schier endlos“ ist ein Attribut aus der Fernsehübertragung. Persönlich darf ich sagen, davon schier nichts mitbekommen zu haben. An diesem Punkt fühlt man sich dem Ziel schon relativ nah, objektiv waren andere Abschnitte der Strecke außerdem länger. Die Länge währt auch nur 3 Kilometer, um dann genauso lang durch den Potsdamer Platz und am Gendarmenmarkt vorbeizuführen. Mein persönlichlicher Gänsehautmoment war das Passieren des Potsdamer Platz, der vertikale Blick gen Himmel nach oben zwischen den Wolkenkratzern. Phänomenal, direkt am Sony-Center vorbeizulaufen, die Gebäude hinter sich zu lassen. Gezogen hat sich dann der Abschnitt kurz vor dem Einbiegen auf Unter die Linden, Zielkanal, Brandenburger Tor: Nochmal fast zwei Kilometer geradeaus, die Beine schwer, das Tor passieren, durchhalten: Rechts und links klatschen die Besucher, eine Tribüne, Ziel – fertig.

Im Kopf hatte ich für die letzten hundert Meter ein Gefälle abgespeichert. Das gibt es in Berlin natürlich nicht, der Kurs ist platt wie eine Flunder (nur rund 10 HM gesamt). Der Gedanke rührt sicher noch aus Köln, wo es zum Schluss erst auf eine Rheinbrücke rauf, dann runter ins Ziel geht. Ehrlich gesagt ist so ein Gefälle für einen Zielspurt ziemlich hilfreich. Die Ebene konnte da in Berlin nicht so ganz mithalten, zudem kapituliert der Kopf vor der Geraden. Es ging – speziell der Zieleinlauf aber war für mich nicht der Höhepunkt des Laufs. Das war der Start, das Regierungsviertel, der Ostteil und der Potsdamer Platz.

Das Ergebnis
Ein gepflegter 20.411er Platz – das ist ungefähr Mittelfeld der Finisher, und schon okay. Über 04:37:25 Stunden würde ich am liebsten den Mantel des Schweigens hüllen, aber nun. Immerhin gefinisht, 04:30 Stunden sind damit das nächste Ziel, in der Ferne vielleicht 04:00 Stunden glatt. Heute 22 Minuten schneller als Köln, gleiche Wärme, langfristig besseres Training, schlechere drei Wochen davor, identisch zwei Wochen vorher ein kleiner Triathlon, schlechtere Gesundheit beim Start als in Köln. Und wieder etwas zu schnell angegangen. Gegen Ende sank das Tempo merklich (zum Vergleich: Das Spitzenfeld inklusive Weltelite läuft 21 km/h im Schnitt (!)). Spaßguerilla oder Spitzensport? Ein wie immer sehr lesenswerter und ausgesprochen amüsanter Artikel zur generellen Läufertypisierung am Beispiel Berlin von Achim Achilles hier.

Split…. Tageszeit…. Zeit……… Diff….. min/km  km/h
5 km 09:50:29 00:29:24 29:24 05:53 10.20
10 km 10:20:55 00:59:50 30:26 06:06 9.86
15 km 10:51:58 01:30:53 31:03 06:13 9.66
20 km 11:23:55 02:02:50 31:57 06:24 9.39
Halb 11:30:56 02:09:52 07:02 06:25 9.37
25 km 11:56:33 02:35:29 25:37 06:34 9.14
30 km 12:31:34 03:10:29 35:00 07:01 8.57
35 km 13:06:46 03:45:42 35:13 07:03 8.52
40 km 13:43:50 04:22:45 37:03 07:25 8.10
Finish 13:58:30 04:37:25 14:40 06:41 8.98

Fortsetzung folgt…
Angesichts der späten Stunde ergänze ich in den nächsten Tagen noch einige Infos zur Rückfahrt und dem „Danach“. Vorab die Kurzversion: Am Folgetag saß ich pünktlich um 08:00 Uhr wieder im Büro, drei Tage später war der Muskelkater aus den Beinen verschwunden. Bis heute kämpfe ich aber mit einem seltsamen Körpergefühl, und bin mit einer kleinen Ausnahme noch nicht wieder gelaufen. Das „offizielle“ Bildmaterial des eigentlichen Laufs aus Berlin ist durchwachsen, es sind eigentlich nur drei, vier schöne Fotos von marathonfoto.com dabei. Ob mir das 50 Euro wert sind – ich weiss es noch nicht. Ein bisschen alternatives Material findet ihr in den Collagen, rausgesnippt aus Videos, immerhin jedesmal mit mir irgendwo im Bild, kurz vor dem Ziel.

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