Sunny Sunday Solingen Southwest

Plötzlich ist da kein Schnee mehr, kein Regen, keine Kälte, kein Nebel, kein Eis, keine Hindernisse, keine Dunkelheit. Irritierend! Wenn das Wetter lacht, schnell die Gunst der Stunde nutzen, und in T-Shirt und Laufschuhe schlüpfen. Zusammen mit Sir Toby ging es über die Halbmarathondistanz vorbei an Solingens Baum, Bach und Borke auf sportliche Entdeckungstour.

Route: Rau
Die Route führte uns durch bislang nicht explorierte Täler der Klingenstadt. Itter- und Lochbachtal sind ja Hausstrecke, heute der Weg abweichend über Merscheid Richtung Aufderhöhe, zurück über Höhscheid und die Korkenziehertrasse. Landschaftliche Details in der Karte unten, die Täler des Nacker- (hin) und Pilghauser Bachs (zurück, bis zum 19. Jahrhundert übrigens Kattenberger Bach) boten wieder idyllische und urtümliche Ausblicke und knackige Anstiege. Der crosse Charakter des Trailruns war bemerkenswert, nichts für aseptische Reinlichkeitsfetischisten, der Winter hat zusätzlich seine Spuren im Wald hinterlassen (zahlreich umgestürzte Bäume und dadurch nötige Umwege, ausgefräste Bachbette), was die Zeit ziemlich relativiert. Weit über 300 Höhenmeter auf der Strecke, die auch aufkommende Gedanken zugunsten Zugspitzen- oder wenigsten Matterhorn-Bergläufen doch erstmal vertagen. Tempohärte war okay, aber Kraftausdauer im Anstieg ist noch ausbaubar. Die Zeiten unten in der Grafik Makulatur, da ich das GPS immer schon zu Hause starte. Bis zum Tracking vergeht viel Zeit, was die Bilanz verhagelt.

Solingen: Schön
Solingen ist generell eine grüne Stadt, eingebettet in eine wirklich reizvolle und abwechslungsreiche Landschaft. Im Osten und Süden rahmen die bewaldeten und zerklüfteten Wupperberge das Stadtgebiet ein, im Westen die Ohligser Heide. Mittendrin gibt´s Höhenzüge und Bachtäler, die kleinstädtische Siedlungskerne, ländliche Hofschaften und kulturhistorisch wertvolle Kotten beheimaten. Durchzogen von idyllischen Tälern, die teils bis heute noch nicht völlig kultiviert wurden. Rund 50 Wanderwege mit einer Gesamtlänge von 400 Kilometern sind markiert – und dienen gleichermaßen natürlich auch als Laufstrecken. Selbst für Ultramarathonis kommt damit keine Langeweile auf! Die Kölner Studenten, die ich Samstag zu Gast hatte, erwogen vor lauter Schönheit gar einen Umzug – und das will bei Rheinländern was heissen.

Technik: Toll
Zufrieden mit der heutigen Leistung. Gelernt: Einzig ein kleines Bullebäusken zum Frühstück ist für so einen Lauf energetischer Quatsch, ein Liter Wasser als Wegzehrung im Januar ausreichend. Optimal, da Belastung von rund 2 Stunden, wäre eine 6-8%ige Anreicherung mit Kohlenhydraten plus 1-3 Gramm Salz pro Liter, um die Verluste des Körpers auszugleichen. RunKeeper war mal wieder fürs Tracking mit dabei (die Pro-Variante ist übrigens in den verschiedenen App-Stores noch bis Ende Januar kostenlos zu kriegen), wobei ich das iPhone das nächste Mal lieber von Vornherein in den Flugmodus versetze, um Ruhe vor Push-Nachrichten, Anrufen und SMS zu haben. Um so besser gefallen die akustischen Zwischenmeldungen über Zeit, zurückgelegte Strecke und Pace (rechnerische Zwischenzeit der Geschwindigkeit pro Kilometer). Immer wieder auch erstaunlich, wie gut die Zeit beim Laufen für Gespräche genutzt werden kann, aerobe Energiegewinnung hin oder her. Und auch wenn das Sprechen dem Schweigen und Schnaufen auf den letzten Kilometern weicht, ist es schön. Unbezahlbar: An bummeligen Nordic-Walkern vorbeiziehen, während Little Miss Runkeeper gerade mal wieder laut die zurückgelegte Distance und Time durchsagt. Allen.

Dank jedenfalls wieder an Sir Toby für die tolle Strecke und Führung (Einheimische haben es einfach raus)! Einen optischer Höhepunkt wie die Panorama-Kuppe letzten Sommer gab es diesmal zwar nicht, doch schon das Zusammenkommen allein war angesichts unserer Terminkalendern ein Highlight. Neben dem guten Gefühl und der wiederholten Erfahrung, die Halbmarathondistanz an einem frühen Sonntagnachmittag zu laufen. Gesamtdistanz war noch etwas länger, regeneratives Gehen über 2 Kilometer zählt am Ende aber nicht mehr wirklich dazu.

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