Test: Reebok ZigTech

Reebok, amerikanischer adidas AG Ableger, rollt aktuell seine Kampagne für die neuen ZigTech-Schuhe aus und ab. Markantes Merkmal: Die gewellte Sohle, die bis zu 20% Energie an den Träger „zurückgibt“. Less pain, more train, higher gain: Der nötige Kraftaufwand soll sich reduzieren, Gelenke und Muskeln durch die recycelte Energie geschont werden. Klingt unter Trainingsaspekten zunächst paradox, doch spätestens im Wettkampf ist man froh über jede Extra-Quantum Energie.

Was ist also dran am sohlegewordenen Energydrink für die Füße?

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Zunächst mal: Als Designer gibt Reebok Bill McInnis an, einen ehemaligen NASA-Ingenieur, der 4 Jahre lang am Space-Shuttle Programm mitgearbeitet hat, bevor er 1994 als „head of advanced innovation“ zu dem Sportartikelhersteller stieß. Mit Schubentwicklung und  Fluchtgeschwindigkeiten kennt er sich also schonmal aus.

Laut McInnis ist die Zi(g|ck)-Zack-Sohle des Schuhs daraufhin designt, Energie zu speichern und von der Ferse zum Vorfuß zurückzugeben, slinky-inspiriert. Insbesondere im Bereich Hauptbeinmuskulatur, Schienbeine und der Achillessehnen soll sich so der nötige Kraftaufwand für den Vortrieb im Vergleich zu einem Standard-Schuh um bis zu 20 % vermindern. Ziel sei es, damit längeres und härteres Training für die Läufer zu ermöglichen (…).

Bisher setzte ich auf Standard-Schuhwerk, adidas Supernova und Saucony mit XT600 und XT900 Sohle. Anatomisch geformte Geofit-Polsterung, Pro-Moderation der Zwischensohle, Torsion-System für den Mittelfuß (um Verdrehung zu vermeiden), leichte und abriebfeste Außensohlen, für leichte und mittelschwere Läufer mit Überpronation (wie mich) oder Normfuß-Noobs.

Schlüpft man in die Reebok ZigTechs, fällt spontan der geringere Support rund um die Knöchel auf, die Schuhe scheinen hier etwas mehr Luft zu haben. Scheinen, da der Schuh objektiv deutlich leichter und luftiger ausfällt im Vergleich zur bisherigen Orthopädietechnik. Dafür fühlt sich der Tritt härter an, bedingt durch die optisch ziemlich auffällige und vertikal verlängerte Sohle.

The good
Auf der Laufstrecke machen sich die Schuhe ausgesprochen gut, das Trittgefühl ist einwandfrei. Da es heute schon recht spät, dunkel und noch immer etwas uneinheitlich beim Untergrund war (Asphalt, Schnee- und Eis-Mix), drehte ich nur eine kurze Runde von 6 Kilometern. Am Ende kam ich gefühlt erstaunlich schnell und erholt an. Die Schuhe sind sehr komfortabel ausgelegt, der Dämpfungskomfort durch das Mittelsohlenkonzept hoch. Das geometrische Design erhöht spürbar die Sprungkraft. Ein Fazit daraus wäre sehr positiv, aber verfrüht, weil doch bereits der Blick auf das Experiment dessen Ergebnis verändert. Vielleicht war es auch der Placebo-Effekt oder die Tagesform.

Aktuell attestierbar ist die Eigenschaft als guter Laufschuh. Ich werde sie in den nächsten Wochen besonders auf längeren Touren über 10-20 Kilometer testen, und den Artikel updaten. Ein Straßenpreis von rund 90 Euro geht für das Gebotene völlig in Ordnung. Individualisten konfigurieren ihren Schuh alternativ direkt bei Reebok einfach selbst, Kostenpunkt circa 125 äquivalente USD (je nach Konfiguration und Kurs).

Grundsätzlich möchte ich die ZigTechs nicht für das reguläre Training einsetzen, sondern dann, wenn es wirklich darauf ankommt – im Wettbewerb. Denn wer im Ausdauertraining die Anstrengung zu sehr senkt, kann beim Muskelaufbautraining auch gleich weniger Gewicht auflegen, damit´s nicht so anstrengend ist… Doch wenn sich das Werbeversprechen eingesparter Energie beim Laufen bewahrheitet, dürfte man die Rebook ZigTech in Zukunft öfter bei Wettkämpfen sehen, wo das Performance-Plus in reale Nettozeiten übersetzt werden kann.

The bad
Vorfußtechnik hat das Nachsehen: Wer nicht von Ferse zu Digitus abrollt, dürfte weit weniger von der spacigen Sohle profitieren. Das Profil der Schuhe steht mit matschigen, losen Untergrund auf Kriegsfuß, bedingt durch die Bauform. Optisch mögen die Reebok ZigTechs außerdem dem  einen oder anderen etwas zu exaltiert sein – Geschmackssache.

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