Trailrun Hill: Saus und Graus in Solingen

Solingen. 12 Uhr, die Sonne brennt. Warmlaufen nach Gräfrath, Einstiegspunkt in die Route, Schwierigkeit im bergsteigerischen Äquivalent irgendwo zwischen Grad II und III. Unsere läuferische Seilschaft besteht heute aus Nina, Toby und Olaf . Beim Intervalltraining letzten Donnerstag organisierte Toby dankenswerterweise die Runde, deren Route sich heuer den Klingenpfad entlangschlängelte – rund 20 Kilometer inklusive An- und Ablauf.

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Das Wetter dankbar- besser geht es nicht. Mit beinahe sommerlichen 18° startete es gegen Mittag vom malerischen Gräfrather Marktplatz. Der Weg führt direkt bergan auf dem Klingenpfad an den Gehegen der Fauna vorbei Richtung Kuppe, über die Parkplätze, den Wasserturm und den Sportplatz hinab ins Tal. Der Blick schweift weit gen Wuppertal, auf die Südhöhen, und zur MVA auf Küllenhahn. Schon auf den ersten Metern zeigte der Weg, was er optisch drauf hat: Natur pur, beschienen durch eine knallharte Sonne, deren Kraft schon Mitte April beeindruckt.

Kurz zur Begrifflichkeit „Klingenpfad“: Der Wanderweg führt über eine Gesamtlänge von 69,9 Kilometer rund um das Stadtgebiet Solingens. Da Solingen für seine Schneidwarenindustrie berühmt ist, wurde der Weg entsprechend benannt. Sein Verlauf ist gut markiert, seine Gesamtlänge in verschiedene Abschnitte unterteilt. Weitere Infos hier.

Unsere Route führte über den nord-westlichen Teil: Gräfrath, hinab zu den Hängen Richtung Kohlfurth und L74, entlang der Kläranlage Buchenhofen, Richtung Solingen Schaberg. Die Papiermühle passierend, 2 Kilometer später Wendung Richtung Nord-West, aufwärts über die alte Trasse der Ronsdorf-Müngstener Bergbahn, Höhepunkt auf dem Trailrun Hill, dem Schnittpunkt zur Korkenziehertrasse. Dort retour Richtung Gräfrath bzw. Wald. Hier im Überblick, done by Runkeeper:

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Die Route: Exquisit. Die Ausblicke: Phänomenal. Quasi direkt vor der Haustüre sind wir so reich an landschaftlichen Genüssen, die das Bergische Land nicht umsonst zur Urlaubsregion qualifizieren. An den Hängen der Wälder gewinnt das Label „Mittelgebirge“ an Bedeutung – da musste man phasenweise am Steilhang schon wirklich sorgsam hingucken, wohin man tritt, um gravitationalen Ungemach zu vermeiden.

Über 440 Höhenmeter zehren an den Kräften in Saus und Graus. Die Sonne brennt, der Trinkvorrat auch diesmal nur  1 Liter. Toby und Olaf sind mit Trinkblistern auf dem Rücken ausgerüstet, ich laufe noch immer mit kleinem Rucksack und Trinkflasche. Sie tut ihren Dienst, bislang brauchte ich es ja so selten im freien Training, dass die Anschaffung nicht lohnt. Bei so einem warmen und trockenen April weiß man aber wirklich nicht, was da sommerseitig noch kommen soll. Die Menge reichte auf der Strecke wieder nicht, 2 Liter wären besser – am Nachmittag trank ich weitere 3 Liter, und selbst am späten Abend verlangt es mir nach Flüssigkeit. Actio et reactio: Die Energiebilanz verweist auf über 1.300 verbrauchte Kalorien.

Die Grafik der Route gibt nicht die individuellen Längen heute wieder, da ich mittags von Wald erstmal nach Gräfrath gelaufen bin, quasi die Anreise. Als wir uns am Ende trennten, stoppte ich auch die Messung, da ich nach über 20 Gesamtkilometern die Kräfte mit Blick auf den StrongmanRun Ende kommender Woche schonen wollte (heute hätten regulär nur 60min REG auf dem Trainingsplan gestanden, aber das Wetter war doch so schön ;-)).

Andererseits nahm mir der Lauf heute ein wenig die Angst Sonntag nächster Woche. Es ist der erste Lauf, bei dem sich Zweifel hineinmischen, ob ich es ins Ziel schaffe. 20 Kilometer sind kein Problem, die Hindernisse sollten machbar sein. Doch über 1.000 Höhenmeter auf dem Kurs auf dem Nürburgring verdichten es nochmals sehr. Andererseits: Falsche Denkweise. Positive Imagination, wie es glücklich (und bestenfalls in unter 03:30 Stunden) ins Ziel geht.

Am Abend bin ich dann mit dem Motorrad nochmal zum optischen und geographischen Höhepunkt unseres Runs gefahren, um ein paar Fotos zu machen, einen kleinen Sundowner und den nahenden Abend zu genießen. Wem die Bilder bekannt vorkommen: Optisch ein Update zum Long Run Mitte Juli 2010, der mich erstmals auf Trailrun Hill führte.

Wunderschöne zwei Stunden mit Natur pur. Diese Lauf-Momente und -Erinnerungen sind unbezahlbar. Die Natur, das Wetter, die Anstrengung und Zufriedenheit über das Geleistete ist ein Glück, das mit Geld nicht zu kaufen ist. Ja, Auch die Gesellschaft war heute wieder klasse. Der Sport hat sozial sehr viele Facetten – ein Lauf ganz alleine ist anders als das Training mit einer sehr großen Gruppe. Ein Long Jog am Wochenende zu zweit variiert zu einer Kleingruppe wie heute, wo zwar auch über viele Phasen 1:1 gelaufen und gesprochen wird, es aber auch mal wechselt. Am Freitag letzter Woche waren wir mit rund 15 Teilnehmern aus dem Kurs gemeinsam Essen – Laufen ist einfach so viel mehr, als nur ein Fuß vor den anderen zu setzen. Reasons to be cheerful! Dank an Nina, Tobi und Olaf für das tolle Erlebnis heute.

Zum Vergleich: Panorama Juli 2010.

Alle Bilder April 2011 bzw. Juli 2010.

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