Bericht: 3. Bergfriedlauf in Solingen (Upd.)

Bericht des Solinger Tageblatts: „Schwitzen im Kettenhemd
Bericht des Solinger Boten: „Bergfriedlauf lockte zahlreiche Zuschauer
Bericht + Fotos im Schloss Burg Blog: „3. Bergfriedlauf

Ritter Sport, running pleased: 14 Kilo Rüstung, 40 Teilnehmer, 131 Stufen und Tonnen Spaß – der 3. Solinger Bergfriedlauf ist gelaufen. Heute nur ein kurzes erstes Fazit vom Sturm auf den Turm, denn gleich stehen noch 2 Stunden Dauerlauf auf dem Trainingsplan. Fotos dann im Laufe der kommenden Woche, samt Links auf die regionale und überregionale Presse, die heute zahlreich vertreten war. Ihre Notizblöcke sind volldiktiert, die Speicherkarten der Cams gut gefüllt – das wird im journalistischen Nachgang noch sehr spannend – vor Ort war auch das Laufmagazin RUNNING!

Mit gut 55 Sekunden bin ich zeitlich sehr zufrieden – immerhin eine Verbesserung von 8 Sekunden zum letzten Mal. Die amtierende deutsche Meisterin im Fünfkampf, Katrin Gewinner, war heute auch nur 1 Sekunden schneller ;-). Eine persönliche Steigerung von 15 %, an der sicher das Training der Bergsprints nicht ganz unschuldig ist. Zeiten von unter 1 Minute sind beim Bergfriedlauf nicht die Regel, und können als sportlich durchgehen. Mit dem Ergebnis konnte ich mich sogar gegen einige der Firefight Skyrunner aus Düsseldorf durchsetzen! Der Solinger Bergfriedrekord liegt bei 45 Sekunden (2009). Im letzten Jahr haben 55 Sekunden sogar den Sieg bedeutet – aber heute war Zahl und Klasse der Läufer größer: Der Sieger legte etwas mehr als 46 Sekunden auf die glattgelaufenen Steine.

Die Stimmung war wieder einmal klasse – vielen Dank an Organisator und Moderator Phillip Müller und das Verlagshaus B. Boll, Herausgeber des Solinger Tageblatts. Eine wirklich kleiner aber feiner Lauf, der Teilnehmer aus dem gesamten Bergischen Land anzieht. Die Zahl der Starter hat sich zum Vorjahr verdoppelt! Das Wetter hat pünktlich zum Start gegen 13:00 Uhr mitgespielt und bliebt stabil, der Vormittag war noch sprichwörtlich schaurig.

Persönlich habe ich diesmal das Schloss und die Atmosphäre noch mehr genossen als in den Vorjahren – wie gewünscht war ich pünktlich um 12:00 Uhr zur Einschreibung vor Ort, wonach aber noch genügend Zeit blieb, um das Museum und die Wandelgänge entlang der Mauern zu genießen, und die Strecke zu inspizieren. Man läuft auf teils recht rutschigen Steinen, die von hunderttausenden Besuchern glattgelaufen sind. Dazu addiert sich Moos und Nässe, die in den Spitzkehren des Tracks mit Sand entschärft wurden. Die Steine wechseln sich mit Holzbohlen ab, im Startbereich dominieren außerdem grobe Pflastersteine den Untergrund bis hin zum Einstieg in die Burg. In zwei Durchgängen habe ich mir die Anzahl der Treppenstufen innerhalb der einzelnen „Abschnitte“ der Strecke eingeprägt. Das hat zweierlei Vorteile: Es ist Grundlage für taktische Überlegungen, daneben guter Redestoff für den Smalltalk mit den Mitläufern.

Vor lauter Anfeuern und Klatschen tun einem fast schon die Hände weh, da geht´s auch schon ins Kettenhemd. Die Georgs Ritter haben auch diesmal für das ritterliche Rüstzeug der Läufer gesorgt, und waren mit ihren tollen Kostümen eine Augenweide. Kaum noch Zeit zu überlegen, schon wird man anmoderiert und runtergezählt – 3, 2, 1 – Start. Der präfontale Cortex stellt seinen Dienst ein, ab jetzt wird nur noch Vollgas gegeben. Das Gewicht des Kettenhemds bleibt mir jedesmal weniger in Erinnerung als seine Schwungmasse (in diesem Jahr erstmals mit historisch korrektem Gürtel fixiert) und das Klirren und die Kälte des Eisens auf der Haut. Aus gut 35.000 Ringen besteht so ein Hemd, und wird tatsächlich in jahrelanger Handarbeit von den Georgs Rittern persönlich gefertigt. Wertvolle Einzelstücke, mit denen wir da unterwegs sind. Eine Ehre, sie tragen zu dürfen, Dank dafür auch nochmal von dieser Stelle.

Die 131 Treppenstufen verlangen erwartungsgemäß physisch alles ab. Nach 30 Sekunden ist die in den Muskeln gespeicherte Kraft und Energie aufgebraucht, der Körper stellt die Energiegewinnung um. Auf halber Strecke nimmt man das plötzliche Nachlassen der Kräfte gut wahr, hinzu addiert sich Herausforderung des Anblicks nicht enden wollender Treppen unmittelbar im Bergfried. Gefühlte 45° Steigung und 63 Treppenstufen trennen hier noch von der Siegerglocke – und man ist mit sich und seiner Erschöpfung vollkommen alleine, umschlossen vom tonnenschweren Stein. Die Malteser warten unten und oben im Turm mit Sauerstoffflaschen und Spezialtrageliegen, rücken heute aber nicht aus. Gut, dass es ein Geländer im Turm gibt – die Arme lassen sich so beim Ansturm unterstützend einsetzen. Oben an der Treppe fotografiert wieder die Journalistin vom Läufermagazin RUNNING, ich nehme sie kaum wahr. Geschafft, oben! Kurz orientieren, wo ist die Glocke? Ah, sie hängt in der Scharte, läuten – und fertig! Der Körper lechzt mit jeder Zelle nach Sauerstoff, und ist einzig noch mit Atmen beschäftigt, die ersten ruhigen Schritte etwas torkelnd, jetzt muss der Kopf erstmal wieder auf Komfortprogramm umschalten. Den Rückweg fürt durch Türme, Gänge und den Burggarten – perfekt!

[Update]: Sehe gerade, versehentlich bin ich in die M40-Klasse „über 40 Jahre“ vom Veranstalter einsortiert worden. Gehöre aber definitiv in die M30, das wäre mit der Zeit von 55 Sekunden auch glatt der 2. Platz in der AK M30  gewesen, aber nun – darüber wird (bis auf diese Stelle) ritterlich geschwiegen. Ansporn für 2012! Die Sieger:

Frauen
Katrin Gewinner         54,76 Sekunden
Ute Zentgraf             01.08,73 Minuten
Sally Henkel             01.13,16 Minuten

Männer Ü18
Christian Weinold      46,60 Sekunden
Jonas Guttmann        53,04 Sekunden
Daniel Schilling          56,82 Sekunden

Männer M30
Volker Ludwig           49,57 Sekunden
Chr. Hoffmann           56,29 Sekunden
Oliver Zyball              57,04 Sekunden

Männer M40
Thorsten Moresco   49, 10 Sekunden
Mladen Zecevic         50,60 Sekunden
Thorsten Kaffee         54,13 Sekunden

(Fotos: schlossburg.wordpress.com)

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