7. Himmelgeist Halbmarathon

Heiss, heisser, Himmelgeist: 26 Grad blieben trotz Start um 08:00 Uhr an diesem bisher heissesten Tag des Jahres nicht erspart – doch der Reihe nach:

Empfehlung und Initiative für Himmelgeist (Presse)kam von Sir Toby, bei dem ich mich zuallererst mal herzlichen bedanken möchte. Ohne ihn hätte ich diese läuferische Perle wohl garantiert übersehen. Na, vielleicht nicht hundertprozentig, startete doch auch mein Kollege und Laufgott in Personalunion, Mark-E. Also double-feature bei der comrade-coverage, um es mal mutwillig anglophil auszudrücken.



Das Wetter

Braucht man nicht mehr viel zu sagen – der heisseste Tag der schon über eine Woche andauernden Hitzewelle, mit Spitzenwerten von prognostizierten 35 Grad. Schon morgens um 06:00 Uhr lag das Thermometer über 20°, beim Start um kurz nach 08:00 Uhr bei rund 28°, erwartet wurden während des Laufs über 30°. Dafür die Ansage an alle Teilnehmer vor dem Start: Langsam! Trinken! Gehpausen! Leichte Kleidung! Kompressionsstrümpfe ausziehen! Läufer im Bereich von 2 Stunden für den HM sollten die ersten 5 Kilometer rund 5 Minuten langsamer als sonst angehen – klingt wenig, bedeutet im Tempo aber wirklich Welten. Stellt man sich nicht auf die Hitze ein, wird sie zur Gefahr: Beim ebenfalls am Samstag stattfindenden Fünf-Seen-Lauf in Schwerin, brachen 40 Läufer zusammen (weniger als 1% aller Starter). Thermische Herausforderungen auch beim Drevenacker Abendlauf (ich glaub, DerWesten hat das mit dem „Heiss, heisser“… gemopst!). Dennoch: Dem Laufen ist inne, die eigenen Grenzen zu kennen – nicht nur bei Tempo, Distanz, Ausdauer und Höhenprofil, sondern auch hinsichtlich der äußeren Faktoren wie des Wetters.


Der Pacemaker

Wo wir schon beim Thema Tempo sind: Diesmal war mir der absolute Luxus vergönnt, mit Mark-E einen „personal pacemaker“ an meiner Seite zu wissen. Wie letztens eigentlich immer, lief ich ohne Uhr und ohne Gurt. Mark war dafür bestens mit Garmin-Klamotten bestückt (sah aus wie ein umgerüsteter Scall, doch ich irrte) ergo maß er Zeit und Strecke und und unser Verhältnis dazu. Beim RRM war ich alleine unterwegs, und powerte die ersten 10 Kilometer, was der Stoffwechsel hergab. Das rächte sich bei Energie und Zeit bitterlich, in der zweiten Hälfte brach ich stark ein. Das sollte diesmal nicht nochmal passieren, ergo ließen wir es langsam angehen. Wobei, langsam ist relativ, bei Kilometer 5 lagen wir bei rund 26 Minuten, bei Kilometer 10 bei 53 Minuten. Gleich mehr zum Thema Tempo, zurück zu Super-Mark, der so nett war, an jeder Getränkestation glatt vorsprintete, Getränke für uns beide einzusammeln, und zu reichen – ergo brauchte ich nichts greifen oder gar Halt machen. Bei 8 Stationen macht das schnell mehr als 1 Minute Ersparnis aus – der helle Wahnsinn. Mark: DANKE!


Die Kondition

Die oberen Abschnitte fassen zwei Adjektive zusammen: Heiss und schnell. Während des Laufs ging mir durch den Kopf, dass mir selten in meinem Leben wirklich so dermaßen warm war. Bestimmt habe ich schon höhere Temparaturen erlebt, aber verbunden mit der Anstrengung, war das wirklich heute ein besonderes Erlebnis. Und beim vorgelegten Tempo kamen schon ab 6, 7 Kilometern Zweifel auf, ob man es wirklich zu Ende bringen kann. Vorstufen von Schwindel, verzehrender Durst, hypnotischer Drang zu Gehpausen. Mark sprach die richtigen Worte: „Denk gar nicht erst daran“. Das rief wieder die Erkennis in mir wach, dass der Ausdauersport eigentlich in erster Linie den Willen trainiert, und die körperliche Adaption Beiwerk ist. So klappte es dann auch über die restliche Distanz gut – das Tempo etwas reduziert und an den Stationen 3 Becher geschnappt, davon die Hälfte über Kopf und Körper. So ging´s.


Die
Strecke

Der Start in Düsseldorf-Himmelgeist war klasse – sehr gespannte, gelöste und freundliche Stimmung. Aufgrund der Teilnehmerzahl von deutlich unter 1.000 Läufern (gefühlte 300 am Start, was natürlich wirklich nicht sein kann, die Zahl lag deutlich höher) keine „Massenveranstaltung“, sondern fast schon familiär. Dass der letzte, durchfahrende Linienbus mit La-Ola-Wellen begrüßt wurde, ist Ritual. Cheerleader bei Start und Ziel sind nett anzusehen und eine gute Idee für den nächsten, BERGISCHEN Firmenlauf ;-). Die Strecke führt am Rhein entlang, hinter der Heinrich-Heine-Unversität her, über die Fleher Brücke, an deren Ende die ersten 5 Kilometer erreicht waren. Die Brücke und der Blick auf den Rhein ist eins der ersten Highlights – das war zu allen meien bisherigen Läufen richtig unique. Andererseits waren die brennende Sonne und der Beton die erste Bewährungsprobe auf der Strecke, gefolgt von langen Geraden entlang der Rheinwiesen, gegenüber Vollmerswerth entlang rheinabwärts, bis zur Rheinbrücke D´dorf-Neuss, zurück über Vollmerswerth nach Himmelgeist. Gar kein Vergleich zum öden Duisburg. Abwechslungsreich und kurzweilig. Oder lag es am Wetter?


Die Orga und Verpflegung

Absolut top, entspannt und gut organisiert ging´s schon bei der Ausgabe der Startunterlagen los. Dort lagen auch die ersten kostenlosen Gel-Tuben und Twix bereit – beim gemeinschaftlichen Anbringen der Startnummern im direkten Anschluss kam man außerdem schnell ins Gespräch mit anderen Teilnehmern – toll! Dieser gute, erste Eindruck zog sich wie ein roter Faden durch den ganzen Lauf. Jede Verpflegungsstation an der Strecke war bestens organisiert, und bot zumeist mit einer Abkühlung per Dusche oder Gartenschlauch ein willkommenes Extra. Gleiches gilt für viele Anwohner entlang der Strecke, die den Rasensprenkler rausgestellt haben – und sich offensichtlich an der Freude freuten, die sie selbst bereiteten. Die Existenz eines Dusch-Zeltes (!) in der Finisher-Zone und eine kleine, feine und sympathische After-Run-Party samt Verlosung und Siegerehrung rundeten die Veranstaltung ab (dieses „rundete ab“ ist ja eine beliebte Floskel, aber hier stimmt sie sowas von). Übrigens ist die Anmeldung für 2011 schon freigeschaltet – und Himmelgeist die erste und einzige Veranstaltung, wo das a) sofort am Raceday für´s Folgejahr möglich ist, und b) ich am gleichen Tag auch angemeldet bin ;-). Alleinstellungsmerkmal von Himmelgeist ist auch der „personalize your finish“-Service: Wenn man schnell genug ist, schickt man dem Orga-Team einfach seinen Wunsch-Song für den eigenen Zieleinlauf. Die Startnummer wird markiert, auf den letzten Metern gibt´s dann den vorher per .mp3 oder Titel/Interpret übermittelten Song. Ich schwanke noch zwischen Kraftwerks electro cardiogram, Geomatics nano anu oder Mobys Disco Lies.


Die Zielzeit

Hatte ich nicht. Angesichts des Wetters war mein Ziel, einfach Spaß zu haben und anzukommen. Natürlich packt einen beim Laufen meistens doch der Ehrgeiz. Die genaue Zeit habe ich bis dato noch nicht mal, aber es sollen unter 2 Stunden gewesen sein. Angesichts der Tatsache, dass die Hitze bei 2h/HM Läufern rund 20 Minuten rechnerisch kostete, ist das vielleicht heute eine neue, persönliche Bestzeit. Aber völlig egal, Hauptsache gesund im Ziel!


Das Knie

Oder sollte ich titeln „die Kniee„? Ja, sie tun jetzt weh. Die Schmerzen beim Laufen in den Oberschenkeln und Knien sind diesmal deutlich später aufgetreten, als noch beim zurückliegenden Rhein-Ruhr-HM. Aber sie waren genauso da, während meine Mitläufer beschwerdefrei blieben. Das geht so natürlich nicht weiter, zumal ich wirklich im Anschluss des Laufs heute stark körperlich eingeschränkt bin. Das Thema Marathon wird so schwierig, aber ich werde daran arbeiten. Update folgt. Bisweilen kühle ich insbesondere die Knie sehr stark, lege Verbände an und ein paar Tage Schonung ein.

Fotos und Ergebnisse

Fotos ab Sonntag Nachmittag, Ergebnisse hier. AK Platz 39, Gesamptplatz 249 von 639, 01:58:55 brutto (ca. 0:58:30 netto) abzüglich circa 20 Minuten aufgrund der Hitze – damit bin ich zufrieden ;-).

Dank

Danke nochmal an Tobias Hoffmann und Mark Evermann für die tolle Unterstützung, Tipps, Begleitung und das Mutmachen! Ihr seit spitze! Danke auch an den LC Himmelgeist, die mit diesem Lauf eine echte Perle in petto haben – nicht umsonst galt der Lauf in diesem Jahr bereits als offizieller Vorbereitungslauf auf den Köln-Marathon (die beim LC angeklopft haben). 10 Euro Startgeld sind für das Gebotene mehr als fair – und am Ende auch ein lächerlicher Preis für so ein grandioses Erlebnis!

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