Die Vermessung der Welt

Miß alles, was sich messen läßt, und mach alles meßbar, was sich nicht messen läßt (Archimedes, griechischer Physiker, Mathematiker und Mechaniker)

Herz und Verstand
Alles fing an mit diesem Brustgurt. Er war wichtig, um die Herzfrequenz beim Laufen zu messen. Auch einem Laktattest samt Blut, schmerzlos dem Ohrläppchen entnommen und untersucht auf die Konzentration der Milchsäuresalze, messen Läufer Bedeutung zu. Sie schwören auf km, km/h, hh:mm, mmol, VO2max und GPS. Nicht zu reden vom Trainingsplan. Kontrollierte Disziplin, versessen auf´s Vermessen.

Mit fortdauerndem Training legt sich ein wenig die Magie der Zahlen. Sportliche Grenzen lassen sich im Alltag nicht nach Belieben nach oben verschieben. Automatisch prägt sich ein gutes Körpergefühl aus, die Pulsuhr bleibt immer öfter zu Hause. Herzfrequenzen erspürt man mit wenigen Prozent Abweichung ohne Technik. Was bleibt, ist die Faszination der Möglichkeit zur Messung – und damit disziplinierter Kontrolle. Zahlen sind absolut, objektiv und ehrlich.

Gewicht und Schlaf
Gewicht lässt sich leicht täglich messen (interessant: die WLAN-Waage) Die Folgen des Sports, der Ernährung, von Stress und Infekten sind bei einem regelmäßigen “Tagebuch” gut erkennbar. Mit einem stabilen BMI um 22 und einem Körperfettanteil von 14% erschöpft sich Sache aber nach einer Weile schon wieder. Das Gewicht bleibt konstant, der Messie zieht weiter:

Thema Schlaf. Schön, aber der unkomplizierten Diagnostik und Optimierung at home bislang entzogen. Doch damit ist jetzt Schluss, eine der letzten Mess-Bastionen ist gefallen. Chronobiologisch vorweg: Kurz nach dem Einschlafen geht´s – bei Erwachsenen – in die tiefste Phase des gesamten Schlafes, der zyklisch über Stunden bis zum Aufwachen in seiner Intensität wechselt und immer leichter wird. Bei mittlerer Schlaftiefe wird geträumt, leichte Schlafphasen sind ideal zum Aufwachen.

Amateur-Polysomnographen der ganzen Welt freuen sich seit einiger Zeit über “sleep cycle“, einer günstigen und verblüffend effektiven App für´s iPhone. Mit seiner accelerometrischen Sensorik kriegt es immerhin Bewegungsmuster in der Nacht mit, und macht was Ordentliches draus. Ziel: Automatisch zum optimalen Zeitpunkt (=in leichte Schlafphase) geweckt werden. Flawless.

Fazit
Messungen sind praktisch, aber nicht immer Alles. Erfahrung, Routine und Gelassenheit machen sie gelegentlich entbehrlich – wer schaut auch beim Autofahren ständig auf´s Tacho? Für gezieltes Training und Wettkämpfe ist Leistungsdiagnostik natürlich unerlässlich, daneben bringt das Messen mit Kontrolle und Disziplin auch seine ganz eigene Faszination mit. Die Rückbesinnung auf das Natürliche, Loslassen und Erspüren allerdings auch. Die Wahrheit liegt in der (inneren) Mitte.

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