Neu: Nichtrauchen

Rauchen ist ungesund, da braucht man jetzt nicht viel zu schreiben, höchstens auf die Betrachtung speziell für Läufer zu verlinken. Damals Theorie, heute Praxis.

Genauso wenig braucht man zum Nichtrauchen zu sagen – das ist höchst sinnvoll, es gibt jede Menge Angebote, jeder muss hier seinen Weg finden, und um Siegrid (unsere Lauftrainerin) zu zitieren: „Irgendwann wirst du aufwachen, und weisst, du hörst auf„. Das fand ich beim Training übrigens sehr entspannend, bei dem Thema hätte ich vielleicht einen Vortrag oder Bestürzung erwartet, aber vermutlich ist dieser weise Satz einfach Ergebnis vieler Unterhaltungen und eventuell eigener Erfahrung. Ich frag´ sie mal.

Na, jedenfalls bin ich seit Anfang Mai rauchfrei. Es wäre absolut widersinig, bei allergischem Asthma plus Trainingsziel Marathon zu rauchen; egal, ob viel oder wenig. Noch viel schlimmer ist (nicht nur in dem Fall) die Schädlichkeit des Rauchens, die relativ sicher auf kurz oder lang die Lungenfunktion einschränkt. So, dass man sich die befreiende Wirkung der Asthmasprays abschminken kann. Eine (recht konkrete) Horrorvorstellung

DAS hat als Impuls gereicht. Ich glaube, zum erfolgreichen Nichtrauchen ist ein starker, „sachlicher“, initialer Impuls äußerst hilfreich. Gern genommen sind da etwa auch ein, zwei Wochen schwerer Infekts, der Rauchen unmöglich macht. Dabei soll Nichtrauchen ja einfach sein, selbt Raucher seien etwa Nichtraucher im Schlaf. Genauso gut könnte man argumentieren, dass man wie ein transzendenter Yogi weder Wasser noch Brot braucht, schliesst isst und trinkt man schlafend nichts. Also, schwierig scheint der bewusste Beginn. Die Umsetzung , es für immer bleiben zu lassen, noch viel mehr. Oder?

Nach erfolgreichem Start stellt sich also die Frage, wie´s weitergeht. Oder eben auch nicht: Meiner Erfahrung nach ist es hilfreich, so wenig wie möglich über das (Nicht)Rauchen nachzudenken. Wer kennt nicht die Geschichte vom rosa Elefanten, an den man nicht NICHT denken könne. Na? Klappt nicht, oder? Doch. Denkt an ein Nashorn. Ganz fest. Das könnte man jetzt Verdrängung nennen – doch halt: Realität bildet sich im Kopf. Es gibt nicht „die“ Welt, sondern immer nur „unsere eigene“ Welt. Genauso gut kann ich also den Gram vergessen, und mich Schönem zuwenden. Der Punkt ist: Ich muss es einfach tun. Immer wieder. Dabei darf ich mir ruhig Fehler erlauben, nobody´s perfect, aber in kurzer Zeit funktioniert das zuverlässig. Folgendes ist hilfreich:

Verachtung!
Ich gebe sehr bewusst und aktiv innerlich dem Rauchen den Stellenwert, den es verdient. Das ist (wahres) Mittel zum Zweck: Ich verachte es geradezu, schaue darauf herab, halte es für das Allerletze. Es war schlecht für mich, zu nichts wirklich gut, teuer und schädlich. Ein Sack Steine, der lähmt(e) und fesselt(e). Die Alternative ist Freiheit, Ent-Fesselung, der Genuss aller Vorteile, die damit einher gehen.

But: as implies, that´s intrinsic. Ich bin nicht auf einem missionarischen Kreuzzug gegen das Rauchen. Ich freue mich einfach täglich daran, dass es für mich so gut funktioniert, und persönlich bin ich da mit ganz gut Strategien und adaptierbaren Mechanismen gesegnet. Die persönlichen Erfolgsrezepte sind verschieden. Was ich empfehlen kann, ist der Rückgriff und die Anpassung persönlicher, bewährter, anderen Erfolgrezepte, die schon erprobt sind. Anwendungsobjekt: Nichtrauchen.

Durchhaltewillen!
Suggestiv funktioniert bei mir auch die Besinnung auf den Durchhaltewillen des Langstreckenlaufs. Wie habe ich hier Erfolge erzielt, aber war schwach beim Rauchen? Die Antwort ist einfach, ich habe es einfach zugelassen, mir die Schwäche erlaubt, „gegönnt“. Jetzt verbiete ich es mir in den Bild. Konsequent. Und setze innerlich den für den Marathon nötigen Willen mit der Entschlusskraft zugunsten des Nichtrauchens gleich. „Gönnen“ darf ich mir dafür jetzt ganz andere Sachen.

Positive Motivation!
Es ist schwierig(er), wenn man die ganze Zeit das Gefühl und den Gedanken hat, man müsse auf etwas verzichten. Das ist nicht der Fall. Ich behalte mir ja nichts vor, da von Vorteilen oder Genuss bei Zigaretten rational nicht die Rede sein kann. Der Verzicht gilt höchstens den Gesundheitsrisken, den Kosten und der Vielzahl an kleinen, nervenden Aufwänden des Rauchens. Darauf verzichte ich gerne, ansonsten ankere ich mir lieber das Bild, mir etwas zu Geben. Nämlich Luft, Durchatmen, Befreiung, whatever works. Sprichwörtlich visualisiert als Bild, oder noch besser: Verbunden mit Aktivität, etwa an der frischen Luft. Bewusstes Erleben und Spüren – sorry, das klingt jetzt wie aus dem Esoterikratgeber, ist aber ungemein hilfreich. Thilo Baum verdeutlicht in seinem Blog die Sache mit der positiven Motivation anschaulich.

Entzugserscheinungen?
Kopf-Strategie, wenn sich der Jeeper (naturgemäß) doch mal meldet. Kommt allerdings überraschend selten vor, zumeist geschuldet der gelernten Routine, überhaupt sind körperliche „Entzugserscheinungen“ so gut wie nicht bemerkbar. Einzig das Gewicht veränderte sich ein kleines bisschen, was allerdings mit der asthmabedingten Trainingspause vergangene Woche zutun haben kann. Beobachte ich noch gesondert, und werde berichten. Dieser Faktor hemmt Raucher ja auch, und ich bin sicher, es ist mit Sport und gesunder Ernährung kein Problem. Ein bis zwei Kilo zusätzlich täten außerdem ganz gut.

Sonst noch was?
Ich bin am meisten überrascht über die viele, gewonnene Zeit. Steht mir der Sinn nach einer Unterbrechung, macht sie nicht die Konzentration auf Inhalation kaputt. Statt verlorener Raucherpausenzeit Aufgaben erledigen oder, ganz im Sinne von Achtsamkeit, Zeit wirklich bewusst genießen. Was für sich schon wieder Anlass zu Freude ist, sozusagen ein positives Perpetuum mobile.

[Update nach 2 Wochen]
Noch immer rauchfrei, lt. Lehrmeinung sind die (geringfügigen) körperlichen Abhängigkeiten überwunden – subjektiv ist das Verlangen weiterhin immer mal wieder da, genauso aber das Widerstehen und aktive Weglenken der Gedanken zugunsten von Dingen, die (anders als das Rauchen) guttun.

[Update nach 12 Wochen]
Weiterhin einwandfrei rauchfrei. Der körperliche Yeeper ist ganz selten noch spürbar. Dafür gibt es jetzt auch mal Ekel (eigentlich zu hart – eher „Widerwillen“) bei dem Gedanken, wie es wäre, wenn… Geruch und Geschmack haben mittlerweile spürbar gewonnen, das Training macht super Fortschritte, und ich geniesse alle anderen, angenehmen Nebeneffekte des Nichtrauchens. Freunde und Kollegen erklären mir angesichts latenten Unglaubens über die Leichtigkeit des Aufhörens, dass ich dann wohl einfach eine geringere, körperliche Disposition für „Nikotinabhängigkeit“ gehabt haben muss. Glaube ich persönlich nicht, lasse ihnen aber ihren Glauben, und freue mich, es geschafft zu haben.

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