Kopfhörer im Test

Schadet Musik beim Sport? Neue Experimente zeigen: Klangduschen wirken leistungsfördernd – aber sie führen auch zur Ausschüttung von Stresshormonen. Sportmedizinischen Hintergründen hier.

Experten diskutieren, ob Musik nicht auch Doping ist: Der US-Leichtathletikverband untersagte kürzlich den Einsatz portabler Musikgeräte gänzlich. Unbedarfte Starter bei Marathonveranstaltungen hatten im Rausch der Klänge ihre Vorderleute umgerannt oder, schlimmer noch, sich selbst bis zum Zusammenbruch verausgabt – selbst die New York Times berichtete. Beim London-Marathon wurde ein Verbot zuletzt überlegt, aber keine Sorge: Bei Hobbyläufen wird Musik immer geduldet.

Die Grundsatzfrage „Beats beim Laufen“ ist jedem selbst überlassen und soll heute nicht Thema sein. Wohl aber das für die Beschallung nötige Equipment, die Lieblinge der Lauschmuscheln: Kopfhörer.

Mittlerweile sind mir ja so einige Modelle zu Ohren gekommen: Hier ein kleiner Überblick und Tipps zur ohrdnungsgemäßen Ausrüstung der Auris. Die Reihenfolge ist top-down, bezogen auf ihre Eignung fürs Laufen. Klirrfaktor, Impendanz und andere Tech-Specs interessieren heute nicht, sondern nur das subjektive Soundempfinden und die Praktikabilität.

HAMA (Nackenbügel)
Ehrlicher Sportkopfhörer: Saß durch den Nackenbügel und die gute Passform der Ohrstöpsel bombenfest, besass noch ein „glattes“ Anschlusskabel (neuerdings scheinen „gummierte“ Kabel groß in Mode zu sein – deren geringe „Rutschigkeit“ empfinde ich aber eher als Nachteil, beim Sennheiser und zum Schluss mehr) und überzeugte auch durch sein schickes, weisses Äußere. Subjektiv war der HAMA auch der lauteste Kopfhörer. Im Handel vor Ort schwer zu finden (gilt für Nackenbügelmodelle generell). Aktueller Aufenthaltsort unklar, muss ihn verlegt haben. Genauso unklar sein Verbleib im Netz: Im Oktober 2009 hatte ich ihn günstig beim Quelle Ausverkauf bekommen, eventuell also ein Auslaufmodell. Ganz ähnlich – aber mit Kopfbügel – ist dieses Modell.
Note: 1

Sony MDR76-EX (in ear)
Der günstige Neuzugang aus Jersey (siehe Fotos oben rechts/unten) sitzt durch die ebenfalls leicht abgewinkelten in ears super. Der Klang ist subjektiv gleichauf mit dem AS100, jedoch etwas druckvoller. Dafür gibt´s keinen Haltebügel, durch die gute Passform muss während des Laufens aber nur ganz selten mal mit der Hand nachjustiert werden. Gleichzeitig ist das sein absoluter USP im Verhältnis zu sämtlichen anderen Modellen: Er passt auch gut unter Helme. Das gilt zwar auch für die anderen in ears, der 76-EX ist aber durch die Bauform flacher, nerviges Gefummel zur Justage entfällt.
Note: 1

Sennheiser PMX80 (Nackenbügel)
Schwören viele Sportler drauf – die Farbe ist Gewöhnungssache, klanglich gab es nichts auszusetzen. Leider hat der Sennheiser nur einen Tag bei mir überlebt, da ich nach dem Training mit dem gummierten (!) Kabel an der Türklinke hängengeblieben bin, woraufhin der Klinkenstecker abriss. Das hätte auch mit einem „glatten“ Kabel passieren können, aber durch die Gummierung „rutscht“ das Kabel deutlich weniger an Gegenständen = Restüberlebenschance. Aber selbst bei der Kleidung habe ich das als störend empfunden, da beim Verstauen der Technik regelmäßig manuelle Justage des Kabelsalates nötig wurde, während glatte Kabel quasi von selbst fallen. Wurde daraufhin zur Strafe auch nicht nachgekauft.
Note: 2

Sony MDR-AS100 (in ear plus Bügel)
Zugegeben – dass das kein Nacken-, sondern Kopfbügel ist, habe ich erst hinterher gesehen (siehe Foto oben/rechts). Dafür begeistert der AS100 mit sehr ergonomisch ausgerichteten in ear Kopfhörern, die sich leicht abgewinkelt gut in die Ohrmuschel schmiegen. Außerdem leicht und durch das eloxierte Alu mit futuristischem Look. Bässe sind allerdings nicht sein Ding, dafür ist das Anschlusskabel schön kurz (so kurz, dass Sony gleich sicherheitshalber noch ein Verlängerungskabel beilegt). Fürs Laufen ist das zusammen mit dem Belkin aber wirklich ideal – Kabelsalat war gestern. Das von der Stereoplay kritisierte Gewicht ist für mich kein Störfaktor.
Note: 2

Sony MDR EX32LP (in ear)
Mein weisser Oldie, der es nach 1 1/2 Jahre fast hinter sich hat: In ear ist bei intensivem Gebrauch auch mit Verschleiss behaftet, Stichwort Ohrenschmalz (Cerumen). Nicht umsonst fallen Kopfhörer unter diejenigen Hygieneartikel, die man nach dem ersten Gebrauch beim Onlinekauf auch nicht mehr retounieren kann. Na, jedenfalls klingen sie noch immer gut, wurden aber durch die neueren Modelle mit besserer Passform ersetzt.
Note: 2

Skullcandy (in ear)
Ersatzkauf nach dem durchgefallenen No name (siehe unten). Ich wollte sie mal ausprobieren, weil ich von Skull Candy immer mal gehört habe. Klanglich solide, aber hinter meinen Erwartungen. Weiss, aber ohne besonders ergonomischen Sitz. Wenig anfreunden kann ich mit mit der Marke selbst: Beim Laufen mit ihnen habe ich immer das Gefühl, dass nur noch das passende Ed Hary T-Shirt fehlt. Etwas irrational, aber deswegen verstauben sie bei mir im Schrank.
Note: 3

Logitech FreePulse (aufgesetzt und Ohrbügel)
Eigentlich kein Gerät zum Laufen, da wesentlich zu schwer. Der FreePulse ist dafür kabellos durch Bluetooth. Ich nutze ihn gern auf dem Rad, da der Klang durch die größeren Kopfhörer, die nur auf der Ohrmuschel aufsitzen, weiter und kraftvoller ist und auch Umgebungsgeräusche parallel noch besser aufnehmbar bleiben. Außerdem lässt sich die Lautstärke durch einfaches Antippen am rechten Hörer regulieren – ein einzigartiges Feature hier im Feld. Gleiches gilt für die enorm praktische Kabellosigkeit. Dafür ist der initiale Sync für Bluetooth fummelig, und nimmt immer einige Sekunden in Anspruch. Dennoch: Der optimale Laufkopfhörer in Zukunft wäre für mich ein Mix aus leichtem Aufsatz, Bluetooth und Nackenbügel.
Note: (ohne Wertung)

No name(Nackenbügel)
You get what you pay for: Dieser spontane low budget Kauf aus der Not heraus (HAMA verlegt, Sennheiser gerissen, Sony bestellt aber noch nicht da) saß genau 1x auf meinen Ohren. Der billig verarbeitete Hörer quäckte, die Kopfhörer saßen schlecht und schmerzten. Ich bringe es nicht übers Herz, sie wegzuschmeissen – aber verdient hätten sie es. Hier bewahrheitet sich: Wer billig kauft, kauft zweimal.
Note: 6

Zu guter Letzt: Im gesamten Testfeld finden sich keine Modell mit Ohrbügel (Ausnahme ist hier Logitech, die dafür aber eine flexible Lasche aus Gummi haben). Hier hatte ich für wenige Euro mal ein Modell von Pioneer getestet, was aber überhaupt nicht gepasst hat, und dazu ein elendes Gefummel war. Daher der Abstand von dieser Bauform. Nur positive Erfahrungen habe ich bei allen Modellen mit Kabelgeräuschen gemacht: Gerade bei in ear wird häufig die Übertragung dieser Geräusche auf die Kopfhörer kritisiert (was auch der Grund für die neuartigen Kabelgummierungen sein dürfte), die mir selber aber noch nie Anlass zur Kritik bot. Pump up the volume.


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