Mortaler Mythos Marathon

Meldungen über Todesfälle bei Laufveranstaltungen verunsichern regelmäßig Läufer und Veranstalter.

Im Herbst 2008 fanden sich in Berlin führende Sportmediziner und Vertreter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) zusammen. Gemeinsam entwickelten sie einen Selbsttest für die Läufer, die sich damit – spätestens bei der Anmeldung zum Wettkampf – mit dem Thema  Gesundheit gedanklich auseinandersetzen sollen. Denn Laufen ist zwar gesund, doch das trifft nicht auf den jeden Läufer zu.

Die Macher des Köln-Marathons waren die ersten, die diesen PAPS-Test veröffentlicht haben (Persönlicher Aktivitäts und Präventions-Screening-Test). So ein Test ersetzt natürlich keine medizinische Untersuchung, benennt aber warnend potentiell bedenkliche Symptome: (Herz)Schmerzen in der Brust, erhöhter Blutdruck, auffällige Cholesterinwerte oder Atemprobleme.

Mortalität
Ob nun 1.000 oder 50.000 Teilnehmer starten: Die Veranstalter kennen den Gesundheitszustand ihrer Läufer nicht. Zumindest in Deutschland, denn schon in Italien oder Frankreich ist ein Attest über ausreichende Gesundheit Pflicht. Wie valide widerrum so ein dahergelaufenes Attest ist, ist fraglich – denn auch im Ausland gibt es Todesfälle beim Marathon.

Mythos
Ursprünglich ist der Marathon in seiner Bedeutung mit dem Mythos Tod verbunden: Die alte Geschichte vom Botenläufer, der nach der Schlacht der Griechen gegen die Perser 490 vor Christus nach Athen lief, dort kurz „Nenikamen“ („Wir haben gesiegt“) durchgab, und dann tot zusammenbrach. Entbehrt allerdings wohl jeder geschichtswissenschaftlichen Grundlage: Griechen überlieferten damals diese Story 500 Jahre nach eigentlichen Ereignis. Es gilt als sicher, dass Handlungsstränge vermischt und mit Fantasie angereichert wurden.

Herodot, griechischer Historiker, der kurz nach den Ereignissen lebte, berichtete anderslautend vom Lauf des Pheidippies von Athen nach Sparta (246 Kilometer), um die Spartaner im Kampf gegen die Perser um Hilfe zu bitten. Rund 2 Tage soll das gedauert haben (=5,13 km/h – machbar für Walker, die 48 Stunden durchlaufen). Heute erinnert ein „Spartathlon“ daran. Der Streckenrekord liegt mittlerweile bei 20:25 Stunden (=12,15 km/h – flotter Dauerlauf, nur halt sehr lang)

Marathon
Gesund im klassischen Sinne ist ein Marathon als Extrembelastung sowieso noch nie gewesen. Um fit zu sein, muss man nicht öfter als 3 x pro Woche 30 bis 60 Minuten im mäßigen Tempo laufen. „Jeder, der mehr als 25 Kilometer pro Woche läuft, tut dies nicht aus Gesundheitsgründen, sondern ist anders motiviert“, so der amerikanische Fitness-Guru vor Ken Cooper vor über 40 Jahren.

Wenn zehntausende Menschen bei einem Wettkampf zusammenkommen, sind gesundheitliche Zwischenfälle allein schon statistisch wahrscheinlich (was zum individuellen Risiko natürlich gar nichts sagt). Gestiegene Medienaufmerksamkeit tut ihr Übriges. Die meisten Todesfälle sind lt. Experten auf den „plötzlichen Herztod“ zurückzuführen. Ursachen sind angeborene Herzfehler oder nicht erkannte Herzmuskelentzündungen (Myokaditis). Das Risiko liegt auf Seiten kranker Sportler. Gesunde Menschen können indes ohne Sorge sein. „Sport ist Mord“ bleibt eine letale Legende.

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