Laufen bei Regen

Wer schon damals das Regenrinnenspiel mit den Nachbarskindern liebte, wird sich beim aktuellen Wetter pudelwohl fühlen. Klar ist keiner aus Zucker, doch das Duschgel sollte drinnen bleiben – und das feuchte Vergnügen draussen. Durch den Monsun führen folgende Tipps:

Motivation
Nicht jedem Läufer ist das Wetter egal. Dunkelheit, Kälte, Nässe – das ist für die meisten Grund genug, das Laufen auf morgen zu verschieben. Und wieder, und wieder. Doof nur, wenn die Tage gehen, doch der Regen bleibt. Weck die Wasserratte in Dir – für Veränderung braucht es nicht viel, und am Ende ist der Anfang ganz einfach: Loslaufen. Schwierig? Dann hilft vielleicht „das richtige Bild im Kopf“, die Visualisierung: Die Vorstellung der heissen Dusche danach, der Sieg über den inneren Schweinehund, das angenehme Prasseln der Regentropfen, das wohlige Gefühl beim Abtrocknen. All das sind innere Bilder, die enorm motivieren.

Kopfbedeckung
Spätestens als Brillenträger erkennt man schnell die Vorteile einer schützenden Kopfbedeckung. Könner vereinen in ihrer Technik die leichte Kappe im Sommer, stabile Kappen im Winter bei Kälte und Regen. Das Thema Kälte und Winter ausführlicher hier. Kappen sind durch ihre Form genau richtig gegen den Regen, während wärmend bei Temperaturen unter 3° Buffs (dann zur Mütze gedreht) oder spezielle, dünne Funktionsmützen (zum Beispiel von Odlo) zum Einsatz kommen können.

Regenjacke
Regenjacken zum Laufen sind stets ein Kompromiss zwischen Wasserabweisung (von außen) und Wasserdampf durchlassender Funktionsschicht (von innen). Je nach Höhe der emitierten Körperwärme wird die Funktion der Wasserabgabe durch das Gewebe nach aussen an seine physikalische Grenzen stossen: Es gibt keine Laufjacke, die perfekt gegen Nässe schützt, und gleichzeitig den produzierten Wasserdampf ideal abtransportiert. Eine leicht wasserabweisende Laufjacke plus zusätzliches Langarm-Funktionsshirt ist bei Regen der beste Kompromiss: Die verschiedenen Schichten verzögern den Kontakt von Wasser und Haut, sind atmungsaktiv und leicht, am Ende aber auch wegen der Wärme nicht das Non plus ultra: Schon ab 8° aufwärts kann diese Lösung schnell zu warm werden.

Ein Kompromiss ist häufig auch die Kapuze: Zusätzlich zur Schirmmütze ist sie gut gegen Regen, schirmt aber die Außenwelt sehr ab. Die Sicht und Kopffreiheit wird eingeschränkt. Gold wert sind Jacken, deren Kapuze sich leicht auch während des Laufs auf- und abziehen lässt. Außerdem gibt es mehr und weniger weit geschnittene und bzw. leichte Kapuzen, die heruntergeklappt als weniger störend, „schlabbernd“, empfunden werden. Beim Kauf drauf achten und ausprobieren! Tipp: Es gibt auch spezielle Kapuzen-Shirts, z. B. von Under Armour.

Regenhose?
Wasserdichte Hosen sind so eine Sache: Durch die eingesetzte Membran leidet neben der Flexibilität auch die Atmungsaktivität und Thermik. Körperkühlung ist beim Laufen wichtig. Kann der Körper nicht ausreichend Wärme abgeben, kommt es zu Leistungseinbußen. Vom Unwohlsein mal ganz abgesehen. Ehrlich gesagt kenne ich niemanden mit einer speziellen, wasserdichten Regenhose. Bei zweistelligen Temperaturen wird ohnehin wieder „kurz“ getragen (Laufgott Marc: „Bei Plusgraden!“).

Das Thema Wärmeverlust ist bei den Beinen ohnehin nicht so kritisch wie beim Rumpf und Kopf, da sie naturgemäß beim Laufen in permanenter und stärkster Bewegung sind. Außerdem sind sie vom Körperkern schon ein Stück weit entfernt, Wärmeverluste können also besser kompensiert werden. Unmittelbare Lebensgefahr besteht also auch bei Minusgraden nicht, da der Körper von den Gliedern her einwärts erfriert.

Nasse Füße
Extreme Regengüsse und tiefe Pfützen durchnässen selbst die feuchtigkeitsabweisendsten Schuhe. Nicht alle Läufer mögen das Geräusch und Gefühl nasser Füße, außerdem können durchnässte Socken schnell zu Blasenbildung führen. Auf Nummer sicher geht man mit wasserdichten Sockenüberzügen, die es auch für Fahrradfahrer gibt. Selbst wenn das Wasser den ganzen Laufschuh erfasst hat, bleiben die Füße schön warm und trocken. Eine Alternative sind Trailschuhe, die nicht nur eine griffigere Sohle haben (für Crossläufe, Schnee und Co), sondern auch einen deutlich besseren Halt durch den höheren Schaft und stabilere Obermaterialien bieten. Das Material des Schuhs ist außerdem nicht so durchlässig wie das des gemeinen Laufschuhs, was trockener und wärmer hält.

Trockene Technik
Smartphone oder MP3-Player im Gepäck und keine Lust auf Kurzschluss? Der Handel hat dichte Schutzhüllen für den Strand im Angebot, die auch gut gegen Feuchtigkeit schützen. Los geht´s ab ein paar Euros, die sich bei Regen und langen Läufen schnell bezahlt machen. Im Notfall tut´s auch ein verschlossener Frühstücksbeuteul. Doch Vorsicht: Unter der Regenjacke getragen, bildet sich in allen Fällen schnell Schwitzwasser. Das ist mir selbst beim feuchtigkeitsabsorbierenden BELKIN-Armband passiert, bei 25°, T-Shirt (!) und Kilometer 30 in Köln. Spätestens hier sind Sorgen um teure Technik unangebracht, und die Anschaffung eines günstigen MP3-Players sollte erwogen werden. Tipp: Sansa Cruzer. Gute Kopflampen sind spritzwassergeschützt und weisen Gummidichtungen auf, doch selbst Hersteller wie Zweibrüder Optoelectronics machen für ihre LED LENSER Kopflampen keine genaueren Angaben, etwa zur eigentlichen Klasse des Wasserschutz nach DIN. Andererseits dürfte es für den Normalgebrauch meist reichen, Kapuze gibt´s zur Not ja auch noch.

Das richtige Maß
Spätestens wenn Regen durch die Kleidung dringt, sollte der Weg gen home führen. Schliesslich soll das Immunsystem durch das Laufen gestärkt, und nicht geschwächt werden. Nasse Haut und kühle Temperaturen sind keine kluge Kombination: Das Immunsystem wird zu sehr belastet, der Körper leichter angreifbar für virale Infekte.

P. S.
Dass es kein schlechtes Wetter gibt, nur schlechte Kleidung, ist definitiv ein erfundener Slogan der Outdoor-Industrie. Selbst die beste Kleidung kommt irgendwann an ihre Grenzen, was sicher jeder Produktmanager im Selbstversuch nach 3 Tagen feuchten Campings gern bestätigt. Auch die beste Spezialkleidung bleibt ein Kompromiss und nur eine angenäherte Anpassung an die Gegebenheiten. Ölzeug von adidas bleibt eine Illusion, im Kampf gegen Mutter Natur. Und nach dem Lauf durch den Monsun nicht vergessen: Belohnen. Berichtet auch euren Freunden und Kollegen von den sportlichen Großtaten. Sie werden unverständig tun, aber am Ende wehmütig die Regentropfen an der Scheibe betrachten, und sich selber in die nächste Pfütze wünschen.

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